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Grauschimmel (Botrytis cinerea)

 

Schadbildbeschreibung

Der Pilz kann sämtliche grünen Stadien der Rebe (Blätter, Triebe, Gescheine und Beeren) befallen. Bei einem frühen Befall kommt es zu Braunfärbung, zum Eintrocknen und Abfallen einzelner oder ganzer Gescheine (Verwechslungsgefahr mit Gescheinsperonospora!).

Teilweise abgestorbenes Geschein, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Botrytis am Geschein,
(c) JKI

Weiterhin treten braune, von den Blattadern ausgehende Flecken an Blättern auf, die sich bei anhaltender Feuchtigkeit mit einem grauen Belag überziehen. Eine starke Botrytis-Infektion kann Gescheine abtöten, Sauerwurmfraß (Traubenwicklerraupe) kann das Eindringen des Pilzes in die Beere beschleunigen. Reifende Trauben weisen bräunliche, von einem grauen Pilzrasen überzogene Faulstellen auf (Sauerfäule-bunch rot).

Positiv kann sich der Pilz dagegen auf die sogenannte Edelfäule auswirken. Die infektionsbedingte Wasserverdunstung durch die Beerenhaut erhöht die Zuckerkonzentration in der Beere und damit die Mostqualität.

Biologie in Kürze

Der Botrytis-Pilz überwintert als Mycel oder Sklerotien in der Rinde des einjährigen Holzes oder auf abgestorbenen Pflanzenresten auf dem Boden. Vorraussetzungen für die Sporenkeimung sind für mind. zwei Stunden tropfbares Wasser und Temperaturen von über 0 Grad. Der Pilz dringt aktiv über die unverletzte Pflanzenoberfläche ein. Bei entsprechenden Bedingungen befällt er die Rebe und ihre Organe während der ganzen Vegetationszeit. Besonders anfällig sind die Gescheine um die Blütezeit und die Trauben während der Reife. Verletzungen begünstigen eine Pilzinfektion, indem sie Eintrittspforten schaffen.

Regulierungsstrategien

Vorbeugende Maßnahmen

Es ist wichtig, durch geeignete Kulturmaßnahmen einer Botrytis-Infektion vorzubeugen. Kupfer und abhärtende Pflanzenstärkungsmittel wie "Wasserglas"- Natrium- oder Kaliumsilikat, sowie Kräuter-Kiesel haben keine direkte Wirkung gegen Botrytis, das Pflanzengewebe wird jedoch abgehärtet. Dadurch erhöht sich die Widerstandsfähigkeit der Rebe gegen das Eindringen des Pilzes.

Langfristige Kulturmaßnahmen

  • Besonders anfällige Sorten nicht in gefährdeten Lagen pflanzen
  • Wahl der richtigen Erziehungsform (hohe Stämme, ausreichende Stockabstände), keine Doppelpergel oder Bögen
  • Ziel muss sein, möglichst viel Luft und Licht in die Traubenzone gelangen zu lassen
  • Beim Bau einer Bewässerungsanlage ist der Tröpfchenbewässerung oder dem Microjetsystem der Vorzug zu geben, da hierbei Trauben und Blätter nicht benetzt werden

Jährliche Kulturmaßnahmen

Schnitt: 

  • Nicht zu viele Augen belassen (je nach Sorte 8 bis 10 Augen)

Laubarbeiten:

  • Auslauben der Traubenzone (1-2 Blätter/Trieb ca. 14 Tage nach der Blüte)
  • Sorgfältiges Ausbrechen von Kümmer- und Doppeltrieben ab Stadium 55 (Gescheine sichtbar)
  • Sorgfältige Laubarbeit, "Vorhänge" entfernen

Sonstige Kulturmaßnahmen:

  • Ausgewogene Düngung, zurückhaltende Stickstoffdüngung
  • Bewässerung nur wenn unbedingt notwendig
  • Termingerechte Traubenwickler (Sauerwurm)-Regulierung
  • Sorgfältige Oidium-Regulierung

Letzte Aktualisierung: 01.02.2011

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