Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani) syn. Weißhosigkeit
Schadbildbeschreibung
An den Keimen im Boden findet man typische, dunkelbraune Nekrosen. Es kommt zu Auflaufverzögerungen und Fehlstellen im Bestand. Pflanzen treten mit verringerter Stängelanzahl auf. In dichten Beständen und bei hoher Luftfeuchtigkeit tritt am Stängelgrund grau-weißer Schimmelbelag auf, der als Weißhosigkeit bezeichnet wird.
Gewebeteile an der Stängelbasis werden geschädigt, die Triebe weisen braune, abgestorbene Stellen auf. Die Fiederblätter an der Triebspitze sind hell-gelblich verfärbt und rollen sich leicht ein (Wipfelrollen). In den Blattachseln können sich bei starkem Triebbefall Luftknollen bilden. Befallene Pflanzen bilden viele kleine oder wenige große missgebildete Knollen (Einschnürungen, Grützeknollen und andere).
Sehr feuchte Witterungsperioden oder Standorte mit stauender Nässe bzw. auf Böden mit einem hohen Wasserspeicherungsvermögen führen zu "Dry core"-Symptomen. Auf der Schale bilden sich rundliche, leicht eingesunkene, scharf abgegrenzte, bräunliche Flecken, aus deren Zentrum das abgestorbene Gewebe herausfällt. Dieses Schadbild kann mit dem des Drahtwurmbefalls verwechselt werden!
Biologie in Kürze
Befallenes Pflanzgut ist die Hauptinfektionsquelle, wobei die Infektion auch vom Boden ausgehen kann. R. solani kann durch die Ausbildung von Sklerotien ("schwarze Pusteln", die Dauerformen darstellen) auf der Knollenoberfläche und auf Pflanzenresten im Boden mehrere Jahre überdauern. Die Bedingungen für das Auskeimen der Sklerotien entsprechen etwa denen der Keimung von nicht vorgekeimten Kartoffelknollen.
Bei ausreichender Feuchtigkeit wachsen aus den Sklerotien weiße Pilzfäden, die sich später braun färben. Der Pilz kann in eine intakte Epidermiszelle von jungen (nicht ergrünten) Trieben eindringen. Verletzungen sind damit für eine Infektion unterirdischer Pflanzenorgane nicht zwingend notwendig. Je ungünstiger die Wachstumsbedingungen für die aufgehenden Kartoffelpflanzen sind, desto mehr schädigt der Pilz die unterirdischen Triebe.
Die Ausbildung von Sklerotien auf der Knollenoberfläche steht in engem Zusammenhang mit der Abreife der Knollen. Bleiben schalenfeste Knollen noch längere Zeit im Boden (über drei Wochen nach Krautbeseitigung), so ist mit einer starken Zunahme der Sklerotienbildung auf der Knollenschale zu rechnen.
Regulierungsstrategien
Enge Kartoffelanbaufolgen verstärken die Anreicherung des Pilzes im Boden. Eine Schwächung der Pflanze, zum Beispiel durch mechanische Einwirkungen, Primärinfektionen mit anderen Krankheitserregern, Bodenverdichtung und andere, begünstigt den Rhizoctonia-Befall.
Vorbeugende Maßnahmen
- Gesundes Pflanzgut verwenden
- Pflanzgut verwenden, das vorgekeimt ist bzw. sich in Keimstimmung befindet (Keimbruch beim Auslagern und Pflanzen ist zu vermeiden)
- Möglichst lange Kartoffelanbaupausen einhalten (mehr als drei Jahre)
- Ausgewogene Fruchtfolge, wobei der große Wirtspflanzenkreis (zum Beispiel Leguminosen, Cruziferen) zu beachten und eine optimale Unkrautregulierung durchzuführen ist
- Vorkeimung (keine Dunkelkeimer)
- Böden mit geringem Wassergehalt
- Pflanzung möglichst in ausreichend erwärmte Böden (ab zehn Grad Bodentemperatur), vorgekeimtes Pflanzgut bei Temperaturen von fünf bis sechs Grad
- Nicht zu tief pflanzen und keine zu hohen Dämme vor dem Auflaufen
- Mechanische Verletzungen an unterirdischen Pflanzenorganen und andere Stresseinwirkungen zur Verringerung der Vitalität der Pflanze während der Vegetationsperiode sind zu vermeiden
- Abstand zwischen Krautbeseitigung (Schalenfestigkeit) und Ernte sollte drei Wochen nicht überschreiten
- Vermeidung von unverrotteten Ernterückständen
- Vermeidung von Bodenverdichtungen
Direkte Maßnahmen/ zugelassene Pflanzenschutzmittel
Bakterielles Pflanzenstärkungsmittel (Bacillus subtilis)
Weitere Informationen:
Es gibt eine Reihe von Pflanzenstärkungsmitteln (zum Beispiel Bacillus subtilis) die gegen Rhizoctonia eingesetzt werden können. Nähere Informationen finden sie in der
Beraterbroschüre zur Kartoffelkrankheit Rhizoctonia solani.
Aus der Forschung - für die Praxis:
Widerstandsfähigkeit von Pflanzkartoffeln durch gezielte Belichtung stärken
Die Verbesserung der Pflanzgutqualität von Kartoffeln durch eine gezielte Belichtung der Knollen war das Ziel eines BÖL-Forschungsprojekts. Oekolandbau.de sprach mit Dr. Marianne Benker von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising. Sie hat das Projekt am Institut für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Georg-August-Universität Göttingen in Kooperation mit Dr. Rolf Peters von der KTBL-Versuchsstation Dethlingen durchgeführt.
Näheres zum Projekt:
Interview mit Dr. Marianne Benker zur Belichtung von Pflanzkartoffeln
Letzte Aktualisierung: 27.07.2010

