Reben-Peronospora = Falscher Mehltau (Plasmopara viticola)
Schadbildbeschreibung
Es werden gelbliche Flecken auf der Blattoberseite (Ölflecken), später weißer Pilzrasen auf der Blattunterseite sichtbar.
Befallene Gescheine werden braun und sterben ab. Die Beeren sind mit weißem Pilzrasen überzogen und sterben später ab. Bei Spätbefall bis ca. Erbsengröße der Beeren schrumpfen diese zu sogenannten Lederbeeren ein, die bei trockenem Wetter abfallen bzw. bei nassem Wetter abfaulen können.
Starker Befall mit diesem Pilz kann zu hohen Ertragsverlusten führen, die Qualität des Lesegutes beeinträchtigen und die Holzreife verringern. Die Blätter werden braun, trocknen ein und sterben ab. Alle grünen Rebteile können befallen werden.
Biologie in Kürze
Der Peronosporapilz überwintert als Winterspore (Oospore) im Falllaub. Im Frühjahr reifen die überwinternden Sporen aus. Bei ausreichender Feuchte und Temperatur kommt es zur Keimung der Primärsporangien, die wiederum Zoosporen ausstoßen, die zu den Primärinfektionen führen.
Folgende Bedingungen führen zu einer Primärinfektion:
- Reife Zoosporen
- Starker Niederschlag zur Keimung der Sporangien und zum Ausstoß der Zoosporen
- Genügend lange Blattnässe (sechs bis zehn Stunden) in Verbindung mit ausreichend hoher Temperatur (mind. sechs bis acht Grad)
- Anfällige Rebteile (Blattdurchmesser von mindestens 2,5 bis 3 cm)
Nach Ablauf der Inkubationszeit (vier bis zwölf Tage) treten Ölflecken auf. Unter folgenden Bedingungen kommt es zum Krankheitsausbruch:
- Vorhandensein reifer Ölflecke
- Blattnässedauer von mindestens vier Stunden, bzw. eine relative Luftfeuchtigkeit von über 95 Prozent
- Temperaturen von mind. 10 Grad
Etwa eine Stunde nach dem Erscheinen des Pilzrasens sind dann die Zoosporen soweit ausgebildet, dass sie ausgestoßen werden und zu einer Sekundärinfektion führen können. Dafür ist, je nach Temperatur, eine Blattnässedauer von zwei bis neun Stunden erforderlich.
Regulierungsstrategien
Zur Abwehr der Peronospora stehen im ökologischen Weinbau neben den vorbeugenden Maßnahmen protektive Mittel auf Kupferbasis zur Verfügung. Durch die Förderung der allgemeinen Pflanzengesundheit werden die Reben widerstandsfähiger.
Vorbeugende Maßnahmen
- Sorgfältiges Ausbrechen von Kümmer-/ Doppeltrieben
- Sorgfältige Laubarbeit
- Sorgfältige Spritzarbeit
- Mulchen
- Für rasche Abtrocknung in der Anlage sorgen, begrünte Weitraumanlagen
- Hocherziehungen fördern die Abtrocknung und erschweren die Primärinfektionen
- Sortenwahl (Anbau pilzwiderstandsfähiger, toleranter Sorten!)
- im Vorblüte-Bereich können Pflanzenstärkungsmittel auf der Basis von Algen und Phosphaten sowie Tonerdepräparate angewendet werden
Direkte Maßnahmen/ Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Da nur protektive Mittel - die grundsätzlich vor einer bevorstehenden Infektionsausbreitung appliziert werden müssen - zur Verfügung stehen, muss die erste Spritzung vor dem Auftreten der Ölflecken erfolgen. Im Frühjahr ist es ratsam, die Wetterlage zu beobachten und den Peronospora - Warndienst in Anspruch zu nehmen. Spätestens ab Stadium BBCH 57 (Gescheine entwickelt), empfiehlt sich eine schützende Spritzung unabhängig vom Vorhandensein von Ölflecken, da ab diesem Zeitpunkt die Gefahr der Gescheinsinfektion größer ist als die Blattinfektion. Dies gilt besonders für sehr empfindliche Rebsorten. In feuchten Gebieten erfolgt die erste Behandlung nach Abschluss der Oosporenreife oder bei 30 cm Trieben.
Die größte Infektionsgefahr besteht von der Blüte bis zum Traubenschließen. Je nach Witterung und Blattzuwachs sollten die Spritzungen nach fünf bis acht Tagen wiederholt werden.
Die gesamte Laubwand muss für einen guten Schutz benetzt sein. Besonders wichtig ist eine Behandlung in die abgehende Blüte, da der Fungizidbelag mit den Blütenkäppchen abgeworfen wird.
Kupfer
Derzeit sind in Deutschland Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Kupferhydroxid, Kupferoktanoat und Kupferoxychlorid zugelassen.
- Vor allem in der gefährlichen Infektionszeit vor und nach der Blüte sowie zu den Abschlussbehandlungen (Traubenschluss und Weichwerden der Beeren.
- Bei den meisten Behandlungen ist eine Aufwandmenge von maximal 0,5 kg Kupfer pro Hektar ausreichend. In der Regel reicht auch eine deutlich niedrigere Menge Reinkupfer aus.
- Beschränkung in deutschen Anbau-Verbänden: drei Kilogramm pro Hektar und Jahr Reinkupfer.
- Beschränkung nach EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau auf sechs Kilogramm pro Hektar und Jahr.
Tonerdepräparate
- Wechsel zwischen Tonerde- und Kupferpräparaten erst, wenn nach der letzten Behandlung ca. 10 mm Niederschlag gefallen sins,
- kein Einsatz von Tonerdepräparaten bei sehr empfindlichen Sorten wie Silvaner oder Gutedel (Verbrennungen!).
Aus der Forschung - für die Praxis
Biologische Kontrolle der Rebenperonospora und Strategien zu deren Regulierung im ökologischen Weinbau
Wissenschaftler des Staatlichen Weinbauinstituts in Freiburg haben im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wissenschaftliche Grundlagen für die biologische Kontrolle des Falschen Mehltaus erarbeitet.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Strategien zur Regulierung des Echten und des Falschen Mehltaus
Auf ökologisch wirtschaftenden Weinbaubetrieben wurde unter der Leitung von Eco Consult im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau die Wirksamkeit derzeit verfügbarer Pflanzenschutz- und Stärkungsmittel zur Bekämpfung des Echten und des Falschen Mehltaus untersucht.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 27.07.2012


