Aufbau einer ökologischen Kern- und Steinobstanlage

- Unterstützungsgerüste aus Robinienpfählen müssen nicht imprägniert werden und sind deshalb aus ökologischen Gesichtspunkten anderen Materialien vorzuziehen.
(c) Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V.
Eine ökologische Kern- oder Steinobstanlage erfordert eine Investition, die in der Regel auf einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren angelegt wird. Bei der Planung sollte deshalb mit entsprechender Sorgfalt vorgegangen werden. Folgende Punkte sind zu beachten:
- Wahl der Sorten-Unterlagen-Kombination
- Festlegung des Pflanzabstandes
- Bestellung des Baum-Materials: Nur eine frühzeitige Bestellung in einer ökologischen Baumschule garantiert den Bezug gut verzweigter, kräftiger Jungbäume.
- Standortwahl: Die eingeschränkten Möglichkeiten, durch Pflanzenschutz und Düngung regulierend einzugreifen, geben diesem Punkt eine größere Bedeutung als im übrigen Obstbau.
- Bodenvorbereitung: Ein gutes Wachstum der Bäume kann nur in einem belebten Boden mit guter Struktur gewährleistet werden. Eine sorgfältige Bodenvorbereitung mit tiefer Lockerung und anschließender Einsaat einer Gründüngung sowie eine Gabe gut verrotteten Kompost sind je nach Standort sinnvoll.
- Wahl des Unterstützungsgerüstes: Mittlerweile gibt es verschiedene Systeme (Beton, verzinkter Stahl, Holz mit und ohne Imprägnierung).
- Überlegungen über die Möglichkeiten der Nützlingsförderung und ökologische Ausgleichselemente (Hecken, Blütenstreifen und ähnliches).
Apfel, Birne, Zwetschge: Wichtig ist die Unterlage
Im Apfelanbau ist die Unterlage M9 mit Abstand am weitesten verbreitet. In Ausnahmefällen kommt auf wüchsigen Standorten in Verbindung mit einer stark wachsenden Sorte auch die Unterlage M27 zum Einsatz. Umgekehrt kann bei ungünstigen Bodenverhältnissen auf M26 zurückgegriffen werden und bei extensiveren Anbauformen hat nach wie vor die Unterlage MM106 als ertragreiche und stark wachsende Alternative ihre Berechtigung.
Bei den Birnen ist im ökologischen Anbau Quitte A die wichtigste Unterlage. Quitte C kommt aufgrund ihrer zu geringen Wuchskraft oft nicht in Frage und die Feuerbrand resistenten OHF-Unterlagen haben sich im Anbau aufgrund des ungünstigen Ertragsverhaltens nicht bewährt.
Bei den Zwetschgen finden die Unterlagen GF 655-2, Fereley und St. Julien A Verwendung. Erstere sollte jedoch nur auf wüchsigen Standorten gewählt werden. Bei ungünstigen Bodenverhältnissen oder in Verbindung mit sehr ertragreichen Sorten hat sich die stark wachsende Unterlage GF 8-1 bewährt.
Im Süßkirschenanbau überwiegt bei Neupflanzungen auf guten Standorten aufgrund ihres positiven Ertrags- und Wuchsverhaltens die Unterlage Gisela 5. Auf Böden, die zu Sommertrockenheit neigen, kann auch auf die tiefer wurzelnde Maxma 14 zurückgegriffen werden. Im fränkischen Anbaugebiet ist ferner Weiroot 158 verbreitet.
Das "passende" Pflanzsystem
Bei der Wahl des Pflanzsystems sind, neben der Wuchskraft der Unterlage, die gewünschten Baumformen sowie die Einschränkungen, die sich aus den Standortfaktoren ergeben, entscheidend. Bei Pflanzabständen unter einem Meter ist eine saubere Arbeit des Bodenbearbeitungsgerätes nicht mehr unter allen Umständen gewährleistet. Ferner ist zu beachten, dass die Wahl des Pflanzsystems entscheidend zum späteren Mikroklima der Anlage beiträgt. Bei zu engen Abständen ist bei geschlossenem Bestand mit höherem Krankheitsdruck zu rechnen.
Beim Apfel haben sich in Verbindung mit der Unterlage M9 Pflanzabstände von 3,5 bis 4 Metern mal 1 bis 1,5 Metern bewährt. Bei den Birnen sind bei Quitte A und Quitte BA Abstände von 4 bis 4,5 Metern mal 1,5 bis 2 Metern anzustreben. Zwetschgen und Süßkirschen weisen eine höhere Wuchskraft auf. Hier ist ein Pflanzabstand von 4,5 bis 5 Metern mal 2 bis 2,5 Metern sinnvoll.
Aus der Forschung - für die Praxis
Weiterentwicklung der Anbaukonzepte im ökologischen Obstbau
Der Obststbau ist ein anspruchsvoller Bereich des Ökolandbaus und erfordert ein umfassendes Anbaukonzept in Züchtung, Erzeugung und Vermarktung. Vor allem der Pflanzenschutz ist eine Herausforderung für die Anbauer. Im Rahmen eines BÖL-Forschungsvorhabens hat die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. existierende Anbaukonzepte des ökologischen Obstbaus nach Schwachstellen untersucht. Darauf aufbauend wurden in enger Vernetzung von Praxis, Beratung und Forschung für die wichtigsten ungelösten Problembereiche (Apfelwickler, Schorf, Regenflecken, Feuerbrand) Strategieansätze zur Optimierung dieser Konzepte erstellt.
Näheres zum Projekt:
Arbeitsnetz zur Weiterentwicklung der Anbaukonzepte im Ökologischen Obstbau
Aus der Forschung - für die Praxis:
Warum stellen Wein-, Obst- und Gemüsebaubetriebe (nicht) auf ökologischen Anbau um?
Welche Gründe sind ausschlaggebend für oder gegen eine Betriebsumstellung auf ökologische Anbauweisen im Wein-, Obst- und Gemüsebau? Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau haben Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität die Entscheidungsfindung von Betriebsleitern unter die Lupe genommen.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 02.12.2011
