Drahtwurm (meist Larven des Schnellkäfers Agriotes spp.)
Schadbildbeschreibung
Es treten bis zu drei Millimeter starke Bohrgänge in den Kartoffelknollen auf. Das Drahtwurmloch ist scharf umrandet. Durch den Knollenfraß können Krankheitserreger eindringen.
Bei Trockenheit steigt der Schaden rasch an. Das Schadbild kann mit den "Dry core"-Symptomen der Wurzeltöterkrankheit verwechselt werden.
Biologie in Kürze
Im Juni/ Juli legen die Schnellkäfer ihre Eier bis ca. sechs Zentimeter tief in den Boden, bevorzugt auf Standorten mit schützender Pflanzendecke (Kleegras, Grünland, Stilllegungen aber auch verunkrautete Getreidebestände).
Einen Monat später schlüpfen die Larven, die eigentlich Humusverwerter sind. Bei anhaltender Trockenheit weichen sie vermutlich jedoch auf die wasserreichen Kartoffeln aus und fressen sich in zwei bis vier Millimeter breiten Gängen durch die Knolle. Den größten Schaden verursachen die Larven im zweiten und dritten Entwicklungsjahr. Der gesamte Entwicklungszyklus der Drahtwürmer dauert etwa vier bis fünf Jahre.
Die Larven verpuppen sich im Hochsommer des letzten Larvenjahres in 10 - 30 Zentimeter Bodentiefe. Die ein bis zwei Wochen später schlüpfenden Käfer überwintern vorwiegend im Puppenlager.
Regulierungsstrategien
Vorbeugende Maßnahmen
- Sortenwahl
- Kartoffeln nicht nach zwei- bis dreijährigem Kleegrasanbau bzw. mehrjährigem Grünlandumbruch anbauen
- Bei einjährigem Kleegrasanbau Kartoffeln direkt nach Kleegras anbauen
- Bei Verdacht auf Drahtwurm einjähriger statt mehrjähriger Kleegrasanbau
- Zwischenfrüchte statt Untersaaten
- Bestandskontrollen: schalenfeste Knollen möglichst frühzeitig ernten, eventuell Abreife durch Krautentfernen beschleunigen
- Weiden, Wiesen und Stilllegungen als Randbereiche meiden
- Eine Bodenbearbeitung während fraßaktiver Zeiten der Drahtwürmer von März bis Mai und September bis Oktober kann zur Reduzierung führen
- Fruchtfolgen mit einem hohen Anteil an Hackfrüchten, Sommerungen und Körnerleguminosen können den Befall reduzieren
- Mit Pheromonfallen können große Mengen Schnellkäfermännchen abgefangen werden, um die Larven im Boden auf längere Sicht zu reduzieren (wichtig: richtiges Pheromon, Einsatz im Hauptflugzeitraum)
Eine wirksame Maßnahme scheint der Anbau von Kartoffeln nach mehreren Sommerungen zu sein.
Direkte Maßnahmen/ Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Eine direkte Bekämpfung ist im ökologischen Landbau nicht möglich. In Deutschland sind keine Pflanzenschutzmittel verfügbar.
Weitere Informationen:
Bundesprogramm Ökologischer Landbau: Drahtwürmer im Ökologischen Kartoffelanbau (pdf-Datei, 1,8 MB)
Aus der Forschung - für die Praxis
Konzepte zur Reduzierung von Drahtwurmschäden
Drahtwürmer, die Larven der Schnellkäfer, verursachen in einer Reihe von acker- und gartenbaulichen Kulturen im ökologischen Landbau regelmäßig starke Schäden, die aufgrund erheblicher Qualitätseinbußen am Erntegut finanzielle Verluste für die Anbauer bedeuten. Eine effektive Bekämpfung des Drahtwurms ist in der ökologischen Praxis zurzeit nicht möglich. Wissenschaftler der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen haben sich deshalb auf die Suche nach wirksamen Strategien gegen den Drahtwurmbefall gemacht. In Feldversuchen untersuchten sie beispielsweise die Wirkung von Mulch-Untersaaten, photobiologischen Mulch-Folien, Komposten, Pflanzenstärkungsmitteln oder bestimmten Zwischenfrüchten. Außerdem versuchten sie, die Schnellkäferpopulationen mithilfe von Pheromonfallen zu reduzieren.Als erfolgreiche Maßnahme erwies sich die Kombination aus richtiger Vorfrucht, konsequenter Bodenbearbeitung und richtigem Erntezeitpunkt. "Kartoffeln blieben vor Fraßschäden durch Drahtwürmer weitgehend verschont, wenn wir vorher Weißkohl angebaut hatten. Außerdem konnten wir Schäden an Kartoffeln durch eine frühe Rodung der schalenfesten Kartoffeln stark vermindern", sagt Dr. Karl Kempkens von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. "Lange Verweilzeiten im Boden hingegen erhöhten das Schadensausmaß. Es kommt also auf die richtige Kombination aus Bodenbearbeitung, Wahl der Vorfrucht und Erntezeitpunkt an. Das Entscheidende dabei ist aber: Nur konsequentes langjähriges Handeln kann den Drahtwurmfraß dauerhaft reduzieren."
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Drahtwurmregulierung im Ökokartoffelbau
Drahtwurmfraß kann zu Ertragseinbußen und schlechten Qualitäten führen. Zur Regulierung der Larven des Schnellkäfers sind im Ökokartoffelanbau verschiedene Maßnahmen möglich, werden jedoch teilweise noch nicht in der Praxis angewendet. Ein Forschungsvorhaben hat Strategien zur Drahtwurmregulierung im ökologischen Kartoffelanbau und deren Umsetzung in die Praxis erprobt.
Näheres zum Projekt:
Erprobung von Strategien zur Drahtwurmregulierung im Ökologischen Kartoffelbau
Letzte Aktualisierung: 02.03.2011

