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Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi)

 

Schadbildbeschreibung

Befallene Früchte werden braun, zuweilen matt und stellenweise weich. Sie weisen einen im Innern verschiebbaren Kern auf. In dessen Nähe befindet sich die Made. Betroffene Früchte faulen häufig am Baum und fallen frühzeitig zu Boden. Bereits verlassene Früchte besitzen ein Ausbohrloch meist nahe dem Stiel der Kirsche.

Biologie in Kürze

Kirschfruchtfliege
Dezimierend auf die Population wirken kühle Temperaturen und hohe Niederschläge zum Zeitpunkt des Fluges,
(c) BBA

Die Überwinterung der Tiere erfolgt im Puppenstadium im Boden. Etwa Mitte Mai bis Ende Juni, in Abhängigkeit von den Bodentemperaturen, verlassen die Fliegen ihr Puparium und beginnen mit einem Reifungsfraß, der nach ca. zehn Tagen abgeschlossen ist. Dem folgt die Geschlechterfindung und Paarung, meist auf den Kirschfrüchten.

Die Eiablage (0,7 mm lang, weiß) in die Frucht findet bei Temperaturen über 16 Grad, in die nach gelb oder gelbrot umschlagende Kirschfruchtfarbe statt. Pro Weibchen werden etwa 100 bis 250 Eier abgelegt. Nach sechs bis acht Tagen schlüpft die Made und frisst sich in die Frucht ein. Die Entwicklungszeit der Maden beträgt etwa drei Wochen. Sie verlässt dann die Frucht und wandert in den Boden zur Überwinterung als Puppe. Es tritt nur eine Generation pro Jahr auf.

 

Regulierungsstrategien

Vorbeugende Maßnahmen

Da die Kirschfruchtfliege vor allem mittelspäte und späte Süßkirschensorten befällt, sind frühe Sorten zu bevorzugen. Weitere Wirte, die nicht im näheren Umfeld stehen sollten, sind Vogelkirsche (Prunus avium), Heckenkirsche (Lonicera spp.), Schneebeere (Symphoricarpos spp.) und Traubenkirsche (Prunus padus).

Im Hinblick auf eine Reduzierung des Befalls im nächsten Jahr können genannt werden:

  • Auflesen vorzeitig herabfallender Früchte.
  • Frühzeitiges und restloses Abernten der Bäume.
  • Mulchen der Baumscheibe führt im Frühjahr zu langsamerer Bodenerwärmung und damit zu einem verzögerten Schlupf der wärmeliebenden Tiere.
  • Durch ein Schafbeweidung im Frühjahr kann der Tritt der Tiere zu einer Dezimierung der schlüpfenden Fliegen beitragen. Durch spätere Beweidung werden die Maden in den abgefallenen Früchten aufgefressen.

Durch Auslegung von engmaschigen Netzen oder Vliesen im näheren Baumbereich noch vor dem Schlupf der Fliegen kann die Besiedlung der Kirschbäume und somit sowohl der Reifungsfraß als auch die Paarung und damit die Eiablage unterbunden werden.

Es können ferner mit farblosem Insektenleim bestrichenen Gelbfallen eingesetzt werden. Unterschiedliche Fallentypen (einfache, tellerförmige Falle; Kreuzfalle Typ "Rebell") sind im Handel erhältlich.

Direkte Maßnahmen/ Zugelassene Pflanzenschutzmittel 

Als natürliche Feinde der Kirschfruchtfliege können Schlupfwespen, Spinnen, Laufkäfer, Kurzflügler sowie freilaufende Hühner und Enten genannt werden.

Zukünftig könnten auch insektenpathogene Nematoden (z.B. Steinernema- Arten) an Bedeutung gewinnen. Hier besteht noch dringender Forschungsbedarf.

Mittels beleimter Gelbtafeln (kronenaußen- und sonnenseitig, 10 bis 20 pro Baum) lässt sich ein Teil der Fliegen abfangen.

Aus der Forschung - für die Praxis

Bekämpfung der Kirschfruchtfliege im ökologischen Obstbau

Die Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) ist der bedeutendste Schädling im Süßkirschenanbau. Weder im ökologischen noch im konventionellen Anbau bestehen befriedigende Regulierungsmethoden. Bei der Entwicklung wirksamer Strategien für den ökologischen Obstbau haben Wissenschaftler des Instituts für Pflanzenschutz im Obstbau der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau insbesondere die Wirksamkeit insektenschädigender Fadenwürmer (Nematoden) untersucht.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtErarbeitung erster Ansätze für die Bekämpfung der Kirschfruchtfliege im ökologischen Landbau unter besonderer Berücksichtigung des Potenzials entomopathogener Nematoden (BÖL-Projekt Nr. 02OE110)

Weblinks

Letzte Aktualisierung: 21.12.2007

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