Vermarktung

- Mit der Umstellung auf ökologischen Anbau muss der Betriebsleiter die Vermarktung seines Obstes meist selbst in die Hand nehmen.
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Gemeinschaftliche Obstvermarktung setzt sich mit der steigenden Zahl von Erzeugerbetrieben durch. Daher hat der Betriebsleiter bei der Umstellung auf ökologischen Anbau immer häufiger die Wahl, ob er gemeinschaftlich auftreten will oder die Vermarktung seines Obstes zukünftig selbst in die Hand nimmt.
Vermarktung von Kernobst
Derzeit gibt es im ökologischen Obstbau drei Vermarktungswege: Die Vermarktung über den Naturkostgroßhandel und zunehmend über den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) spielen die größte Rolle. Etwa zehn Prozent des Kernobstes wird in der Direktvermarktung verkauft.
Die zahlreich über Deutschland verteilten Großhändler nehmen Waren an und beliefern damit die regionalen Naturkostfachgeschäfte. Für die Belieferung des LEH sind Erzeugerzusammenschlüsse erforderlich. Die Größe der geforderten Chargen und die kurzen Zeiträume zwischen Bestellung und Liefertermin benötigen zudem belastungsfähige logistische Strukturen.
Vermarktung von Steinobst
Beim ökologischen Steinobstanbau hingegen wird ein wesentlich größerer Anteil der Waren direkt vermarktet. Dies liegt zum einen daran, dass Steinobst leicht verderblich ist und somit nur sehr begrenzt gelagert werden kann und zum anderen daran, dass die Hauptanbaugebiete für Steinobst traditionelle Direktvermarktungsgebiete sind. Marktferne Betriebe vermarkten über den Naturkostfachhandel und bei Pflaumen und Zwetschgen zunehmend auch über den LEH. Eine Besonderheit beim Steinobst stellen die Sauerkirschen dar, da diese fast ausnahmslos in die Verarbeitung gehen (Saft, Fruchtaufstriche, Konserve).
Welche Vermarktungsform ist die richtige?
Kann bei der Umstellung auf den ökologischen Anbau die Vermarktungsform frei gewählt werden, so sind die Alternativen sorgfältig abzuwägen. Insbesondere sollte der Aufwand im Umlaufvermögen genau geprüft werden. Häufig müssen spezielle Poolkisten oder Einwegleergut zur Vermarktung angeschafft werden. Auch ist der Erfahrungshorizont der Marktteilnehmer im Umgang mit Bio-Ware unterschiedlich. Eine nachhaltige „in Wert Setzung“ der besonderen Produkte des Öko-Landbaus verlangt Kontinuität und Weitsicht der Maktteilnehmer.
Bei der Entscheidung, welche Vermarktungsform gewählt werden soll, müssen neben den Standortbedingungen (Marktnähe, Größe des Betriebes, Spezialisierungsgrad) auch die Neigungen der Betriebsangehörigen mitberücksichtigt werden. Auch ist zu beachten, dass bei der Direktvermarktung zwar höhere Preise erzielt werden, damit aber auch ein sehr viel höherer Aufwand verbunden ist. Die verschiedenen Vermarktungswege lassen sich folgendermaßen charakterisieren:
1. Naturkostgroßhandel
Vorteile:
- Absatz großer Mengen pro Lieferung möglich
- Geringer Zeitbedarf
Nachteile:
- Abhängigkeit vom Abnehmer
- Kein Kontakt mit den Verbraucherinnen
- Große Preisschwankungen möglich
2. Direktvermarktung
Vorteile:
- Hohe Preise
- Geringere Preisschwankungen als bei Ablieferung an Handel
- Direkter Kontakt mit den Verbrauchern
Nachteile:
- Hoher Zeit- und Investitionsbedarf
- Infrastruktur nötig
- Kundenkreis muss aufgebaut und gepflegt werden.
3. Vermarktung über eine Obstgenossenschaft oder private Händler
Vorteil:
- Kein zusätzlicher Zeitaufwand und Investitionsbedarf für die Vermarktung erforderlich (der Betrieb kann sich ganz auf den Anbau konzentrieren)
Nachteile:
- Kein Einfluss auf den Vermarktungserfolg
- Kein Kontakt mit den Verbraucherinnen
- Grosse Preisschwankungen möglich
Aus der Forschung - für die Praxis
Welche Bedeutung haben ausländische Ökoäpfel für die deutschen Erzeuger?
Äpfel sind die wichtigste inländische Obstart auf dem deutschen Markt, und Obst hat einen erheblichen Anteil am Markt für ökologische Produkte. Wissenschaftler der Uni Kassel (Fachgebiet Agrar- und Lebensmittelmarketing) haben den deutschen Markt für ökologische Äpfel analysiert und dabei auch die Maßnahmen betrachtet, die deutsche Erzeuger bzw. Erzeugerzusammenschlüsse ergriffen haben, um sich am Markt zu behaupten. Darauf aufbauend erstellten sie Handlungsempfehlungen für die deutschen Erzeuger von Ökoäpfeln und leiteten Vorschläge für andere Ökoproduktmärkte ab. Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Wissenschaftler, dass die regionale Erzeugung und die besonderen Eigenschaften deutscher Äpfel im Vergleich zu ausländischer Ware stärker als bisher in der Kommunikation mit den Verbrauchern herausgestellt werden sollten. Für andere Produktmärkte empfehlen sie, sich mehr als bisher um den Aufbau von vertrauensvollen Geschäftsbeziehungen zu bemühen und ebenfalls den Regionalitätsaspekt stärker herauszustellen.
Näheres zum Projekt:
Ausländisches Angebot an ökologischen Äpfeln: Bedeutung für deutsche Ökoapfelerzeuger
Letzte Aktualisierung: 05.12.2011
