Pflanzenschutzstrategien im Öko-Hopfenbau
Die Suche nach Alternativen zu Kupfer und Schwefel

- ©BLE, Bonn
Hopfen ist eine Dauerkultur, die in jeder Vegetationsperiode von Krankheiten und Schädlingen befallen wird. Vor allem führen der Falsche Mehltau (Peronospora), in geringerem Ausmaß der Echte Mehltau sowie die Hopfenblattlaus regelmäßig zu Ertragsausfällen und Qualitätsminderungen.
Grundsätzlich stehen den Bio-Hopfenpflanzern Hopfensorten mit guter Widerstandsfähigkeit gegen Schadorganismen zur Verfügung; in der Anbauplanung wird davon auch umfassend Gebrauch gemacht. Für die Vielfalt der Öko-Biere fragen die Brauereien jedoch auch Hopfensorten nach, die weniger widerstandsfähig gegen Krankheiten bzw. Schädlinge sind. Da hinsichtlich der Qualitätsansprüche (äußere und innere Qualität) seitens der Brauereien keine Zugeständnisse gemacht werden, benötigen Bio-Hopfenpflanzer wirksame Instrumentarien zur Bekämpfung der Schadorganismen.
Neben dem Anbau von überwiegend toleranten Sorten, der Nutzung von Prognosemodellen und der Berücksichtigung der Nützlingsschonung ist daher auch im Öko-Anbau der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig. Bislang kommen dabei vor allem kupfer- und schwefelhaltige Mittel zum Einsatz - unter umweltrelevanten Gesichtspunkten ist dies kritisch zu sehen. Ziel eines Forschungsvorhabens im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau war es, Wirkstoffe zu finden beziehungsweise Regulierungsstrategien zu entwickeln, die kupfer- und schwefelhaltige Pflanzenschutzmittel ersetzen können. Die Versuche wurden in einem Zeitraum von drei Jahren (2004 bis 2006) in Bio-Hopfenbaubetrieben im Anbaugebiet der Hallertau (südliches Bayern) durchgeführt. Die wichtigsten Ergebnisse werden nachfolgend vorgestellt.
Falscher Mehltau (Pseudoperonospora humuli)

- Der Falsche Mehltau ist die am weitesten verbreitete pilzliche Erkrankung des Hopfens. Er führt zu Wuchsstauchungen und Blattkräuselungen, später zu Nekrosen und Verbräunungen der Fruchtzapfen.
©BLE; Quelle: LfL Bayern
Mit der hochanfälligen Hopfensorte 'Hallertauer Mittelfrüher' wurden in den drei Versuchsjahren insgesamt zehn Varianten getestet. Zum Einsatz kamen die rein biologischen Mittel Kanne Brottrunk, Molke, FungEnd+Öle sowie ein Testprodukt der Firma Stähler. Als kupferhaltige Varianten wurden Funguran, Cuprozin flüssig und das Entwicklungsprodukt DPD GF J52-008 getestet.
Nach Abschluss der Prüfungen zeigte sich, dass bei der anfälligen Testsorte die rein biologischen Varianten nicht zum Erfolg führten. Auch die Produkte mit niedrigerem Kupfergehalt waren nicht immer wirksam. Mit Abstand am besten schnitt eine betriebseigene Mischung aus Kupfer, Schwefel, Gesteinsmehl und effektiven Mikroorganismen ab.
Ein grundsätzliches Problem der biologischen Mittel sehen die Versuchsansteller darin, dass die Peronospora-Primärinfektion damit nicht bekämpft werden kann. Bei vorbeugender Anwendung kann nur die Sekundärinfektion verhindert werden. Die sog. „Bubiköpfe“ der Primärinfektion müssen deshalb regelmäßig von Hand ausgebrochen werden.
Echter Mehltau (Podosphera macularis; früher Sphaerotheca humuli)
Echter Mehltau spielt im Öko-Hopfenbau eine eher untergeordnete Rolle; die angebauten Sorten sind durchwegs wenig anfällig gegen diese Krankheit. Über die Projektdauer von drei Jahren wurden Kaliumbicarbonat plus Micula (Haftmittel), Molkepulver, Netzschwefel und "reacre" (in die Rebe injiziert bzw. an die Rebe gestrichen) geprüft.
In den drei Versuchsjahren gab es in den unbehandelten Parzellen keinen Mehltau. Es war somit keine Prüfung auf Wirksamkeit der Mittel möglich.
Auch in konventionellen Betrieben gab es in diesen drei Jahren nur ganz vereinzelt Mehltau.
Hopfenblattlaus (Phorodon humuli)
Ein großes, jährlich wiederkehrendes Problem stellt im Bio-Hopfenbau die Hopfenblattlaus dar. Entscheidend für die Regulierungsmaßnahmen sind Beginn und Ende des Zufluges der Aphisfliegen (die adulten, geflügelten Läuse) und der witterungsabhängige Populationsaufbau.
Gegen die Hopfenblattlaus wurden Mittel auf rein pflanzlicher Basis (Spruzit Neu, Quassia-Extrakt, NeemAzal T/S und TRF-002, mit Quassia als Wirkstoff) eingesetzt. Neben der praxisüblichen Spritzung wurden mit Ausnahme von Spruzit Neu die Wirkstoffe in zusätzlichen Varianten während der Hauptwachstumsphase des Hopfens mit einem Pinsel auf die Reben gestrichen. Mit dieser Methode konnte erstmals nachgewiesen werden, dass die Wirkstoffe von NeemAzal T/S und Quassia (bzw. im Fertigprodukt TRF-002) von der Pflanze in den Leitungsbahnen systemisch nach oben bis in sieben Meter Höhe transportiert werden.
Insgesamt die besten Wirkungen brachten Quassia-Extrakt gespritzt und TRF-002 mit einer Wirkstoffmenge von 24 Gramm Quassin pro Hektar. Über alle Versuche betrachtet, konnten NeemAzal T/S und Spruzit Neu nicht befriedigen. Die Streichvariante TRF-002 mit 24 Gramm Quassin pro Hektar ist nach Ansicht der Beteiligten praxistauglich und eine Genehmigung nach dem Pflanzenschutzgesetz sollte angestrebt werden.
Kontakt:
Bernhard Engelhard Bayerische Landesanstalt für LandwirtschaftArbeitsbereich Hopfen
Hüll 5 1/3
D-85283 Wolznach +49 8442 9257-13
Weitere Informationen:
Hinweis: Der Schlussbericht zum Projekt "Entwicklung von Pflanzenschutzstrategien im ökologischen Hopfenbau als Alternativen zur Anwendung kupfer- und schwefelhaltiger Pflanzenschutzmittel" (FKZ 03OE483 ) wurde im August 2007 veröffentlicht.
Letzte Aktualisierung: 24.11.2010


