Biologische Bekämpfung von Rhizoctonia solani im ökologischen Anbau
Rhizoctonia solani Kühn ist ein weit verbreiteter Bodenpilz, der bei zahlreichen Kulturen zu erheblichen Ertragsverlusten führen kann. Neben Auflaufschäden kann er Fäule an verschiedenen Pflanzenorganen wie Zwiebeln, Knollen, Wurzeln, Stängeln, Blättern und Blattscheiden verursachen. Besonders betroffen sind Kartoffeln und Zuckerrüben sowie Salat, Kohl, Möhren und Radies. Resistente Sorten sind derzeit nicht bekannt.
Der Pilz ist durch die im ökologischen Landbau üblichen vorbeugenden Maßnahmen, wie etwa eine weite Fruchtfolge, nur schwer zu kontrollieren: Zum einen verfügt er über ein breites Wirtspflanzenspektrum und zum anderen kann er Dauerorgane (Sklerotien) ausbilden, die im Boden viele Jahre lebensfähig bleiben. Hinzu kommt, dass sich der Bodenpilz unter anderem von toter organischer Substanz ernährt, so dass sich der im ökologischen Landbau angestrebte hohe Anteil organischer Substanz förderlich auf die Ausbreitung des Pilzes auswirkt.
Ein Forschungsprojekt des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (2002 - 2003) hatte zum Ziel, eine biologische Methode zur Kontrolle des Erregers Rhizoctonia solani im Kartoffel-, Zuckerrüben-, Kohl- und Salatanbau zu entwickeln. Gesucht wurde nach bakteriellen und pilzlichen Organismen, die als natürliche Gegenspieler (Antagonisten) gegen Rhizoctonia solani eingesetzt werden können.
In einem ersten Schritt wurden aus 440 bakteriellen und 390 pilzlichen Kulturen 18 bakterielle und zwölf pilzliche Isolate identifiziert, die in Dualkultur eine antifungische Wirkung gegen den Erreger Rhizoctonia solani aufwiesen. Anschließend wurde untersucht, wie sich diese Isolate auf das Pflanzenwachstum sowie auf die Ausbildung der Dauerorgane bzw. des Pilzgewebes im Boden auswirken. Für die weiteren Versuche wurden daraus die Isolate ausgewählt, die dabei zu den besten Ergebnissen führten.
Anschließend wurde die krankheitsunterdrückende Wirkung der ausgewählten bakteriellen und pilzlichen Gegenspieler unter krankheitsbegünstigenden Bedingungen im Labor an Salat, Kartoffeln und Zuckerrüben untersucht. Insbesondere drei bakterielle und sechs pilzliche Antagonisten zeigten dabei wiederholt eine signifikant krankheitsunterdrückende Wirkung.
Die im Labor erzielten Ergebnisse konnten in ersten Feldversuchen bestätigt werden:
Die gezielte Behandlung von Pflanzkartoffeln mit den unter Laborbedingungen wirksamen bakteriellen Gegenspielern führte zu einer signifikanten Reduktion der Befallsstärke mit Rhizoctonia solani sowie zu einem höheren Ernteertrag. Auch an Salat wurde eine signifikante Verringerung der Befallsstärke nachgewiesen.
Die Ergebnisse zeigen, dass durch die Anwendung von bakteriellen und pilzlichen Isolaten der Krankheitsentwicklung durch Rhizoctonia solani an Kartoffeln, Salat und Zuckerrübe entgegen gewirkt werden kann. Dabei wird insbesondere in der kombinierten Anwendung von bakteriellen und pilzlichen Antagonisten eine erfolgreiche Behandlungsstrategie gesehen: Während die bakteriellen Gegenspieler zu einer Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Pflanzen beitragen, reduzieren die pilzlichen Antagonisten die Aktivität der Erreger und damit das pathogene Potenzial des Bodens.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die krankheitsunterdrückende Wirkung sowie die Wirksicherheit der ausgewählten Antagonisten durch eine Optimierung der Anwendungsbedingungen (Anwendungsmenge, -häufigkeit, -zeitpunkt etc.) sowie durch die Entwicklung einer geeigneten Formulierung verbessern lässt. Dazu sind weitere Felduntersuchungen erforderlich.
Weitere Informationen:
Projektinfos:
Hinweis: Der Schlussbericht zum Projekt„Biologische Bekämpfung von Rhizoctonia solani im ökologischen Anbau mit Hilfe von bakteriellen und pilzlichen Antagonisten“ (BÖL-Projekt 02OE298) wurde im August 2007 veröffentlicht.
Letzte Aktualisierung: 24.11.2010


