Rußfleckenkrankheit (Phialophora sessilis, Tripospermum myrti und Tripospermum camelopardus) und Fliegenfleckenkrankheit (Schizothyrium pomi)
Schadbildbeschreibung
Beide Erregergruppen treten am Apfel auf. Bei der Rußfleckenkrankheit zeigen sich auf der Apfelfruchtschale grünlich-schwarze, dunkle, verwaschene Flecken unterschiedlicher Größe, die zu ausgedehnten Flächen zusammenfließen können. Die Flecken sind zumindest in der Kelchgrube mechanisch nur unzureichend zu entfernen.
Die Verbreitung auf der Fruchtoberfläche durch herabtropfendes Regenwasser führt zu schmalen riemenförmigen Bahnen, die von der Stielgrube zur Kelchgrube verlaufen. Bei der Fliegenfleckenkrankheit zeigen sich auf der Fruchtschale dunkle, graue, punktförmige Flecken, die nur schwer abwaschbar sind. Die Symptome der Rußfleckenkrankheit können zusammen mit der Fliegenfleckenkrankheit auftreten.
Ein Mehraufwand, das heißt das Waschen der Früchte ist notwendig, damit eine Vermarktung nach EU-Qualitätsnormen möglich wird. Das Schadensausmaß nimmt mit Pflückreife zu. Bei Apfelsorten mit heller Schalenfarbe ist die Entwertung der Frucht wesentlich stärker als bei dunkelroten Sorten.
Biologie in Kürze
Als Verursacher der Rußfleckensymptome wird in der Literatur der Erreger Gloeodes pomigena beschrieben. Neuere Untersuchungen in den USA weisen jedoch darauf hin, dass es sich um mehrere, zum Teil noch nicht näher charakterisierte Pilze handelt. Zu diesen zählen die Pilze Geastrumia polystigmatis, Leptodontidium elatius und Peltaster fructicola, die unterschiedliche Myceltypen ausbilden.
Welcher Erregerkomplex in Deutschland für diese Krankheit verantwortlich ist, wurde in den letzten Jahren untersucht. Dabei wurden drei neue Pathogene identifiziert, die mit dem Erscheinungsbild der Rußfleckenkrankheit in Verbindung gebracht werden können. Dies sind Phialophora sessilis, Tripospermum myrti und Tripospermum camelopardus.
Die Überwinterung der Erreger der Rußfleckenkrankheit erfolgt an den Zweigen des Apfelbaumes und einer Reihe anderer Laubgehölze (z. B. Ahorn, Weide, Linde). Die Infektion kann schon ab Anfang Juni bei den sehr kleinen, jungen Früchten beginnen und aufgrund der bisher bekannten Untersuchungen während der gesamten Wachstumsperiode stattfinden.
Für die Keimung der Rußfleckenerreger ist eine Blattnässedauer von mindestens vier bis fünf Stunden erforderlich. Die Inkubationszeit liegt im Durchschnitt bei 30 bis 40 Tagen. Erste Symptome können ab Juni mit der Lupe zu finden sein. Nach erfolgreicher Infektion werden auf den Früchten Sporen gebildet, die erneut Infektionen auslösen können.
Die weiteren Witterungsverhältnisse in den Sommermonaten beeinflussen den Krankheitsverlauf. Kommt es zu hohen Niederschlägen und liegen die Temperaturen im Bereich von 10 bis 25 Grad, ist mit sehr hohem Befallsdruck zu rechnen. Sind die klimatischen Faktoren günstig, erscheinen schon ab dem Sommer die Befallssymptome deutlich sichtbar als rußfarbener Belag auf der Fruchtoberfläche. Bei anhaltend guten Witterungsbedingungen breiten sich die Erreger dann über die ganze Frucht aus und führen zu einem massiven Befall.
Regulierungsstrategien
Die Gefahr des Befalls mit Rußfleckenerregern steigt mit zunehmender Reduzierung des Einsatzes von Fungiziden sowie mit dem vermehrten Anbau schorfresistenter Apfelsorten, bei denen in der Regel wenige oder keine Fungizidspritzungen angewendet werden.
Vorbeugende Maßnahmen
- Auswahl von Sorten mit einem frühen Erntetermin, da die klimatischen Bedingungen in den Herbstmonaten das Wachstum der Erreger begünstigen,
- Standortwahl: Da die Pathogene ein großes Wirtspflanzenspektrum besitzen, sind in Waldrandnähe gepflanzte Obstanlagen einem höheren Infektionspotential ausgesetzt,
- durch Standort, Schnitt und Formierung eine gute Durchlüftung der Baumkronen gewährleisten,
- Unterbewuchs zwischen den Baumzeilen und in den Reihen kurz halten,
- gegebenenfalls Sommerschnitt.
Direkte Maßnahmen/Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Derzeit sind in Deutschland keine Pflanzenschutzmittel zugelassen.
Es können Pflanzenstärkungsmittel auf der Basis von Pflanzenpflegeseife oder Algenprodukte angewendet werden.
Weblinks
Näheres zur Rußfleckenkrankheit beim Apfel (pdf)
(Fachinformationen für die Beratung der Rheinischen Friedrich-Wilhelm Universität Bonn, Landwirtschaftliche Fakultät)
Aus der Forschung - für die Praxis
Reduzierung der Regenfleckenkrankheit
Die Regenfleckenkrankheit breitet sich derzeit im ökologischen Obstanbau stark aus und verursacht erhebliche Einbußen bei der äußeren Fruchtqualität. Welche Pilze genau die schwarzgrünen Verfärbungen verursachen, wurde bislang kaum erforscht. Nun haben Wissenschaftler im Rahmen eines BÖL-Forschungsvorhabens mehrere Erreger identifizieren und deren Verbreitung beschreiben können. Demnach ist in den großen Anbauregionen Bodensee und Altes Land im Wesentlichen ein einziger Schaderreger verantwortlich für den Befall: Peltaster fructicola gehört wie der Apfelschorf zur Gruppe der Ascomyceten. In mehrjährigen Versuchsreihen konnten die Forscher nachweisen, dass die Sporen des Erregers am Apfelbaum überwintern. Auch wenn die ersten Schadsymptome meist nicht vor Mitte Juni auftreten, finden Sporenflug und die ersten Infektionen bereits wesentlich früher statt. Die Forscher empfehlen daher eine saisonal möglichst frühzeitige Behandlung zum Beispiel mit ökologischen Pflanzenstärkungsmitteln auf Basis von Kaliumhydrogencarbonaten oder Kaliseife. Außerdem ermittelten die Wissenschaftler erste Apfelsorten, auf denen sich die Schadsymptome nur in deutlich geringerem Umfang ausprägen können. "Unser Ziel war es, den Schaderreger genauer zu charakterisieren und Daten zu Überwinterung, Sporenfreisetzung, Infektionszeitraum sowie zum Krankheitsverlauf zu gewinnen. Das ist uns in den vergangenen drei Jahren gelungen. Mithilfe dieser Daten wollen wir in einem aktuell angelaufenen Folgeprojekt ein Prognosemodell für Obstbauern erarbeiten, mit dem sich mögliche Infektionen anhand von Klimadaten besser vorhersagen lassen. Dadurch wird eine gezielte und optimal terminierte Bekämpfung ermöglicht", sagt Projektleiter Sascha Buchleither vom Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 02.03.2011

