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Blutlaus (Eriosoma lanigerum)

 

Je nach Jahreszeit besiedeln verschiedene Blattlausarten die Obstbäume. Beim Austrieb können harmlose Apfelgrasläuse und Apfelfaltenläuse beobachtet werden, um die Blüte erscheinen erste Kolonien der Mehligen Apfelblattlaus und schließlich ab Mitte Mai die Grüne Apfelblattlaus. Das Auftreten von Blattläusen wird auch durch die Bodenverhältnisse, den Ernährungszustand und das Wachstum der Bäume beeinflusst.

Schadbildbeschreibung

Blutläuse sind mit einer weißen, watteartigen Wachsschicht überzogen
Mehrjähriger Befall führt zu Wachstumsstörungen der befallenen Teile und zum Absterben der Bäume
(c) JKI

Die ca. 2 mm langen, braun-rot gefärbten erwachsenen Tiere sind mit einer weißen, watteartigen Wachsschicht überzogen. Wenn man sie zerdrückt, läuft ein blutroter Saft aus, daher der Name Blutläuse.

Die Tiere saugen am Gewebe der Bäume, wobei krebsähnliche Schwellungen auf der Rinde entstehen. Junge Bäume werden dadurch stark in ihrer Entwicklung gehemmt. Zusätzlich kann es an den Wucherungen zu pilzlichen Erkrankungen kommen.

Biologie in Kürze

Die Blutlaus überwintert als Nymphe in Rindenritzen oder im Wurzelbereich. Je kälter die Winter desto höher ist die Mortalität, besonders im oberirdischen Bereich. Ende März bis Anfang April werden die Larven aktiv und beginnen sich zu verbreiten. Die Kolonien beginnen sich anfangs an Schnittstellen oder Ritzen am Wurzelhals, am Stamm und älterem Holz zu vermehren. Im Laufe der Vegetationszeit sind bei günstigen Witterungsverhältnissen zehn oder mehr Generationen möglich. Die Blutlausweibchen bringen ohne Befruchtung 100 und mehr Junge zur Welt.

Die Verbreitung von Baum zu Baum erfolgt meist über die Wanderung der Nymphen oder Verschleppung durch Wind. Temperaturen über 30 Grad bremsen die Entwicklung. Im Zeitraum Ende Juli bis Mitte August sind daher vielfach ein Rückgang der Population und eine verstärkte Parasitierung zu erkennen. Ende August bis September kann der Befall wieder zunehmen. Auf Grund der Biologie bedarf es zur Regulierung dieses Schädlings der Kombination von mehreren, vor allem vorbeugender Maßnahmen.

Regulierungsstrategien

Vorbeugende Maßnahmen

Bäume mit einem sehr triebigen Wuchs und starker Beschattung werden von den Blutläusen besonders gerne befallen. Daher sind ein ausgewogener Wuchs und eine lichte Baumerziehung in der Anlage anzustreben.

Ein schlechter Bodenzustand fördert ebenfalls den Blutlausbefall. Alle Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenstruktur tragen vorbeugend zur Blutlausregulierung bei.

Das Anbringen von Leimringen im zeitigen Frühjahr hat in Versuchen zu Teilerfolgen geführt.

Es gibt eine erhebliche Anzahl an sehr effizienten Gegenspielern der Blutläuse. Besonders zu erwähnen ist dabei der Ohrwurm und die Blutlauszehrwespe (Aphelinus mali). Alle Maßnahmen zur Förderung dieser nützlichen Insekten sind für die Blutlausregulierung von großer Bedeutung.

Das gezielte Aufhängen von mit Ohrwürmern besiedelten Tontöpfen kann zur Regulierung des Befalls beträchtlich beitragen. Versuche haben gezeigt, dass dafür bis zu ein Topf pro Kubikmeter Laubwand erforderlich ist. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass der Ohrwurm auch die Äpfel, besonders Frühobst, schädigen kann. Daher wird diese Maßnahme in der Praxis nur mit Vorsicht angewendet.

Blutlauszehrwespe

Es gibt ein laufendes Projekt zur Förderung der Blutlauszehrwespe. Vorläufige Ergebnisse sind nachfolgend aufgeführt:

Die Blutlauszehrwespe ist in Europa nur bedingt an den Zyklus der Blutlaus angepasst. Im Frühjahr schlüpfen die Tiere oft viel zu früh und werden dann von der nasskalten Witterung stark dezimiert. Der Entwicklungsnullpunkt der Blutlaus (ca. 5 Grad) liegt wesentlich niedriger als bei der Zehrwespe (8,3 bis 9 Grad) (BONNEMAISON, 1965, ASANTE & DANTHANA RAYANA, 1992).

Dies führt in kühlen Frühsommern dazu, dass sich die Blutlauspopulation wesentlich schneller entwickelt als die der Zehrwespe. Im August ist dann meist eine sehr hohe Parasitierung zu beobachten, die Schädigung der Pflanzen ist dann aber bereits erfolgt.

Die Zehrwespe überwintert als Larve in parasitierten Blutläusen. Zum Zeitpunkt des Kältebeginns im Herbst sind allerdings nur wenige Zehrwespen im geeigneten Stadium für eine Überwinterung (ältere Larvenstadien) (BONNEMAISON, 1965). Die meisten sind zu diesem Zeitpunkt Adulte und können den Winter nicht überstehen.

Es ist ein bekanntes Verfahren, die mit parasitierten Blutläusen besetzten Triebe zu schneiden und im Kühllager zu überwintern. Ausgebracht werden die Triebe wenn die Schlechtwetterperiode im Frühjahr vorüber ist. Mit diesem Verfahren kann zumindest das Problem im Frühjahr reduziert werden. Generell wird das Verfahren im Öko-Obstbau praktiziert, scheiterte in den letzten Jahren aber am geringen Auftreten der Zehrwespen im Spätherbst.

Im Rahmen eines 1999 gegründeten Ak Blutlaus der Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. (FÖKO) wurden erste eigene Tastversuche zur Lösung dieses Problems durchgeführt. Es könnte sinnvoll sein, die Insekten für die Überwinterung bereits im August zu entnehmen, wo reichlich mit Zehrwespen besetzte Blutlauskolonien vorhanden sind. Geprüft werden muss jedoch, inwiefern und unter welchen Umständen diese Zehrwespen die Lagerung im Winter überstehen. Hierzu gehört neben der Temperatur- und Feuchteregulierung, das für die Lagerung optimale Entwicklungsstadium der Zehrwespe in den Mumien zu bestimmen. Daher müssen zu verschiedenen Terminen Proben gezogen und vor der Lagerung auf vorhandene Stadien untersucht werden.

Direkte Maßnahmen/Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Da die Blutläuse ein sehr starkes Vermehrungspotenzial besitzen, ist eine frühzeitige Bekämpfung sehr wichtig. Die einzige Bekämpfungsmöglichkeit ist ein lokaler Einsatz von Ölen, eventuell in Verbindung mit einer Bürste. Später gibt es im Öko-Obstbau keine Bekämpfungsmöglichkeit mehr.

Von einem Einsatz pyrethrinhaltiger Präparate ist ausdrücklich abzuraten, da dadurch die Blutlauszehrwespe und andere Nützlinge stärker als die Blutlaus geschädigt werden. Es gibt zurzeit kein wirksames zugelassenes Präparat.

 

Weblinks

Aus der Forschung - für die Praxis

Regulierung der Blutlaus im ökologischen Obstbau

Die Blutlaus, die in den vergangenen Jahren verstärkt in Mitteleuropa aufgetaucht ist, hat sich zum Problemschädling für den ökologischen Obstbau entwickelt und verursacht erhebliche Ertragseinbußen. Zwar gibt es verschiedenste Nützlinge als natürliche Gegenspieler, eine wirksame Regulierungsstrategie konnte jedoch noch nicht etabliert werden. Ein Forschungsvorhaben hatte zum Ziel, eine betriebliche Behandlungsstrategie zur Bekämpfung der Blutlaus durch den gezielten Einsatz von Ohrwürmern sowie Ölbehandlungen zu entwickeln. Der Einfluss der Ohrwürmer erwies sich nach Angaben der Forschenden als schwer nachweisbar. Der Vergleich der Applikation von Öl mit dem Pinsel bzw. per Gebläsespritze zeigte bei einem hohen Befall deutliche Vorteile für das Pinseln: Die Behandlung sei direkter und wesentlich effektiver bei hohem Befall, allerdings aber auch zeitaufwändig und ohne Zulassung in Deutschland, erläutern die Wissenschaftler.

Näheres zum Projekt:

Opens external link in current windowBekämpfung der Blutlaus (Eriosoma lanigerum Hausm.) in ökologischen Obstanlagen durch Etablierung von Ohrwürmern (Forficula auricularia L.) und Bewertung unterstützender Bekämpfungsverfahren

Letzte Aktualisierung: 06.08.2010

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