Apfelwickler (Cydia pomonella)
Schadbildbeschreibung
In erster Linie an Apfel schädigend, daneben auch seltener (insbesondere in wärmeren Klimaten) an Birne, Quitten, Aprikosen, Pfirsich, Pflaume, Kirsche, Weißdorn, Esskastanien und Walnuss.
Pro Apfelfrucht findet sich meist nur eine Raupe. Die Äpfel werden notreif und fallen vorzeitig ab. Das Fruchtfleisch ist zum großen Teil ausgefressen. Auch die Kerne sind angefressen. Im Kerngehäuse befindet sich eine Schmetterlingsraupe, die bis zu 2 cm lang wird. Es werden erhebliche Ernteausfälle verursacht.
Biologie in Kürze
Der Apfelwickler überwintert im Kokon an der Rinde der Bäume, in Junganlagen auch im Boden. Der Falterflug beginnt Mitte Mai. In warmen Nächten erfolgt die Paarung (mindestens 13 Grad in der Dämmerung), ein bis zwei Tage später die Eiablage, anfangs auf Blätter, später auf die Früchte selbst. Acht bis 21 Tage nach der Eiablage schlüpfen die Raupen. Mitte Juli beginnt der zweite Flug. Die Eier werden direkt auf die Früchte abgelegt. Die schlüpfenden Raupen bohren sich sehr schnell in diese ein.
Regulierungsstrategien
Vorbeugende Maßnahmen
Verschiedene Insekten, wie Ohrwürmer, Wanzen und natürlich vorkommende Schlupfwespen (z.B. Elodia tragica, Trichomma enecator, Ascogaster quadridentatus) sind bedeutende Gegenspieler des Apfelwicklers. Raupen und auch Falter sind eine begehrte Nahrung für Vögel. Alle Maßnahmen, die die Anzahl der Vögel in den Anlagen erhöhen und Nützlinge fördern, tragen somit zur Regulierung des Schädlings bei.
Nussbäume und Holzhaufen ziehen den Apfelwickler an. In gefährdeten Lagen sollte diesen Stellen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
- Verwirrungstechnik
Zur Vermehrung und Fortbestand der Population bedarf es einer geschlechtlichen Vermehrung. Der Einsatz von Pheromonen unter Anwendung der Verwirrungstechnik kann eine erhebliche Reduzierung des Schädlings bewirken. Je größer die mit Pheromonen behandelte Fläche ist, umso geringer ist der Zuflug von außen. Damit die Verwirrungstechnik eine ausreichende Wirkung erzielt, sollten zumindest zwei Hektar zusammenhängende Obstanlagen mit Pheromon-Dispensern bestückt werden.
An den Rändern der Verwirrungszonen, aber auch an breiteren Straßen bzw. Gräben und an Gebäuden, sollte die Anzahl der Dispenser verdoppelt werden. Die Dispenser müssen vor dem Flugbeginn aufgehängt werden. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass es etwa eine Woche braucht, bis sich die Pheromonwolke optimal in der Anlage verteilt hat. Die Dispenser sind im Schatten ca. 50 cm unter dem Gipfel anzubringen. Je nach Dispenser-Art und Befallsdruck müssen 500 bis 1000 Dispenser pro Hektar ausgebracht werden.
Direkte Maßnahmen/Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Für eine gezielte Bekämpfung ist eine sorgfältige Beobachtung der Populationsentwicklung in den einzelnen Anlagen von großer Bedeutung. Dabei sind ab Falterflug regelmäßig 1000 Früchte/ Anlage oder Hektar zu kontrollieren.
War der Vorjahresbefall höher als 1 Prozent, empfiehlt sich auch bei Anlagen mit Pheromonbehandlung eine Granulosevirus-Behandlung durchzuführen. Es ist auch hier anzuraten, in Befallslagen vorbeugend geringe Mengen einzusetzen. Besonders in der zweiten Generation kann die Frucht mit Granulosevirus nur ungenügend und mit sehr hohen Aufwandmengen vor Schaden geschützt werden. Eine Verringerung der Population durch regelmäßige Behandlungen ist anzuraten.
Derzeit sind Pflanzenschutzmittel auf der Basis folgender Wirkstoffe zugelassen:
- Granulosevirus-Präparate sind nur mit Präparaten mischbar, die einen ph-Wert von ca. 6 bis 8 nicht über- bzw. unterschreiten. Nicht mischen mit Schwefel-Kalk-Brühe, Kokosseife und sauren Gesteinsmehlen!
Codlemone (Pheromon)
Einsatz von Schlupfwespen
- in zeitlicher Übereinstimmung mit der Eiablage der Schädlinge,
- Anfang Juni zur Bekämpfung der ersten Wicklergeneration,
- ab Ende Juli zur Bekämpfung der zweiten Wicklergeneration (insgesamt alle 14 Tage von Anfang Juni bis Mitte August).
Der Einsatz der Schlupfwespen wird in der kommerziellen Produktion nicht praktiziert, da der Einsatz zu kostenintensiv ist.
Weblinks
Aus der Forschung - für die Praxis
Geringere Empfindlichkeit von Apfelwicklerstämmen gegen das Apfelwicklergranulovirus
Das Apfelwicklergranulovirus (Cydia pomonella Granulovirus, CpGV) ist ein effizientes biologisches Bekämpfungsmittel des Apfelwicklers mit großer Bedeutung im ökologischen Kernobstbau. Die Granuloviren infizieren die Mottenlarven und lassen sie innerhalb weniger Tage absterben. 2005 wurde erstmals eine Resistenz gegen CpGV in einzelnen Anlagen beobachtet. Ein Forschungsvorhaben hat verschiedene Aspekte der CpGV-Resistenz untersucht, um geeignete Hilfestellungen für den Ökoapfelanbau zu entwickeln.
In einem Forschungsvorhaben konnten Wissenschaftler neue Virenstämme isolieren, die auch gegen resistente Motten wirksam sind und zudem das für die Resistenzbildung verantwortliche Gen im Apfelwickler identifizieren. Die Forscher hoffen, in Zukunft maßgeschneiderte Mittel gegen Apfelwickler entwickeln zu können. "In Europa gibt es zahlreiche Betriebe, denen wegen resistenter Apfelwickler empfindliche Ernteschäden drohen. Mit den neuen Viren werden wir wieder ein effektives Bekämpfungsmittel haben. Und wir sind zuversichtlich, dass es möglich sein wird, durch die Anwendung verschiedener Virus-Isolate eine Resistenzentwicklung, wie wir sie in den vergangenen Jahren beobachtet haben, in Zukunft zu vermeiden", sagt Projektleiter Dr. Johannes Jehle vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz.
Näheres zum Projekt:
Management der Minderempfindlichkeit von Apfelwicklerstämmen gegenüber dem Apfelwicklergranulovirus
Aus der Forschung - für die Praxis
Weiterentwicklung der Anbaukonzepte im ökologischen Obstbau
Der Obststbau ist ein anspruchsvoller Bereich des Ökolandbaus und erfordert ein umfassendes Anbaukonzept in Züchtung, Erzeugung und Vermarktung. Vor allem der Pflanzenschutz ist eine Herausforderung für die Anbauer. Im Rahmen eines BÖL-Forschungsvorhabens hat die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. existierende Anbaukonzepte des ökologischen Obstbaus nach Schwachstellen untersucht. Darauf aufbauend wurden in enger Vernetzung von Praxis, Beratung und Forschung für die wichtigsten ungelösten Problembereiche (Apfelwickler, Schorf, Regenflecken, Feuerbrand) Strategieansätze zur Optimierung dieser Konzepte erstellt.
Näheres zum Projekt:
Arbeitsnetz zur Weiterentwicklung der Anbaukonzepte im Ökologischen Obstbau
Letzte Aktualisierung: 02.03.2011

