Schorf (Venturia spp.)
Schadbildbeschreibung
Auf den Blättern, meist oberseits beim Apfel und unterseits bei der Birne, treten matt-olivgrüne, später braune oder schwärzlich werdende Flecke auf, die dann verschmelzen und im weiteren Krankheitsverlauf vertrocknen.
Befallene Früchte weisen ähnliche, jedoch meist dunkler gefärbte Flecke auf.
Späte Fruchtinfektionen führen nur zu kleinen Infektionspunkten oder sind zunächst vor der Ernte noch nicht sichtbar. Erst im Lager werden die Symptome dann sichtbar und können sich weiter entwickeln (= Lagerschorf). An den Trieben können korkige, blasige Auftreibungen und Rissbildung sichtbar werden. Häufiger bei der Birne (= Grindschorf) als beim Apfel.
Biologie in Kürze
Der Schorfpilz überwintert im Falllaub und an infizierten Trieben am Baum. In dem infizierten Falllaub werden Fruchtkörper (= Perithecien) gebildet. Ab Vegetationsbeginn können – ausgelöst durch Regen – Ascosporen aus diesen Fruchtkörpern ausgeschleudert werden. Bei anhaltender Blattnässe und entsprechenden Temperaturen (Millstabelle) können die Sporen auskeimen und unter die Wachsschicht der jungen Blätter eindringen (Primärinfektion).
Etwa 10 bis 20 Tage nach erfolgter Infektion werden erste Blattflecken sichtbar. Aus den Infektionen im Frühjahr entstehen Sommersporen (Konidien). Die weitere Ausbreitung auf Früchte und junge Blätter (Sekundärinfektionen) erfolgt wiederum durch Regen und anhaltende Nässe.
Regulierungsstrategien
Vorbeugende Maßnahmen
Da der Schorf im Falllaub überwintert, bewirkt eine Reduzierung überwinternder Blattmasse eine Verminderung des Sporenangebotes im Frühjahr. Maßnahmen im Herbst:
- Blattspritzungen mit Blattdüngern
- Zerkleinerung des Falllaubes durch Mulchen
Die Infektionsbedingungen werden von Nässe und Temperatur beeinflusst. Schnelles Abtrocknen der Blätter mindert die Infektionsgefahr. Maßnahmen:
- Erziehungsform und Schnitt so wählen, dass eine gute Belüftung und schnelles Abtrocknen der Blätter gesichert ist,
- beim Erstellen der Anlage dafür sorgen, dass ein guter Luftzug durch die Anlage gewährleistet wird,
- Düngung und Schnitt so abstimmen, dass kein zu dichter Wuchs auftritt,
- Förderung eines zeitigen Triebabschlusses verhindert Neuinfektionen an jungen empfindlichen Blättern bis weit in den Spätsommer.
Die bekannten Apfelsorten weisen unterschiedliche Anfälligkeit gegenüber dem Schorfpilz auf. Bei Neupflanzungen sollten robuste oder resistente Sorten berücksichtigt werden.
Es können Pflanzenstärkungsmittel auf der Basis saurer Gesteinsmehle, Kaliumcarbonat und Kaliumhydrogenkarbonat eingesetzt werden.
Direkte Maßnahmen/Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Die Wirkstoffe, die dem ökologischen Erwerbsobstbau zur Verfügung stehen, können vorbeugend oder gezielt ausgebracht werden. Der umfassendste Schutz wird erreicht, indem die Belagsbehandlungen unmittelbar vor Regenperioden ausgebracht werden. Mit dem Austrieb sollte auch mit den Behandlungen begonnen werden. Wichtigster Bekämpfungsschwerpunkt sind hierbei die Wochen vor und nach der Blüte (Anfang April bis Ende Mai), da hier die Anzahl an Ascosporen am höchsten ist.
Derzeit sind in Deutschland Pflanzenschutzmittel auf der Basis folgender Wirkstoffe zugelassen:
Bacillus subtilis
- Beschränkung in deutschen ökologischen Anbauverbänden:
3 kg/ha/Jahr Reinkupfer - Beschränkung nach der EG-Rechtsvorschrift für den ökologischen Landbau:
ab 01.01.2006 6 kg/ha/Jahr Reinkupfer
Aus der Forschung - für die Praxis
Weiterentwicklung der Anbaukonzepte im ökologischen Obstbau
Der Obststbau ist ein anspruchsvoller Bereich des Ökolandbaus und erfordert ein umfassendes Anbaukonzept in Züchtung, Erzeugung und Vermarktung. Vor allem der Pflanzenschutz ist eine Herausforderung für die Anbauer. Im Rahmen eines BÖL-Forschungsvorhabens hat die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. existierende Anbaukonzepte des ökologischen Obstbaus nach Schwachstellen untersucht. Darauf aufbauend wurden in enger Vernetzung von Praxis, Beratung und Forschung für die wichtigsten ungelösten Problembereiche (Apfelwickler, Schorf, Regenflecken, Feuerbrand) Strategieansätze zur Optimierung dieser Konzepte erstellt.
Näheres zum Projekt:
Arbeitsnetz zur Weiterentwicklung der Anbaukonzepte im Ökologischen Obstbau
Aus der Forschung - für die Praxis
Alternativen und Strategien zum Kupfereinsatz
- Ein Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau hat kupferfreie Bekämpfungsmaßnahmen mit Mikroorganismen und Enzymen im Falllaub und mit organischen und anorganischen Naturstoffen untersucht.
Näheres zum Projekt:
- In einem weiteren Projekt werden verschiedene Strategien zum Kupferersatz und zur Kupferminimierung verglichen.
Letzte Aktualisierung: 02.03.2011

