Mutterkorn (Claviceps purpurea)
Schadbildbeschreibung
Mutterkorn ist die Überdauerungsform des Pilzes Claviceps purpurea, eines Parasiten der weltweit ausschließlich Gramineen befällt.
Erstes sichtbares Zeichen für eine Infektion ist die Bildung von Honigtau. Kurze Zeit später reifen in befallenen Ähren die Dauerorgane des Pilzes heran (Sklerotien). Diese sind zunächst milchig weiß, verhärten sich jedoch nach kurzer Zeit zu einem schwarzbraunen Sklerotium (Mutterkorn). Mutterkörner sind gerade, gebogen oder spiralig gedreht.
Biologie in Kürze
Der Mutterkornpilz überwintert als Sklerotium im Boden. Im Frühjahr entwickeln sich daraus runde Pilzköpfchen mit zahlreichen napfförmigen Vertiefungen (Perithezien). Jedes Perithezium enthält Schläuche mit jeweils acht Sporen, die bei hoher Luftfeuchtigkeit herausgeschleudert werden und durch Windströmungen auf die unbefruchtete Narbe der Roggenblüte gelangen. Dieser Vorgang führt zur Primärinfektion der Roggenähren. Sechs bis acht Tage danach scheidet die infizierte Ähre Honigtau aus. Dieser enthält Pilzsporen (Konidien), die durch Regenspritzer oder Insekten zur Sekundärinfektion des Roggens führen.
In einer infizierten Blüte entwickelt sich anstelle eines Roggenkorns ein Pilzmycel, das sich innerhalb von sechs bis acht Wochen wieder zu einem bis zu vier Zentimeter langen, dunkelvioletten Sklerotium (Mutterkorn) verhärtet. Mutterkörner enthalten Alkaloide, die beim Verzehr Vergiftungen hervorrufen. Die Grenzwerte für befallenes Getreide betragen beim Brotroggen 0,05 Prozent, beim Futterroggen 0,01 Prozent des Getreidegewichtes.
Regulierungsstrategien
Vorbeugende Maßnahmen
Die wichtigste Regulierungsmaßnahme ist die sorgfältige Saatgutreinigung. Wurde im Getreide Mutterkornbefall festgestellt, sollte nach der Ernte tief gepflügt werden, um die Sklerotien zu vergraben und ihre Keimfähigkeit zu schwächen. Da ein befruchteter Blütenstand nicht mehr befallen werden kann, müssen Maßnahmen, die zur Optimierung der Blühphase des Roggens führen, durchgeführt werden:
- Standortwahl
- Fruchtfolge
- Koordinierung von Saatzeit und Saatstärke
- Zumischung von Populations- in Hybridroggen zur Verbesserung des Pollenangebotes im Bestand
- Regulierung von Gräsern im Getreidebestand
- Wahl widerstandsfähiger Sorten
Direkte Maßnahmen/ Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Eine direkte Bekämpfung ist zurzeit im ökologischen Landbau nicht möglich. In Deutschland sind keine Pflanzenschutzmittel verfügbar. Man kann lediglich die Sklerotien aus Brot-, Futter- und Saatgetreide herausreinigen.
Es besteht die Möglichkeit, Mutterkorn mittels Tisch- und Lichtkornauslesern oder Gewichtsauslesern nachzusortieren. Durch eine Kombination mit üblichen Reinigungsverfahren kann auch mit opto-elekronischen Sortierern in einem Schritt der Mutterkornbesatz von mehreren Prozent auf 0,05 Prozent gesenkt werden, sofern die Durchsatzleistung angepasst ist.
Weblinks
Universität Hohenheim: Projekt zur Züchtung auf verringerte Anfälligkeit gegen Mutterkorn (Grundlagen für die Züchtung auf verringerte Anfälligkeit gegen Mutterkorn bei Roggen und Triticale im Ökologischen Pflanzenbau)
Letzte Aktualisierung: 26.07.2010

