Weitere Bodenpflegesysteme

- Eine neue Gerätegeneration verzichtet auf eine direkte Bearbeitung des Bodens. Bewuchs und Grasnarbe werden durch rotierende Lappen abgeschlagen, beziehungsweise aufgeraut.
(c) Fördergemeinschaft ökologischer Obstbau e.V.
Während sich bislang die Aufmerksamkeit bei den Bodenpflegegeräten hauptsächlich auf die Bearbeitung des Bodens gerichtet hat, kommt nun eine neue Generation von Geräten auf den Markt. Bei diesen Geräten wird der Bewuchs durch rotierende Gummilappen abgeschlagen. Gegenüber dem Mulchen bietet dieses System den Vorteil, dass zusätzlich die Grasnarbe angegriffen wird und ein erneuter Aufwuchs dadurch dauerhafter unterdrückt werden kann.
Zum Einsatz kommen die Lappengeräte in erster Linie im Sommer und Frühherbst, wenn die Wasserkonkurrenz hoch ist, aber eine Bodenbearbeitung durch die damit verbundene Stickstoff-Mineralisierung unerwünscht ist. Auch kann in dieser sensiblen Phase durch diese Geräte der Verlust wichtiger Wurzelmasse verhindert werden. Doch auch im Frühjahr können diese Geräte zum Einsatz kommen, wenn bei ungünstigen Bodenverhältnissen (Nässe) eine Bodenbearbeitung nicht möglich ist. Im Allgemeinen eignen sich die Lappengeräte sehr gut in Kombination mit den gängigen Bodenbearbeitungsgeräten.
Nachteilig an dem Verfahren sind höhere Kosten durch eine je nach Quartzanteil des Bodens starke Abnutzung der Lappen und dem damit verbundenene Aufwand der Erneuerung. Weiterhin ist das Verfahren nur als Ergänzung der Bodenbearbeitung möglich, so dass eine zweite Maschine im Betrieb vorhanden sein muss. Auch das durch das Verfahren bedingte Einstauben der Obstbäume kann im Herbst nachteilig für die Erntequalität sein.
Interessante Alternative: Das "Sandwich-System"

- Beim Sandwichsystem wird der Boden links und rechts des Baumstreifens offengehalten. Dazwischen stehen die Bäume in einer 20 bis 30 Zentimeter breiten ungehackten Bahn.
(c) Fördergemeinschaft ökologischer Obstbau e.V.
Beim Sandwich-System wird nicht der ganze Baumstreifen offen gehalten, sondern nur zwei etwa 50 Zentimeter breite Streifen außerhalb des Stammbereichs. Im Stammbereich befindet sich ein etwa 25 bis 35 Zentimeter breiter Begrünungsstreifen, in dem im besten Fall niedrigwachsende Pflanzen etabliert werden.
Die Vorteile dieses am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz und an der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft untersuchten Verfahrens sind
- Einsatz einfacher und damit billiger Bodenbearbeitungsgeräte ohne Tastarm
- Vermeidung von Stamm- und Wurzelverletzungen
- Vermeidung von Handhackarbeit im Stammgrundbereich
- Nutzung positiver Auswirkungen der Begleitflora auf den Boden (zum Beispiel N-Bindung durch Leguminosen)
- höhere Arbeitsgeschwindigkeit und damit verbundene Einsparung von Kohlendioxidemissionen
Beim Kernobst besteht aufgrund des dauerhaften Bewuchses jedoch die Gefahr, verstärkt Probleme mit Scher- und Feldmäusen zu bekommen, weshalb eine alleinige Anwendung dieses Bodenpflegeverfahrens gewisse Gefahren birgt. Beim Steinobst, das zudem ein größeres Wurzelwerk aufweist, stellt das Sandwich-System jedoch eine interessante Alternative zu den gängigen Bearbeitungssystemen dar.
In der Erprobung: Thermische Verfahren
Da die mechanische Bodenbearbeitung auch eine Reihe von Nachteilen mit sich bringt, sind stets neue Verfahren zur Beikrautregulierung im Baumstreifen in Erprobung. Hierzu zählen vor allem die thermischen Verfahren. Hierbei wird versucht, durch Hitzeeinwirkung den Bewuchs zu zerstören. Bei entsprechenden Versuchen hat sich jedoch gezeigt, dass durch Abflammen nur eine sehr oberflächliche, wenig nachhaltige Wirkung erzielt wird. Beim Einsatz von Heißwasser konnte die Wirkung wesentlich verbessert werden. Bislang steht allerdings noch keine ausgereifte Technik zur Verfügung.
Letzte Aktualisierung: 30.08.2011
