Nützlingsförderung
Bei der Krankheits- und Schädlingsregulierung kommt im ökologischen Obstbau den vorbeugenden Maßnahmen eine besondere Rolle zu. Ein spezieller Bereich ist die Förderung natürlicher Gegenspieler. Durch das Schaffen geeigneter Lebensräume kann die Ansiedlung von Nützlingen in Obstanlagen wesentlich gefördert und so ein Beitrag zur Begrenzung der Schädlingspopulationen geleistet werden.
Wesentliche Voraussetzungen für die Nützlingsförderung sind ein abwechslungsreicher und vielfältig strukturierter Pflanzenbesatz sowie geeignete Unterschlupf-, Nist- und Überwinterungsplätze. Die wichtigsten natürlich vorkommenden Gegenspieler von Obstschädlingen sind Ohrwürmer, Schlupfwespen, Florfliegen, Schwebfliegen, Marienkäfer, Blumenwanzen, Raubmilben, Spinnen, Räuberische Gallmücken, Sing- und Raubvögel.
Unspezifische Maßnahmen zur Nützlingsförderung
Das Biotop Obstanlage ist heute, bedingt durch eine ergonomische Planung, die ökonomische Notwendigkeiten berücksichtigt, relativ strukturlos. Im ökologischen Obstbau gilt es nun Strukturen für die Erhaltung der Artenvielfalt in und um die Obstanlage herum herzustellen. Hierzu zählen alle Maßnahmen, die darauf abzielen, eine Obstanlage ökologisch vielseitig zu strukturieren, z.B. die Anlage von Hecken, die Einsaat von Blütenstreifen und kräuterreichen Fahrgassenbegrünung sowie Schnittholzhaufen. Neben dem allgemeinen ökologischen Nutzen finden in solchen ökologischen Strukturelementen zahlreiche nützliche Insektenarten, Spinnen und Vögel Nahrung und Unterschlupf.
So ist z.B. die Schwebfliege, ein wichtiger Gegenspieler, auf Doldenblütler (Wiesenkerbel, Wilde Möhre, Kümmel u.a.) als Nahrungsquelle angewiesen. Vögel finden in den Samen diverser Kräuter eine ideale Nahrung für den Winter. Erd- und Steinhaufen sind für Mauswiesel und Igel ein geeigneter Unterschlupf. Allerdings ist zu beachten, dass durch einige dieser Maßnahmen auch Feld- und Schermaus gefördert werden, die eine sehr große Gefahr für den Obstbau darstellen können.
Spezifische Maßnahmen der Nützlingsförderung
Hierzu zählt die Ansiedelung bestimmter Tierarten in einer Obstanlage.

- Überwinterungskasten für Florfliegen. Die rote Farbe wirkt auf die Tiere anziehend.
(c) Fördergemeinschaft ökologischer Obstbau e.V.
Vogelnistkästen
Höhlenbrüter (z.B. Meisen) finden in einer modernen Obstanlage ohne künstliche Nisthilfen keine Nistmöglichkeiten. Dabei kann z.B. ein Meisenpaar bei der Aufzucht seiner Jungen in einer Vegetationsperiode bis zu drei Kilogramm Insekten, vornehmlich Raupen, vertilgen. Bei der Wahl der Nistkästen ist allerdings darauf zu achten, dass nur natürliche Materialien verwendet werden und eine Sicherung gegen Nesträuber vorhanden ist. Besonders Holz oder Holzbeton etwa sind geeignet und führen zu guten Aufzuchterfolgen.
Überwinterungsquartiere für Florfliegen
Florfliegen überwintern als adulte Tiere an geschützten trockenen Orten (z.B. in Scheunen). In einer Obstanlage kann diese Aufgabe ein rot gestrichener, mit Stroh gefüllter Holzkasten übernehmen, der seitliche Einflugschlitze aufweist.
Unterschlupf für Ohrwürmer
Mit Stroh gefüllte umgedrehte Blumentöpfe werden gerne von Ohrwürmern besiedelt. So sind Ohrwürmer beispielsweise sehr effizient bei der Regulierung der gefürchteten Blutlaus. Allerdings können Ohrwürmer auch Schaden anrichten, indem sie in der Stilgrube Kot hinterlassen oder reifende Steinfrüchte wie Pflaumen oder Pfirsiche anfressen.
Nisthilfen für Wildbienen
Wildbienen und hier insbesondere Mauerbienen sind durch ihre starke Behaarung sehr gute Blütenbestäuber und fliegen bereits bei deutlich kühleren Temperaturen als die Honigbienen. Als Solitärbienen benötigen die Mauerbienen Niströhren. Diese können aus Schilf, Holz oder Ton bestehen.
Aus der Forschung - für die Praxis
Geringere Empfindlichkeit von Apfelwicklerstämmen gegen das Apfelwicklergranulovirus
Das Apfelwicklergranulovirus (Cydia pomonella Granulovirus, CpGV) ist ein effizientes biologisches Bekämpfungsmittel des Apfelwicklers mit großer Bedeutung im ökologischen Kernobstbau. Die Granuloviren infizieren die Mottenlarven und lassen sie innerhalb weniger Tage absterben. 2005 wurde erstmals eine Resistenz gegen CpGV in einzelnen Anlagen beobachtet. Ein Forschungsvorhaben hat verschiedene Aspekte der CpGV-Resistenz untersucht, um geeignete Hilfestellungen für den Ökoapfelanbau zu entwickeln.
In einem Forschungsvorhaben konnten Wissenschaftler neue Virenstämme isolieren, die auch gegen resistente Motten wirksam sind und zudem das für die Resistenzbildung verantwortliche Gen im Apfelwickler identifizieren. Die Forscher hoffen, in Zukunft maßgeschneiderte Mittel gegen Apfelwickler entwickeln zu können. "In Europa gibt es zahlreiche Betriebe, denen wegen resistenter Apfelwickler empfindliche Ernteschäden drohen. Mit den neuen Viren werden wir wieder ein effektives Bekämpfungsmittel haben. Und wir sind zuversichtlich, dass es möglich sein wird, durch die Anwendung verschiedener Virus-Isolate eine Resistenzentwicklung, wie wir sie in den vergangenen Jahren beobachtet haben, in Zukunft zu vermeiden", sagt Projektleiter Dr. Johannes Jehle vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz.
Näheres zum Projekt:
Management der Minderempfindlichkeit von Apfelwicklerstämmen gegenüber dem Apfelwicklergranulovirus
Aus der Forschung - für die Praxis
Regulierung der Blutlaus im ökologischen Obstbau
Die Blutlaus, die in den vergangenen Jahren verstärkt in Mitteleuropa aufgetaucht ist, hat sich zum Problemschädling für den ökologischen Obstbau entwickelt und verursacht erhebliche Ertragseinbußen. Zwar gibt es verschiedenste Nützlinge als natürliche Gegenspieler, eine wirksame Regulierungsstrategie konnte jedoch noch nicht etabliert werden. Ein Forschungsvorhaben hatte zum Ziel, eine betriebliche Behandlungsstrategie zur Bekämpfung der Blutlaus durch den gezielten Einsatz von Ohrwürmern sowie Ölbehandlungen zu entwickeln. Der Einfluss der Ohrwürmer erwies sich nach Angaben der Forschenden als schwer nachweisbar. Der Vergleich der Applikation von Öl mit dem Pinsel bzw. per Gebläsespritze zeigte bei einem hohen Befall deutliche Vorteile für das Pinseln: Die Behandlung sei direkter und wesentlich effektiver bei hohem Befall, allerdings aber auch zeitaufwändig und ohne Zulassung in Deutschland, erläutern die Wissenschaftler.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 05.12.2011

