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Anbau von Mischkulturen mit Ölpflanzen

Verbesserung der Flächenproduktivität möglich?

Mischkultur: Weizen und Weißer Senf
Der Anbau von Mischkulturen mit Ölpflanzen (hier Weizen und weißer Senf) kann dazu beitragen, die Flächenproduktivität im Öko-Landbau zu steigern
©BLE, Bonn; Quelle: FAL Trenthorst

Der Anbau von Mischkulturen mit Ölpflanzen wurde in den letzten Jahren auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben diskutiert. Den Anbaurisiken für Ölfrüchte wie Schädlingsbefall und Verunkrautung stehen viele positive Aspekte gegenüber: hohe Marktpreise für ökologisch erzeugtes Öl, die Nachfrage nach Ölpresskuchen für die Tierfütterung und die allgemein positiven Wirkungen von Mischkulturen (höhere Ertragselastizität gegenüber Umweltbedingungen, höhere Konkurrenzkraft gegen Unkräuter, höhere Flächenproduktivitäten durch Synergien der unterschiedlichen Pflanzen).

Ziel des Forschungsprojektes "Anbau von Mischkulturen mit Ölpflanzen zur Verbesserung der Flächenproduktivität im ökologischen Landbau - Nährstoffaufnahme, Unkrautunterdrückung, Schaderregerbefall und Produktqualitäten" war, verschiedene Mischfruchtanbausysteme von Getreide oder Leguminosen mit Ölsaaten zu untersuchen. Das Forschungsvorhaben wurde im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau durch das Institut für ökologischen Landbau der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Kooperation mit dem Naturland e.V., der Technischen Universität München und der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern ausgeführt.

Im Rahmen des Projekts fanden an vier Standorten in Deutschland zweijährige Parzellenversuche mit ökologischer Bewirtschaftung statt. Bei den Sommersaaten wurden verschiedene Gemenge untersucht: halbblattlose Erbsen mit Leindotter, weißem Senf oder Sommerraps; schmalblättrige (blaue) Lupine mit Leindotter oder Saflor; Sommerweizen mit Öllein oder Leindotter sowie Öllein mit Leindotter. Bei den Winterungen wurden Gemenge aus Winterraps mit Wintergerste, Winterroggen oder Wintererbsen geprüft.

Mischkultur von Sommerweizen und Leindotter
Mischkultur Getreide - Ölpflanze: Sommerweizen und Leindotter
©BLE, Bonn; Quelle: FAL Trenthorst

Die Mischfruchtanbauvarianten wurden mit den jeweiligen Reinkulturen der Gemengepartner verglichen. Folgende Parameter wurden erfasst: Korn- und Stroherträge, Unkrautvorkommen, Unkrautdeckungsgrad, Blattflächenindex, Stickstoff-, Phosphor-, Kalium-, Magnesium- und Schwefel-Gehalte in Korn und Stroh, die Aufnahme der genannten Nährelemente sowie verschiedene Qualitätsparameter in Körnern, Öl und Ölkuchen. Bei den Pflanzenkrankheiten und Schädlingen wurde ein Schwerpunkt auf die Erfassung von Schädlingen des Rapses und deren natürlichen Gegenspielern gesetzt. Weiterhin wurden Landwirte befragt, um die tatsächliche Verbreitung von Mischfruchtanbausystemen in der Praxis und praktische Erfahrungen damit zu erfassen. Verschiedene Techniken der Aussaat konnten evaluiert und eine Spezialdrillmaschine für den Anbau von Mischkulturen entwickelt werden.

Die detaillierten Einzelergebnisse sind dem Schlussbericht zu entnehmen,  der in der Online-Datenbank Organic Eprints abrufbar ist; der Schlussbericht ist zudem als Sonderheft 309 der Reihe "Landbauforschung Völkenrode" des vTI erschienen und kann dort bestellt werden (Links siehe unten). Zusammenfassungen der Ergebnisse aus den verschiedenen Projektbereichen werden nachfolgend dargestellt.

Erträge höher im Vergleich zu Reinsaaten

Die geprüften Mischfruchtanbausysteme mit Ölpflanzen zeigten an den verschiedenen Standorten und in den einzelnen Versuchsjahren stark unterschiedliche Erträge. Hinsichtlich der gemeinsamen Abreife wies die Mischung aus Saflor und blauer Lupine die größten Differenzen auf. Für die übrigen Mischungen waren die Unterschiede bei der Erntereife der Komponenten vertretbar. Sommerraps fiel durch Schädlingsbefall nahezu vollständig aus.

Zahlreiche Mischungen zeigten gegenüber den Reinsaaten der Komponenten verbesserte Flächenproduktivitäten. Reinsaaten der Mischfruchtanbau-Komponenten hatten im Durchschnitt bei gleichem Flächenverbrauch geringere Erträge als der Mischfruchtanbau. Wenn im ökologischen Landbau Ölsaaten produziert werden sollen, ist ein Mischfruchtanbau sinnvoll. Das hohe Ertragsrisiko der Ölsaaten im ökologischen Landbau kann auf diese Weise vermindert und die mittleren Flächenerträge können gesteigert werden. Soll die Ertragszusammensetzung des Mischfruchtanbaus verändert werden, müssen Saatstärken und Reihenweiten modifiziert werden.

Praxisbefragung: positive Bilanz

Der Mischfruchtanbau mit Ölfrüchten hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebreitet, insbesondere in Bayern. Um Erfahrungen aus der Praxis für die Forschung nutzbar zu machen und eine erste Charakterisierung des Mischfruchtanbaus „on-farm“ durchzuführen, wurde eine Befragung der Mitgliedsbetriebe „Interessengemeinschaft Mischfruchtanbau“ durchgeführt. Die Betriebe zogen eine positive Bilanz des Mischfruchtanbaus, sahen allerdings noch Probleme im technischen Bereich und in der Vermarktungssituation. Oft waren sie bereits über das Experimentierstadium hinaus und der Mischfruchtanbau war schon eine etablierte Form der Flächenbewirtschaftung. Der Forschungsbedarf zu diesem Thema wurde jedoch weiterhin als hoch angesehen. Viele Betriebe wünschten sich eine Umstellung des Schlepperbetriebs auf Pflanzenöl als Alternative für fortschreitende Preiserhöhungen bei fossilen Brennstoffen.

Anspruchsvolle Ölsaaten: Hohe Anbaurisiken, geringe Erträge

Ölsaaten sind im ökologischen Landbau nur in geringem Umfang vertreten. Für den einheimischen Markt sind insbesondere Winterraps, Sonnenblumen und Öllein wichtig. Sie werden zur Verarbeitung als Speiseöl nachgefragt. Ursachen des geringen Anbauumfangs sind in erster Linie der häufig geringe Ertrag und die damit verbundene schlechte Wirtschaftlichkeit des Anbaus. Höhere Preise können geringe Erträge in der Regel nicht ausgleichen.

Insgesamt erweist sich der Ölsaatenanbau als sehr anspruchsvolles Produktionsverfahren, von der Etablierung der Bestände bis zur Gesunderhaltung. Geringe Erträge führen dazu, dass die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zum Getreideanbau sehr häufig nicht gegeben ist. Da nur von vergleichsweise geringen Preisveränderungen ausgegangen werden kann, müssen in erster Linie die Erträge erhöht und stabilisiert werden. Letzteres setzt die Professionalisierung des gesamten Anbauverfahrens voraus.

Erhöhter Nährstoffbedarf bei Mischkultur

In Mischfruchtanbausystemen mit Ölpflanzen wurden die Stickstoff-, Phosphor-, Kalium-, Magnesium- und Schwefel-Gehalte in Korn und Stroh der Pflanzen bestimmt und die Nährstoffentzüge berechnet. Getreide, Leguminosen und Ölpflanzen aus ökologischem Anbau erreichten die Grenzwerte, die für eine ausreichende Versorgung von Pflanzen in konventionellen Anbausystemen angegeben werden, in der Regel nicht. Wenn es in den geprüften Mischfruchtanbausystemen zu veränderten Nährstoffgehalten gegenüber den jeweiligen Pflanzen im Reinsaat kam, waren die Gehalte eher verbessert. Die Nährstoffaufnahme der Pflanzen stieg in den Mischfruchtanbausystemen, verglichen mit den Nährstoffbedürfnissen der Komponenten in Reinsaat, mindestens gegenüber einer Art an. Fruchtfolgeplanung und Düngung sollten diesen erhöhten Nährstoffbedarf der Anbausysteme berücksichtigen.

Anbaustandort und -jahr beeinflussen Ölqualität

Im Rahmen des Projektes wurde der Einfluss des Anbaustandortes und Anbaujahres sowie der Mischungspartner auf die Qualität von Ölsaaten untersucht. Als Bewertungskriterien dienten dabei Ölgehalt, Fettsäure-, Sterin- und Tocopherolzusammensetzung, Sinapin- und Glucosinolatgehalt sowie die sensorische Bewertung der Öle. Es zeigte sich, dass sowohl der Anbaustandort als auch das Anbaujahr einen Einfluss auf die Qualitätsparameter haben. Diese Einflüsse überlagerten sich teilweise. Ein Einfluss des Mischungspartners wurde nur in der Mischung Öllein/Leindotter festgestellt, während Leguminosen oder Getreide die Qualität der Ölsaaten nicht beeinflussten. So lag der Ölgehalt für Leindotter in der Mischung mit Öllein etwas höher, wohingegen dies für Öllein nicht so ausgeprägt war. Auch zeigte Leindotter in der Mischung einen höheren Gehalt an a-Linolensäure. Für Öllein wurde dieser Effekt nicht gefunden. Bei der sensorischen Beurteilung von Leindotteröl schnitt das Öl aus der Reinsaat schlechter ab als das Öl von Leindotter aus dem Mischfruchtanbau.

Mischungspartner beeinflusst Getreidequalität

In den geprüften Mischfruchtanbausystemen von Getreide mit Ölsaaten traten bei Getreide gegenüber den Qualitäten der Kulturen im Reinanbau Veränderungen auf. Beim Sommerweizen im Mischfruchtanbau mit Leindotter oder Öllein kam es zu positiven Effekten auf die Kornausbildung, den Protein- und Feuchtklebergehalt. Bei den geprüften Gemengen wurde die halbe Saatstärke des Sommerweizens durch Ölsaaten ersetzt. Die Konkurrenz zwischen den Saatreihen verschiedener Pflanzenarten war offensichtlich geringer als die beim Reinanbau des Sommerweizens. Im Gegensatz dazu zeigten Winterroggen und Wintergerste im Mischfruchtanbau mit Winterraps eine schlechtere Kornausbildung als im Reinanbau. Schon bei halber Saatstärke beider Komponenten stellt Winterraps im Mischfruchtanbau anscheinend eine erhebliche Konkurrenz für das Getreide dar.

Mischkulturen unterdrücken Unkraut besser

Die Unkrautunterdrückung in verschiedenen Mischfruchtanbausystemen von Ölpflanzen mit anderen Körnerfrüchten wurde erfasst und mit den Werten von Reinsaaten der Mischungskomponenten verglichen. Ermittelt wurden die Deckungsgrade von Unkräutern und Kulturpflanzen sowie die Minderung der photosynthetisch aktiven Strahlung im Pflanzenbestand. Bei den Ölfrüchten in Reinsaat stieg die Unkrautdeckung in der Reihenfolge weißer Senf, Winterraps, Leindotter, Saflor, Öllein an.

Alle geprüften Mischungen erzielten einen verbesserten Unterdrückungseffekt verglichen mit der Reinsaat der Kultur. So zeigten die Mischungen aus Erbse mit Leindotter oder Senf gegenüber dem Erbsenreinanbau, die Mischungen aus blauer Lupine mit Saflor oder Leindotter gegenüber dem reinen Lupinenanbau, die Mischungen aus Öllein mit Sommerweizen oder Leindotter gegenüber dem Ölleinanbau in Reinsaat und die Mischungen aus Winterraps mit Wintergerste oder Winterroggen gegenüber der Rapsreinkultur geringere Unkraut- und höhere Kulturpflanzendeckungsgrade. Niedrige Werte von Blattflächenindizes in Mischungen mit gegenüber den Zielkulturen in Reinsaat verringertem Unkrautvorkommen weisen darauf hin, dass die Unkrautunterdrückung der Gemenge nicht nur durch Lichtkonkurrenz erzielt wird.

Schädlingsbefall durch Mischfruchtanbau nicht reduzierbar

Schädlingsauftreten und –befall in Raps in Rein- und Mischfruchtanbau wurden an vier Versuchsstandorten durch Gelbschalenfänge, Klopfproben und die Sektion von Pflanzen und Blüten bestimmt. Zudem wurde an zwei Standorten die Parasitierung der Schadinsekten erfasst.

In der Mehrzahl der Versuche führte der Mischfruchtanbau nicht zur Reduzierung des Schädlingsbefalls. Nur bei Mischfruchtanbau von Raps mit Getreide zeigte sich eine schwache Tendenz für eine Abnahme der Trieb- und Knospenschädlinge. Ein positiver Einfluss des Mischfruchtanbaus auf die Parasitierung der Schädlingslarven war nur in Einzelversuchen festzustellen. Für die Ableitung gesicherter Empfehlungen sind noch weitere Untersuchungen notwendig. Die Erhebungen zeigten deutlich, dass neben dem Großen Rapsstängelrüssler und dem Gefleckten Kohltriebrüssler die Rapsglanzkäfer ein bedeutendes Problem im ökologischen Landbau sind und unbedingt praxistaugliche Verfahren zur Senkung des Schädlingsbefalls benötigt werden.

Stempelpacker-Sämaschine: Blick auf Saatgutkasten und Säschläuche
Pneumatische Stempelpacker-Sämaschine mit zwei Saatkästen und 47 Reihen für die Aussaat von Mischkulturen, Pfaffenhofen 2005
©BLE, Bonn; Quelle: vTI Trenthorst
 

Hohe Ansprüche an Aussaattechnik

Mischfruchtanbausysteme mit Ölpflanzen erfordern eine angepasste Aussaattechnik. Es müssen zum Teil Saaten mit sehr unterschiedlichen Größen und Ansprüchen an die Saattiefe abgelegt werden. Saatgutmischungen scheiden daher in den meisten Fällen aus. Absätzige Verfahren, wie eine Breitsaat der Feinsämereien nach der Drillsaat der Erstkultur oder eine zweite Überfahrt mit der Drillmaschine, sind möglich, haben jedoch Schwächen in der gleichmäßigen bzw. tiefengenauen Ablage der Saat. Mit kombinierten Verfahren, durch Zusammenkoppeln von Drillmaschinen oder den Anbau von Nachsaatkästen, können die Mischfruchtanbausysteme in einem Arbeitsgang bestellt werden. Für eine optimale Aussaat mit gleichmäßiger Verteilung der Mischkulturen auf der Fläche muss für jede Kultur eine möglichst große Zahl tiefenverstellbarer Säschare vorhanden sein. Die Säkästen müssen getrennt abgedreht werden können. Die Belegung der Säschare sollte flexibel möglich sein. So können auch verschiedene Mischfruchtanbausysteme mit jeweils angepassten Standraumbedingungen ausgesät werden.

Weitere Informationen

Aus der Forschung - für die Praxis

Anbaustrategien zur Erhöhung der Stickstoff-Effizienz

Im ökologischen Landbau kann Stickstoff vor allem auf viehlos wirtschaftenden Betrieben zum limitierenden Wachstumsfaktor werden. Eine mangelnde Stickstoff-Versorgung schlägt sich sowohl auf den Ertrag als auch auf die Qualität der angebauten Feldfrüchte nieder. Ein Forschungsvorhaben hat Anbaustrategien untersucht, die diesem Problem begegnen sollen.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtNeue Anbaustrategien zur Erhöhung der N-Effizienz und zur Reduzierung des Unkrautdrucks im Ökologischen Landbau (FKZ 03OE180)

Letzte Aktualisierung: 04.08.2011

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