Möhrenfliege (Psila rosae)
Schadbildbeschreibung
Vorwiegend im unteren Teil des Rübenkörpers befinden sich flache, meist offene, rostbraune Fraßgänge, die gelegentlich auch etwas tiefer gehen können. Blätter verfärben sich rötlich, vergilben und welken bei starkem Befall.
Der Befall im Jugendstadium kann zum Absterben der Möhren führen. Bei spätem Befall kommt es zu Qualitätsminderungen.
In die Fraßgänge können schließlich auch Fäulniserreger eindringen. Es werden in erster Linie die Feldränder befallen.
Biologie in Kürze
Erste Tiere treten etwa ab Anfang bis Mitte Mai auf. Die Fliegen schlüpfen aus den Puppen, die bis etwa 30 cm Bodentiefe überwintern. Eine Überwinterung im Larvenstadium ist ebenfalls möglich. Die Tiere der überwinterten Larven erscheinen im Frühling eher als die aus den überwinternden Puppen.
Die Tiere suchen ein schattiges Biotop auf, wo die Paarung vollzogen wird. Anschließend erfolgt der Anflug zur Eiablage auf die Möhrenbestände. Die Eiablage erfolgt in Bodenritzen dicht an die Pflanzen. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven und kriechen zur Spitze der Möhrenwurzel vor. Nachdem zunächst nur die feinen Seitenwurzeln befressen werden, kommt es später zu Fraßgängen in den Möhrenkörper.
Nach etwa vier bis sieben Wochen verpuppen sich die Larven und eine zweite Generation schlüpft etwa ab Juli. Häufig ruft diese Generation den größeren Schaden hervor. In Gebieten mit Weinbauklima tritt regelmäßig eine dritte Generation ab September auf.
Regulierungsstrategien
Vorbeugende Maßnahmen
- Widerstandsfähige Sorten wählen.
- Zur Kontrolle des Anfluges und Flugverlaufes können gelbe Leimtafeln eingesetzt werden.
- Ausgeglichene Fruchtfolge (einjährige Anbaupausen von Doldenblütlern, auch auf den Nachbarflächen und Ackerrandstreifen).
- Abdeckung mit Kulturschutznetzen: Maschenweite 1,5 mm, Netze am Rand gut im Boden verankern.
- Während des Hauptfluges nicht wässern oder hacken.
- Möglichst große, windoffene Schläge wählen.
- Keine befallenen Möhren einlagern.
- Kein Anbau neben Feldern mit Vorjahresbefall.
Direkte Maßnahmen/ Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Eine direkte Bekämpfung ist im ökologischen Landbau nicht möglich. Derzeit sind in Deutschland keine Pflanzenschutzmittel für den ökologischen Landbau verfügbar.
Aus der Forschung - für die Praxis
Strategien zur Vermeidung von Möhrenfliegenschäden
Die Möhrenfliege stellt im Ökomöhrenanbau mittlerweile ein erhebliches Vermarktungsrisiko dar. Die Anbauer müssen teilweise hohe Qualitäts- und Gewichtsverluste sowie Einbußen bei der Lagerfähigkeit hinnehmen, die zu einer Abstufung von Speise- zu Saftmöhren führen können. Um den Möhrenfliegenbefall über eine verbesserte präventive Anbauplanung zu reduzieren, wurden in einem Forschungsvorhaben die Anbaukonstellationen von fünf Praxisbetrieben über drei Jahre hinsichtlich räumlich-zeitlicher Risikofaktoren mit GIS- und einer Simulations-Software zur Schädlingsphänologie (SWAT) auf den Befall analysiert.
Bei Möhrenfliegenbefall im Vorjahr war die Entfernung zur Vorjahresfläche der dominierende Risikofaktor; die kritischen Entfernungen variierten von etwa 300 bis 1000 Meter. Weiterhin provozierte die benachbarte Saat früher und später Sätze erhebliche Fliegenprobleme. Bei den untersuchten Anbaukonstellationen spielte die Vegetationsstruktur (Hecken-, Wald- und Wohngebietsflächen) eine z.T. signifikante Rolle für den Befall. Zur Präventionsverbesserung empfehlen die Forschenden, Möhrenfliegen über die Flächenwahl räumlich zu konzentrieren und entstehende Nichtbefallslagen zu nutzen, um späte Sätze zu isolieren. Eine weitere Möglichkeit bestehe darin, den Möhrenanbau zeitlich auf frühe oder späte Möhren zu begrenzen.
Näheres zum Projekt:
Weblinks
Letzte Aktualisierung: 05.08.2010

