Vorbeugende Regulierungsstrategien
Der ökologische Landbau strebt mit seiner Wirtschaftsweise die Ausbildung eines reichhaltigen, zum Ausgleich und zur Selbstregulation fähigen Agrarökosystems an. Schwerpunkte der Regulierungskonzepte im ökologischen Landbau bestehen daher in den vorbeugenden Maßnahmen. Die Besiedelung oder Wiederbesiedelung von Ackerflächen soll verhindert und die generative und vegetative Reproduktion der Beikräuter (Unkräuter) vermieden werden.
Verhinderung des Eintrages von Beikrautsamen bzw. vegetativer Vermehrungsorgane durch:
- Saatgutreinigung
- Zertifiziertes (beikrautfreies) Saatgut
- Reduzierung des Beikraut-Eintrages bei organischer Düngung (ausreichende Kompostierung in Abhängigkeit vom Substrat, Absamen von Beikräutern auf Kompostmieten vermeiden)
- Verhinderung der Verunkrautung ausgehend von Ruderalflächen, Ackerrändern und einzelnen Schlagteilen sowie von stark verunkrauteten Arealen auf weitgehend beikrautfreie Flächen und bei vegetativ vermehrenden Beikraut-Arten durch Bodenbearbeitungsgeräte (Reinigung entsprechender Geräteteile!)
Eine ausgewogene Fruchtfolge führt zur Einschränkung des Wachstums insbesondere von Gräsern und ausdauernden Beikräutern durch:
- Unterschiedliche Begünstigung des Auflaufens und Wachstums von Herbst- und Frühjahrskeimern (z.B: Anbauwechsel von Winterung und Sommerung, insbesondere Hackfrüchte bzw. Blattfrüchte)
- Nutzung der Vorfruchtwirkung auf das Wachstum der Kultur (Auflaufzeit, Pflanzdichte, Wüchsigkeit, Konkurrenzkraft)
- Standortgerechte Kulturarten- und Sortenwahl
- Hinreichende Stickstoffversorgung des Bodens durch einen hohen Anteil ausdauernder Futterleguminosen und Körnerleguminosen im Rein- und Mischbau
- Vermeidung von mehr als zwei Wintergetreidefeldern hintereinander
Die Stoppelbearbeitung führt zur Anregung der Keimung ausgefallener Kulturpflanzen- und Beikrautsamen, die mit der nachfolgenden Bodenbearbeitung reguliert werden können. Die besondere Bedeutung der Stoppelbearbeitung liegt in der Reduzierung ausdauernder Beikräuter.
Der Einfluss der Grundbodenbearbeitung (wendend/ nichtwendend) auf die Verunkrautung hängt von der Verunkrautung in der Vorfrucht und der Witterung im Bearbeitungszeitraum ab. Die nichtwendende Bodenbearbeitung kann den sofortigen Auflauf ausgefallener Beikrautsamen begünstigen. Windhalm, Acker-Fuchsschwanz und Trespen-Arten werden durch nichtwendende Bodenbearbeitung gefördert. Nach unkrautarmen Vorfrüchten führt die nichtwendende Bodenbearbeitung in der Regel zu einem Rückgang der Verunkrautung, da sich in der oberen Bodenschicht der Samenvorrat verringert hat.
Die Bodenbearbeitung bei Dunkelheit "Photocontrol" kann den Beikrautauflauf im Bereich von 20 bis 80 Prozent reduzieren (z.B. bei Vogelmiere, Weißer Gänsefuß). Die Wirkungen sind jedoch sehr unsicher.
Maßnahmen zur Saatbettbereitung (z.B. mehrmaliges Eggen, Grubbern) können das Auflaufen der Beikräuter reduzieren. Insbesondere die Nutzung des sogenannten "Falschen Saatbettes", bei dem ein größerer zeitlicher Abstand zwischen den einzelnen saatbettbereitenden Maßnahmen genutzt wird, verstärkt die beikrautregulierende Wirkung der Saatbettbereitung.
Der Anbau von Sommerzwischenfrüchten führt zu:
- Beikrautunterdrückung durch Beschattung
- Besserem Wachstum der Nachfrucht infolge günstigerer Bodenstruktur und höherer mikrobieller Aktivität
Kruzifere Sommerzwischenfrüchte eignen sich besonders zur Einschränkung des Wachstums der Quecke.
Der Anbau von Untersaaten (z.B. Weißklee, Deutsches Weidelgras) führt nur zu Teilwirkungen bei der Beikrautunterdrückung im Getreide. Bei starker Verunkrautung reicht die Beikrautunterdrückende Wirkung im allgemeinen nicht aus und kann auch mit unerwünschten Konkurrenzwirkungen auf die Kulturpflanze verbunden sein.
In Kombination mit der "Weiten Reihe" im Getreidebau bietet sich die Klee-Gras-Untersaat in Verbindung mit mehrfachem Mulchen zur Beikrautunterdrückung an. Im Kartoffelbau kann bei Herbstdammvorformung (brüchiger Boden vorausgesetzt) in Verbindung mit Senf-Begrünung das Beikrautwachstum auf den Dämmen bis zum Frühjahr unterdrückt werden. In die abgefrorene Mulchsaat kann häufig ohne eine weitere Bodenbearbeitung die Kartoffel in die Dämme abgelegt werden. Die zu nutzenden Zwischenfrüchte sind so auszuwählen, dass ein sicheres Erfrieren im Winter gewährleistet ist.
Die Bedeutung der Sortenwahl für die Beikrautunterdrückung resultiert aus der unterschiedlichen Beschattungsfähigkeit. Insbesondere bei Getreide bestimmen die Wuchshöhe und Blattstellung (planophil, erectophil) die Beschattungsfähigkeit. Je größer die Bodenbeschattung in der Phase der Bestockung bis zum Ähren- bzw. Rispenschieben bei Getreide ist, um so stärker werden die Beikräuter unterdrückt. Den Sorten wird ein entsprechender Unkrautunterdrückungsindex (UUI) zugeordnet, der in Zukunft in der Beschreibenden Sortenliste enthalten sein wird. Konkurrenzkräftige Sorten können das Wachstum von Unkräutern bis zu 50 Prozent vermindern.
Die Bestandesdichte der Kulturpflanzen wird vor allem durch die Aussaatmenge gesteuert. Lückenlose, stark beschattende und damit konkurrenzstarke Bestände verringern die notwendige Intensität von direkten Unkrautregulierungsmaßnahmen. Eine Erhöhung der Saatstärke um ca. zehn Prozent verbessert die unkrautunterdrückende Wirkung der Bestände infolge geringerer Bestandeslücken.
Der Reihenabstand im Getreidebau kann variabel gestaltet werden (von 10 bis 40 cm) und hat damit Einfluss auf die Beikrautunterdrückung und die durchzuführenden Beikrautregulierungsmaßnahmen. Reihenabstände über 18 cm ermöglichen den Einsatz der Maschinenhacke, noch größere Reihenweiten und die Einbeziehung von Zwischenfrüchten mit mehrfachem Mulchen.
Die Nährstoffversorgung (Düngung, Leguminosenanbau, Zwischenfrüchte) beeinflusst das Wachstum von Kulturpflanzen und Beikräutern. Bei den Beikräutern unterscheidet man:
- Arten, die in starkem Maße von der Stickstoffdüngung profitieren (z.B. Kletten-Labkraut, Acker-Fuchsschwanz)
- Indifferente Arten (z.B. Acker-Hellerkraut, Winden-Knöterich)
- Arten, die bei erhöhter Düngung von den Kulturpflanzen unterdrückt werden können (z.B. Windhalm, Ehrenpreis-Arten, Hirtentäschelkraut, Acker-Stiefmütterchen, Acker-Kratzdistel)
Der Saatzeitpunkt beeinflusst über die jahreszeitliche Rhythmik des Beikrautauflaufs, die Witterung nach der Aussaat und die Beschattung durch die Kulturpflanze sowohl die Keimung als auch das spätere Wachstum der Beikräuter. Im allgemeinen entwickelt sich die Verunkrautung nach früher Aussaat stärker als nach später. Von der Frühsaat des Wintergetreides profitieren z.B. Acker-Stiefmütterchen, Kletten-Labkraut, Rauhaarige Wicke, Windhalm und Acker-Fuchsschwanz.
Die Abdeckung des Bodens mit verschiedenen Materialien zur Beikrautminderung kann z.B. durch Mulchdecken, schwarze oder farbige Polyethylenfolien, Vliese, Gras, Heu, Stroh und Rindenkomposte (vorwiegend im Obst- und Gemüsebau) erfolgen.
Letzte Aktualisierung: 21.12.2007

