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Schermaus (Arvicola terrestris)

 

Schadbildbeschreibung

Schermäuse beginnen mit dem Fraß an der Wurzel, nagen aber manchmal auch die Rinde bis kurz über der Bodenoberfläche ab. Die Breite der Nagezahnspuren gibt zusätzliche Hinweise auf den Schadensverursacher. Sie beträgt bei Schermäusen ca. 1,5 mm bis 3,5 mm. Die Bäume vertrocknen und sterben ab. Geschädigt werden vor allem Apfelbäume auf schwachwüchsigen Typenunterlagen sowie Holunder, seltener Birnen auf Quittenunterlage und Erdbeeren.

Biologie in Kürze

Schermaus
Schermäuse sind kleiner als Ratten, haben einen kürzeren Schwanz (etwa halbe Körperlänge) und einen stumpfen Schädel,
(c) JKI

Schermäuse leben vorwiegend unterirdisch, Gangöffnungen zur Oberfläche sind selten. Öffnet man ein Stück des Ganges, so wird er innerhalb kurzer Zeit (zwei bis sechs Stunden) wieder geschlossen (im Unterschied zur Feldmaus). Treten Erdauswürfe auf, sind diese flach und unregelmäßig geformt.

Drei- bis viermal jährlich erfolgt ein Wurf mit zwei bis sechs Jungen. Da die Wühlmaus schon nach zwei Monaten fortpflanzungsbereit ist, kommt es in Jahren mit optimalen Lebensbedingungen zu Massenvermehrungen.

Ihre höchste Populationsdichte erreichen Nagetiere im Spätherbst. Nageschäden an Obstgehölzen treten vor allem in Frostperioden während des Winterhalbjahres auf, wenn Nahrungsalternativen knapp sind. Darum sind Befallskontrollen und die Bekämpfung vor Winterbeginn eine wichtige Voraussetzung, um Schäden an den Bäumen zu verhindern.

Regulierungsstrategien

Vorbeugende Maßnahmen

Als vorbeugender Schutz hat sich die Verwendung eines Drahtkorbes bewährt, der während der Pflanzung so um die Wurzeln, den Stamm und den Baumpfahl gelegt und befestigt wird, dass das Hindurchschlüpfen der Wühlmaus von allen Seiten, auch von oben her, völlig verhindert wird. Die Maschenweite sollte höchstens 2 cm betragen.

Alternative Verfahren wie das Ansäen von Knoblauch, Kaiserkrone, Schwarze Johannisbeere, Steinklee, Wolfsmilcharten, begießen mit Buttermilch, sowie das Vertreiben durch Duftstoffe haben sich nicht bewährt. Ebenso ungenügende Wirkung haben akustische Geräte.

Allgemein sollte in Anlagen mit höherem Mäusebefall darauf geachtet werden, dass zumindest ab August das Gras in der Fahrgasse und im Baumstreifen kurz gehalten wird. Auch ständiges Aufsammeln von Fallobst vermindert die Anlockung des Schädlings. Bodenbearbeitung hemmt die Entwicklung der Mäuse.

Auch die natürlichen Feinde wie Hermelin, Mauswiesel oder Greifvögel haben einen Einfluss auf die Wühlmausdichte. Sind sie zahlreich vorhanden, so können die natürlichen Feinde einen dämpfenden Einfluss auf die Entwicklung des Nagerbesatzes ausüben oder das Zyklusintervall von Massenvermehrungen strecken. Sie sollten daher gefördert werden, z.B. durch Sitzkrücken für Greifvögel, durch Steinhaufen, Holzstapel, Wurzelstöcke und ähnliche Verstecke für Mauswiesel und durch Nisthilfen im Hofbereich und in den Anlagen.

Direkte Maßnahmen/Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Die direkte Abwehr muss im Herbst vor Wintereinbruch durchgeführt werden. Im Frühjahr ist sie nur sinnvoll bis Vegetationsbeginn, im Sommer dagegen völlig uneffektiv. Bei hohem Befall sollte die Bekämpfung zwei- bis dreimal wiederholt werden. Zur direkten Abwehr sind Gase und Fallen geeignet.

Gase sind hoch wirksam und besonders geeignet für größere zusammenhängende Anlagen. Die Begasung der einzelnen Gänge sollte fünf bis zehn Minuten andauern.

Fallen erfordern den höchsten Arbeitsaufwand. Bei guter Beköderung, beispielsweise mit Karotten oder Äpfeln, gehören jedoch die Fallen zu den erfolgreichsten Bekämpfungsmitteln. Bei der Wahl der Falle ist darauf zu achten, dass Maulwürfe geschont werden müssen.

Vor der Fallenstellung müssen die Gänge der Wühlmaus aufgespürt werden. Diese Arbeit kann mittels eines Suchstabes, der in regelmäßigen Abstanden eingestochen wird, erleichtert werden. Im Obstbau ist es sinnvoll, vorwiegend im Baumstreifen zu suchen. Wichtig ist dabei auch, dass man ein Wühlmausquartier von einem Maulwurfsbau unterscheidet. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist der Erdhaufen. Schermäuse schieben die Erde seitlich aus dem Gang, während Maulwürfe kegelförmige Haufen aus einem senkrecht nach oben führenden Gang aufwerfen. Auch sind die Wühlmausgänge frei von Wurzeln.

Ein bewohnter Wühlmausgang wird meist innerhalb 30 Minuten, aber spätestens nach sechs Stunden, mit Erde zugestopft. Der Maulwurf hingegen reagiert erst nach Stunden oder meist nach Tagen und ist bestrebt, den Gang wieder durchgängig zu machen bzw. untergräbt meist die geöffnete Stelle. Wenn nach spätestens sechs Stunden der geöffnete Gang nicht wieder geschlossen wurde, ist er ungenutzt oder von einem Maulwurf belegt. Eine Fallenstellung ist somit zwecklos.

Ist ein Gang geschlossen worden, muss er wieder geöffnet und die Falle gestellt werden. Einseitig öffnende Fallen müssen in Gangrichtung gelegt und gut fixiert werden. Die Gangöffnung muss vollständig abgedeckt werden, da Schermäuse die Falle sonst leicht verwühlen.

Derzeit sind Pflanzenschutzmittel auf der Basis folgender Wirkstoffe zugelassen:

  • kohlenmonoxidreiche Gase, erzeugt mit Holzkohlevergasungsgeräten
  • Kohlendioxid aus Gasflaschen

Mittels eines kurzen Kunststoffschlauches erfolgt die Einleitung in das Gangsystem etwa fünf Minuten bei 0,5 bis 1 bar. Begasungsverfahren haben eine Reichweite von etwa zehn Metern. Um sicherzustellen, dass alle Tiere erreicht werden, sollte daher bei ausgedehnten Gangsystemen die Ausbringung/Einleitung in einem 10 x 10 Meter-Raster erfolgen. In Hanglagen ist darauf zu achten, dass die Begasung von oben nach unten fortschreitend vorgenommen wird, da CO2 schwerer ist als atmosphärische Luft.

Schadensschwelle: Auch einzelne Individuen können über das Winterhalbjahr erheblichen Schaden anrichten. Das Bekämpfungsziel muss daher sein, die Obstanlage im Spätherbst wühlmausfrei zu machen.

Weitere Informationen:

Aus der Forschung - für die Praxis

Barrieresysteme zur Abwehr von Wühlmäusen im Öko-Obstbau

Im Öko-Obstbau verursachen Scher- und Feldmäuse erhebliche Schäden durch das Benagen der Rinde und der Wurzeln von Obstbäumen. Um die Zuwanderung dieser Schaderreger zu verhindern, können so genannte Migrationsbarrieren eingesetzt werden. In einem Forschungsprojekt wurden Barrieresysteme vor allem hinsichtlich ihrer Effizienz getestet.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtVersuche zum praxisgerechten Betrieb von Barrieresystemen zur Abwehr von Wühlmausschäden im ökologischen Obstbau (FKZ 02OE108)

Letzte Aktualisierung: 06.08.2010

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