oekolandbau.de - Das Informationsportal



Sortenwahl - Steinobst

 

Mit dem Zwetschgen- und Kirschensortiment muss eine lange Reifeperiode abgedeckt werden. Ferner sind guter Geschmack und eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten von Bedeutung.

Zwetschgen

Grafik: Reifezeitpunkte im Pflaumen- und Zwetschgensortiment (Südbaden)
Reifeperioden der wichtigsten Zwetschgensorten für den ökologischen Anbau

Zwetschgen werden im ökologischen Anbau in Deutschland vor allem als Tafelware produziert. Direktvermarktung spielt eine wichtige Rolle, daher kommt dem Geschmack eine besondere Bedeutung zu. Da sich Zwetschgen in der Regel nur wenige Tage im Kühllager aufbewahren lassen, ist eine Erntestaffelung über die gesamte Reifeperiode wichtig.

In den meisten Zwetschgenanbaugebieten ist die Sharka-Krankheit (Mykoplasmose) verbreitet. Daher sollten in erster Linie Sorten gewählt werden, die eine Sharka-Fruchttoleranz aufweisen. Da nicht alle Zwetschgensorten selbstfertil sind, müssen bei dem Aufbau einer Zwetschgenanlage die Befruchtungsverhältnisse der einzelnen Sorten berücksichtigt werden.

Fertilität von Zwetschgensorten:

  • selbstfertil: Auerbacher, Bühler, Cacaks Fruchtbare, Cacaks Schöne, Elena, Hanita, Hauszwetsche, Herman, Katinka, Mirabelle, Presenta, Top, Valjevka
  • teilweise selbstfertil: Ersinger, Fellenberg, Felsina, Löhrpflaume, Ortenauer
  • selbststeril: Cacaks Beste, Cacaks Frühe, Graf Althanns Reneklode, Große Grüne Reneklode, President, Ruth Gerstetter, Tipala

Dabei ist zu beachten, dass unter ungünstigen Blühbedingungen auch selbstfertile Sorten wie z.B. die Hauszwetschge bei Fremdbefruchtung einen höheren Fruchtansatz aufweisen.

Sortenunterschiede bestehen auch in Bezug auf Blühzeiträume und Empfindlichkeit gegenüber Kälteeinbrüche während der Blütezeit.

Zwetschgen der Sorte Katinka
Zwetschgensorte Katinka
(c) Fördergemeinschaft ökologischer Obstbau e.V.

Relative Blühzeiten:

  • Frühe Blühzeit: Ruth Gerstetter (f), Cacaks Frühe (f), President (s)
  • Frühe bis mittlere Blühzeit: Cacaks Beste (m), Ortenauer (s), Presenta (s)
  • Mittlere Blühzeit: Ersinger (f), Tegera (f), Bühler (m), Cacaks Schöne (m), Felsina (m), Hanita (s), Cacaks Fruchtbare (s), Top (s)
  • Mittlere bis späte Blühzeit: Katinka (f), Auerbacher (s), Hauszwetsche (s)
  • Späte Blühzeit: Herman (f), Stanley (s), Valjevka (s), Elena (s)
  • Sehr späte Blühzeit: Pitestean (m), Fellenberg (s)

Die Angaben in Klammern bezeichnen die Reifezeit der Sorten: f = frühreife Sorten, m = mittelfrühe sorten, s = mittelspäte und späte Sorten

Empfindlichkeit gegen tiefe Blühtemperaturen:

  • wenig empfindlich:Cacaks Fruchtbare, Cacaks Schöne, Katinka, Stanley, Top
  • mäßig empfindlich: Auerbacher, Bühler, Cacaks Frühe, Elena, Hanita, Herman, Ortenauer, Presenta, President
  • stark empfindlich: Ersinger, Cacaks Beste, Hauszwetsche, Valjevka

Sauerkirschen

Bei Sauerkirschen muss bei der Sortenwahl auf eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen die Monilia-Spitzendürre geachtet werden. Da die Schattenmorelle - welche im konventionellen Anbau die weiteste Verbreitung hat - hier sehr anfällig ist, scheidet sie für Neupflanzungen im ökologischen Obstbau aus. Das Gleiche gilt für die Sorte Vowi.

Eine interessante Sorte ist die ungarische Sorte Ujfehertoi fürtös (Ungarische Traubige). Sie weist zwar nur 60 bis 70 Prozent des Ertrages der Schattenmorelle auf, ist aber sehr robust gegenüber Monilia und Sprühfleckenkrankheit. Eine weitere interessante Sorte ist die Neuzüchtung Morina aus Dresden-Pillnitz. Nur eingeschränkt empfehlenswert ist Gerema. Sie ist zwar sehr ertragreich und relativ robust gegenüber Monilia, weist aber eine sehr hohe Anfälligkeit gegenüber der Sprühfleckenkrankeit auf. Darüber hinaus wächst Gerema sehr schwach, so dass sie für die maschinelle Ernte wenig geeignet ist.

Sauerkirschen sind in der Regel selbstfertil, so dass Befruchtersorten nicht zwingend notwendig sind. Bei schlechten Blühbedingungen wird jedoch auch bei selbstfertilen Sorten durch die Anwesenheit von Befruchtern der Fruchtansatz verbessert.

Süßkirschen

Für Süßkirschen gilt wie bei den Zwetschgen, dass eine möglichst lange Reifeperiode abgedeckt werden sollte. Unter den Anbaubedingungen Süd- und Mitteldeutschlands sind jedoch in erster Linie die Frühsorten interessant, da diese kaum von der Kirschfruchtfliege befallen werden. In Norddeutschland, nördlich von Hannover, taucht die Kirschfruchtfliege selten auf, so dass hier im Sortiment keine Einschränkung erfolgen muss.

Für den ökologischen Anbau kommen nur Sorten in Frage, die eine hohe Platzfestigkeit und eine geringe Anfälligkeit für Monilia-Fruchtfäule aufweisen. Leider müssen bei diesen Sorten in der Regel deutliche Kompromisse bei der Fruchtqualität eingegangen werden (Festigkeit, Größe, Transportfestigkeit). Mit Ausnahme weniger Sorten sind Süßkirschen selbstunfruchtbar und deshalb auf die Bestäubung mit Pollen einer anderen Sorte angewiesen. Da sich nicht alle Sorten uneingeschränkt befruchten können (Intersterilität) muss bei der Auswahl der Befruchtersorten dieser Aspekt berücksichtigt werden.

Bei schlechter Witterung ist die Produktion von Süßkirschen sehr unsicher, da die Kirschen schnell aufplatzen und faulen. Daher sind erste Betriebe in Norddeutschland zu einer geschützten Produktion unter Regendächern übergegangen. Betriebswirtschaftliche Analysen dieser sehr kapitalintensiven Produktionsweise stehen noch aus.

Geeignete Süßkirschensorten für den ökologischen Anbau

Sorte: Burlat

  • Reifewoche: 1.-2.
  • Blüte: mittel - früh
  • Wuchs: stark, breit ausladend, schwache Verzweigung
  • Befruchter: Merchant, Sam, Starking
  • Fruchtgröße: 26 Millimeter
  • Platzanfälligkeit: mittel bis hoch
  • Fruchteigenschaften: mittelfest, saftig-süß, aromatisch
  • Ertrag: mittel
  • Bemerkungen: anfällig für Schwarze Kirschenlaus

Sorte: Merchant

  • Reifewoche: 2.-3.
  • Blüte: mittel - früh
  • Wuchs: mittelstark, flach
  • Befruchter: Burlat
  • Fruchtgröße: 25 Millimeter
  • Platzanfälligkeit: gering bis mittel
  • Fruchteigenschaften: mittelfest, saftig-süß
  • Ertrag: mittel

Sorte: Valeska

  • Reifewoche: 3.
  • Blüte: mittel - früh
  • Wuchs: stark mit hoher Verzweigungsdichte
  • Befruchter: Schneiders, Büttners
  • Fruchtgröße: 21 Millimeter
  • Platzanfälligkeit: gering
  • Fruchteigenschaften: weich, saftig-süß
  • Ertrag: hoch

Sorte: Johanna

  • Reifewoche: 3.-4.
  • Blüte: mittel
  • Wuchs: mittelstark
  • Befruchter: Hedelfinger
  • Fruchtgröße: 23 Millimeter
  • Platzanfälligkeit: gering
  • Fruchteigenschaften: weich, tiefschwarz, süß
  • Ertrag: hoch

Sorte: Sam

  • Reifewoche: 4.-5.
  • Blüte: spät
  • Wuchs: mittelstark
  • Befruchter: Burlat, Regina, Starking
  • Fruchtgröße: 24 Millimeter
  • Platzanfälligkeit: gering bis mittel
  • Fruchteigenschaften: mittlerer Geschmack
  • Ertrag: hoch
  • Bemerkungen: sehr guter Befruchter

Sorte: Kordia

  • Reifewoche: 5.-6.
  • Blüte: mittel-spät
  • Wuchs: mittel, flach
  • Befruchter: Johanna, Sam
  • Fruchtgröße: 25 Millimeter
  • Platzanfälligkeit: gering
  • Fruchteigenschaften: fest, längliche Frucht, guter Geschmack
  • Ertrag: hoch
  • Bemerkungen: Blüte sehr kälteempfindlich, nur in geschützten Lagen

Sorte: Regina

  • Reifewoche: 7.
  • Blüte: sehr spät
  • Wuchs: stark, breit und flach
  • Befruchter: Sam, Schneiders
  • Fruchtgröße: 27 - 28 Millimeter
  • Platzanfälligkeit: gering
  • Fruchteigenschaften: fest, süß-säuerlich, aromatisch
  • Ertrag: hoch
  • Bemerkungen: Hauptsorte im späten Reifebereich

Letzte Aktualisierung: 05.12.2011

Seitenende