Bekämpfung der Gloeosporium-Fruchtfäule an ökologisch produzierten Äpfeln - Optimierung einer Heißwassertauchanlage
Die Langzeitlagerung von Äpfeln aus ökologischem Anbau ist aufgrund des Auftretens von Pilzerkrankungen häufig problematisch. So kann beispielsweise die Gloeosporium-Fruchtfäule Nachernteverluste von bis zu 50 Prozent verursachen. Besonders betroffen sind Früchte, die während der Vegetationsperiode hohen Niederschlagsmengen ausgesetzt waren.
Als eine Möglichkeit zur Reduktion des Pilzbefalls hat sich die Heißwasserbehandlung herausgestellt: eine Methode, an der die Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BFEL) seit 1999 forscht. Bisher gab es jedoch weder eine praxistaugliche Anlage, noch lagen ausreichend Daten bezüglich der optimalen Anwendungsbedingungen und der Wirksamkeit der Behandlung vor.
Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau haben Wissenschaftler der BFEL in Zusammenarbeit mit dem Bio-Obstgut Bonhausen eine praxistaugliche Heißwassertauchanlage entwickelt, die im Versuch zu einer deutlichen Reduktion des Fruchtfäulebefalls führte.
Dazu wurde eine bereits vorhandene Heißwassertauchanlage technisch so umgerüstet, dass kürzere Aufwärmzeiten, geringere Wärmeverluste und ein besserer Wärmeaustausch erzielt wurden. Die Behandlung der Äpfel kann in 20-kg-Obstkisten erfolgen. Durch weitere Umbaumaßnahmen wurde ein (halb)kontinuierlicher Betrieb der Anlage ermöglicht, Wartezeiten konnten reduziert werden.
Am Beispiel der Apfelsorte Topaz wurde ermittelt, bei welcher Behandlungsdauer und zu welchem Behandlungszeitpunkt die stärkste Reduktion des Pilzbefalls erzielt werden konnte. Basierend auf den Ergebnissen wird eine zweiminütige Heißwasserbehandlung bei 53 Grad Celsius möglichst kurz nach der Ernte empfohlen. Negative Auswirkungen der Heißwasserbehandlung auf ernährungsphysiologisch wirksame Inhaltsstoffe (z.B. Vitamin-C-Gehalt) oder Qualitätsparameter (z.B. Fruchtfleischfestigkeit) konnten nicht festgestellt werden.
Durch die Heißwasserbehandlung konnte die Gloeosporium-Fäule bei Äpfeln, die anschließend unter kontrollierter Atmosphäre gelagert wurden, auf etwa drei Prozent im Vergleich zu 41 Prozent bei unbehandelten Äpfeln reduziert werden. Noch deutlicher war der Unterschied bei Äpfeln, die unter Normalluft bei ein Grad Celsius gelagert wurden: Von den unbehandelten Äpfeln waren 94 Prozent von der Gloeosporium-Fruchtfäule befallen, bei den mit Heißwasser behandelten Äpfeln lag die Befallsrate bei 17 Prozent.
Basierend auf den guten Ergebnissen wird von den Bearbeitern des Projekts empfohlen, das Heißwassertauchverfahren zur Reduktion der Lagerverluste durch die Gloeosporium-Fruchtfäule anzuwenden. In Folgeuntersuchungen müsste jedoch noch geprüft werden, ob die Methode der Heißwasserbehandlung bei anderen Apfelsorten und bei weiteren wichtigen Lagerfäule-Krankheiten wie Monilla oder Penecillium ähnlich wirksam ist. Auch andere Obst- und Gemüsesorten könnten in Zukunft in einer entsprechenden Anlage behandelt werden. Hier sind jedoch weitere Untersuchungen zur Ermittlung der optimalen Anwendungsbedingungen erforderlich.
Weitere Informationen:
Projektinfos:
Hinweis: Der Schlussbericht zum Projekt "Bekämpfung der Gloeosporium-Fruchtfäule an ökologisch produzierten Äpfeln – Optimierung einer Heißwassertauchanlage" (FKZ 02OE213) wurde im August 2004 veröffentlicht.
Letzte Aktualisierung: 24.11.2010


