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Feuerbrand (Erwinia amylovora)

 

Schadbildbeschreibung

Feuerbrand kann an Quitte, Birne und Apfel auftreten. Die durch die Feuerbrandbakterien geschädigten Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Triebe) sehen wie vom Feuer verbrannt aus.

Feuerbrand an Apfel, Blüten- und Triebspitzenbefall
Befallene Blüten und Blätter welken und verfärben sich dunkelbraun bis schwarz, sterben ab und trocknen ein,
(c) JKI

Charakteristisch ist insbesondere bei Kernobst die zu Beginn auftretende Schwärzung der Haupt- und Nebenadern der Blätter und die später U-förmige bzw. krückstockartige Krümmung der Triebspitze. Unter feuchtwarmen Bedingungen treten aus den Befallsstellen milchig-weiße, später rotbraune bis gelbbraune Schleimtropfen (= Bakterienschleim) aus.

Die befallenen Blätter, Blüten und jungen Früchte bleiben häufig bis in den Winter am Baum hängen. Betroffene Rindenpartien reißen häufig ein und sind rötlich oder braun verfärbt. Die Symptomausprägung ist von vielen Faktoren abhängig. Eine genaue Diagnose ist nur im Laufe der Vegetationszeit mit Hilfe spezieller Nachweisverfahren im Labor möglich.

Die Krankheit ist meldepflichtig, das heißt ihr Auftreten oder auch nur der Verdacht ist in einem bisher als vom Feuerbrand frei eingestuften Gebiet der zuständigen Behörde zu melden, die dann weitere Maßnahmen in die Wege leitet. Rechtsgrundlage hierfür ist eine spezielle Feuerbrand-Verordnung aus dem Jahre 1985 (letzte Änderung aus dem Jahre 1992).

Verwechslungsmöglichkeiten bestehen beispielsweise mit folgenden Krankheiten, Schädlingen oder abiotischen Ursachen: Bakterienbrand (Pseudomonas syringae pv. syringae), Monilia-Erkrankung (Monilinia laxa), Birnentriebwespe (Janus compressus), Frost, Herbizideinsatz.

Biologie in Kürze

Feuerbrand an Apfel, befallene Früchte
Feuerbrand an Apfel, befallene Früchte,
(c) JKI

Der Erreger ist aus pflanzensystematischer Sicht auf die sogenannten apfelfrüchtigen Rosengewächse (Pomoideae) beschränkt. Anzuführen sind hier die einzelnen Arten der Gattung Malus (Apfel), Pyrus (Birne), Pyracantha (Feuerdorn), Cydonia (Quitte), Stranvaesia (Stranvaesie), Sorbus (Mehlbeere), Crataegus (Weiß- und Rotdorn), Choenomeles (Zierquitte), Cotoneaster (Felsenmispel). Nicht befallen werden Stein- und Beerenobst, Walnüsse und Haselnüsse, andere Laubgehölze sowie verschiedene Koniferen.

Die Überdauerung der Bakterien während der Wintermonate erfolgt in erster Linie an den erkrankten Rindenteilen betroffener Pflanzen. Im Frühjahr nehmen die Bakterien mit steigenden Temperaturen ihre Vermehrung auf. In Verbindung mit Feuchtigkeit treten sie als Bakterienschleim nach außen, der dann über Regen, Wind und diverse Insekten (Bienen, Hummeln, Ameisen etc.) verbreitet wird.

Erste Befallsstellen sind die geöffneten Blüten. Die Infektion erfolgt insbesondere bei feuchtwarmer Witterung (über 18 Grad, über 70 Prozent relative Feuchte) beispielsweise über kleine Verletzungen, die Nektarien am Blütenboden oder über Spaltöffnungen der Kelchblätter. Da sowohl die Pollenkörner als auch der Nektar stark von den Bakterien besiedelt werden, können bereits zu einem frühen Zeitpunkt alle blütenbesuchenden Insekten den Feuerbrand von Blüte zu Blüte übertragen.

Die ersten Befallssymptome an den Blüten treten etwa zwei bis vier Wochen nach der Infektion auf. Im weiteren Verlauf werden dann Laubblätter, junge Triebe und auch die Nachblüten befallen. Innerhalb der Pflanze bleiben die Bakterien mehrheitlich auf ihren Infektionsort und dessen nähere Umgebung begrenzt (Blatt-, Blüten-, Stängelabschnitt), können jedoch über das pflanzliche Gefäßsystem auch weiter entfernt gelegene Stellen erreichen.

Eine weitere Verbreitung erfolgt durch Schnittwerkzeuge als auch - großflächig betrachtet - durch den Handel mit befallenen Pflanzen bzw. Pflanzenteilen und verseuchtem Verpackungsmaterial. Auch Zugvögel (Drossel, Star) sind in diesem Zusammenhang anzuführen. Der Ausgang einer bedrohlichen Epidemie findet sich häufig bei hochanfälligen Pflanzen, die z.B. als Windschutzhecken verbreitet sind (Weißdorn) oder häufig in Kleingärten bzw. im Öffentlichen Grün Verwendung finden (großblättrige Cotoneaster-Arten).

Regulierungsstrategien

Vorbeugende Maßnahmen

  • regelmäßige Kontrollen und Befallsbeseitigung in gefährdeten Beständen
  • frühzeitigen Triebabschluss fördern
  • Standortwahl: gut drainierte Böden
  • erkannte Infektionsstellen, z.B. betroffene Äste, sind bis zu 50 cm unter der sichtbaren Befallsstelle abzuschneiden und mit einem Wundpflegemittel zu verstreichen
  • verwendete Schnittwerkzeuge regelmäßig desinfizieren
  • nach einer unter Umständen erforderlichen Rodung stark infizierter Bäume ist zu bedenken, dass der Erreger noch einige Zeit am infizierten Wurzelmaterial lebensfähig bleibt. Aus diesem Grund sollte eine Neupflanzung erst nach einer Überwinterung (bei Rodung im Herbst) oder nach mindestens einem vierwöchigen, besser jedoch mehrmonatigem Sicherheitsabstand (bei Rodung im Frühjahr) erfolgen
  • gerodete Bäume und anfallende Schnittgutreste befallener Bäume sind zu vernichten
  • Sortenwahl:
    Hohe Anfälligkeit der Apfelsorten `Gloster´, `Topaz´, Mostbirnensorten `Oberösterreicher Weinbirne´ und `Gelbmöstler´
    Hohe Feuerbrandresistenz: z.B. Reglindis, Rewena, Reanda (Re-Sorten aus dem Züchtungsprogramm von Dresden-Pillnitz) und Sorte Liberty
  • anfällige Unterlagen beim Apfel: z.B. M 9 und M 27
    resistent: MM 111
  • es können Pflanzenstärkungsmittel auf der Basis schwefelsaurer Tonerdepräparate, Gesteinsmehle und Aureobasidium pullulans eingesetzt werden

Direkte Maßnahmen/Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Derzeit sind in Deutschland Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Bacillus subtilis zugelassen.

Aus der Forschung - für die Praxis

Weiterentwicklung der Anbaukonzepte im ökologischen Obstbau

Der Obststbau ist ein anspruchsvoller Bereich des Ökolandbaus und erfordert ein umfassendes Anbaukonzept in Züchtung, Erzeugung und Vermarktung. Vor allem der Pflanzenschutz ist eine Herausforderung für die Anbauer. Im Rahmen eines BÖL-Forschungsvorhabens hat die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. existierende Anbaukonzepte des ökologischen Obstbaus nach Schwachstellen untersucht. Darauf aufbauend wurden in enger Vernetzung von Praxis, Beratung und Forschung für die wichtigsten ungelösten Problembereiche (Apfelwickler, Schorf, Regenflecken, Feuerbrand) Strategieansätze zur Optimierung dieser Konzepte erstellt.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtArbeitsnetz zur Weiterentwicklung der Anbaukonzepte im Ökologischen Obstbau

Aus der Forschung - für die Praxis:

Widerstandsfähigkeit von Streuobstsorten gegenüber Feuerbrand

Deutliche Unterschiede bei der Anfälligkeit von Apfel- und Birnensorten gegenüber Feuerbrand konnte die ehemals Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) feststellen (jetzt Julius Kühn-Institut). Zweijährige Versuche im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) ergaben einen Einblick in die Sortenunterschiede.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtWiderstandsfähigkeit von Apfel- und Birnensorten im Streuobstanbau gegenüber Feuerbrand

Letzte Aktualisierung: 02.03.2011

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