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Schwarzfäule (Guignardia bidwellii)

 

Ursprünglich in den USA, Kanada und Südamerika verbreitet, wurde die Schwarzfäule der Rebe (Guignardia bidwellii) 1885 nach Europa eingeschleppt. Seitdem tritt der Pilz vorwiegend in klimatisch begünstigten Gebieten Frankreichs, Italiens und seit 1989 im Tessin (Schweiz) auf. Deutschland war bisher nur selten betroffen (1933 erstes Auftreten in Baden, 1935 im Rheingau und 1992 in einem Fall in Württemberg).

Diese Situation änderte sich im Jahr 2003. Recht plötzlich wurden erstmals großräumig Ertragsanlagen in den Weinbaugebieten der Mosel, der Nahe sowie am Mittelrhein schwach bis mittelstark befallen. Im Jahr davor betraf der Befall vorwiegend aufgelassene Weinberge (Drieschen) im Moseltal und der Nahe und nur selten Ertragsanlagen an der Untermosel und der Nahe.

Durch den Pilz können sich die Erträge Literaturangaben zufolge um fünf bis 80 Prozent verringern.

Schadbildbeschreibung

Als Symptome treten bei der Schwarzfäule am Blatt unregelmäßig geformte Flecken auf, die von einem dunklen Rand umgeben sind. Mit einer Lupe kann man innerhalb der Flecken die schwarzen Pyknidien als Fruchtkörper erkennen.

Biologie in Kürze

An noch nicht ausgewachsenen Blättern kommt es im Frühjahr zu einer Erstinfektion. Bei 25 Grad und sechs Stunden Blattnässedauer herrschen optimale Keimbedingungen. Unter 7 und über 32 Grad findet keine Infektion statt. Die Sporen können durch Wind über weite Strecken verbreitet werden, wodurch es auch in befallsfreien Anlagen zu Infektionen kommen kann. Nach der Infektion wächst der Pilz im Pflanzeninnern weiter und ruft somit Nekrosen an den betroffenen Organen hervor. Zwischen der Infektion und den ersten sichtbaren Symptomen liegen etwa 14 Tage in Abhängigkeit von der Temperatur. Zu Sekundärinfektionen kann es dann während der gesamten Vegetationsdauer an jungen Blättern kommen, indem Konidien mit dem Regenwasser verbreitet werden. Beeren können vom Fruchtansatz bis zum Erreichen der vollen Größe infiziert werden. Der Pilz überwintert in den befallenen Trieben, in Fruchtmumien am Rebstock oder am Boden, von denen er im Frühjahr ab neun Grad und bei ausreichend Regen die Pflanzen neu infiziert.

Es werden zwei Furchtformen unterschieden, die Nebenfruchtform bildet Phyllosticta ampelicida und die Hauptfruchtform Guignardia bidwellii.

Mumifizierte Traube und Blätter mit kleinen, hellbraunen Flecken.
Im Endstadium des Befalls mumifizieren die Beeren bzw. ganze Trauben,
(c) Hofmann

Die Flecken sind oft nur stecknadelkopfgroß, können aber auch einen Durchmesser von bis zu zwei Zentimetern erreichen.

Auch Triebe und Blattstiele zeigen diese schwarz gefärbten Flecken. An den Trauben werden im Anfangsstadium gräuliche Verfärbungen festgestellt, die sich zu rotbraunen, violetten Flecken mit einer Eindellung oder Abplattung entwickeln. Die rotbraun-violetten Flecken der Schwarzfäule sind leicht mit der Sauerfäule oder dem Sonnenbrand zu verwechseln.

Bei frühem Befall in die Blüte zeigt sich ein Eintrocknen der Gescheine vergleichbar einem starken Peronosporabefall. Auch auf den befallenen Beeren zeigen sich die schwarzen Pyknidien.

Regulierungsstrategien

Wichtig für eine Regulierung des Pilzes sind Hygienemaßnahmen. Das Entfernen erkrankter Blätter kann einer Infektion der Beeren vorbeugen. Um eine Ausbreitung des Befalls im Folgejahr zu verhindern, müssen alle befallenen Rebteile aus der Anlage entfernt werden.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Sortenwahl: weniger anfällige Sorten sind Cabernet Carol, Merzling und Solaris.

Bislang ist in Deutschland kein Pflanzenschutzmittel gegen die Schwarzfäule zugelassen (Stand: Juli 2010). Es gibt Hinweise, dass mehrere der im konventionellen Weinbau eingesetzten Fungizide eine Nebenwirkung auf diesen Pilz haben. Für den ökologischen Anbau stellt sich mit dieser Krankheit eine neue Situation dar, da bisher noch keine Ergebnisse in der Bekämpfung durch Pflanzenstärkungsmittel vorliegen.

Aus diesem Grunde wurde die Versuchsanlage Trier im Peronosporaversuch des Bundesverbandes Ökologischer Weinbau (BÖW) am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel intensiv auf Schwarzfäule-Befall bonitiert.

Grafik zum Schwarzfäulebefall
Schwarzfäulebefall in der Versuchsanlage Trier 2003.
(c) Quelle: BÖW Ringversuch 2003 - (DLR) Mosel, Abt. Weinbau
 

Bei der Bonitur zeigte sich, dass die Pflanzenstärkungsmittel Myco-Sin VIN sowie Frutogard und Phyto-Algin Super (Algenextrakte mit hohem Phosphitgehalt) eine ausreichende bis gute Wirkung gegen den Pilz aufwiesen. Die Befallshäufigkeit lag bei 30 bis 40 Prozent im Vergleich zu OekoFluid mit über 80 Prozent sowie Cueva (Kupferoctanoat) mit knapp 70 Prozent Befall.

Worauf die Wirkung der Tonerde sowie der Algenextrakte beruht, ist dabei noch unklar. Für die Praxis ergibt sich allerdings ein wichtiger Hinweis für die Gesamtstrategie im Pflanzenschutz: Die Kupferpräparate hatten eine nicht so gute Wirkung, was auch mit Literaturangaben und Praxiserfahrungen aus Frankreich übereinstimmt.

Hinweis: Die in der Studie auf ihre Wirksamkeit gegen Schwarzfäule untersuchten Präparate sind nicht alle für ökologischen Landbau verfügbar bzw. dort einsetzbar. Beim Einsatz von Mitteln, die in der Studie getestet wurden, muss vorher abgeklärt werden, ob diese im praktischen Ökoanbau verwendet werden dürfen.

Aus der Forschung - für die Praxis

Strategien zur Regulierung der Schwarzfäule im Weinbau

Die Schwarzfäule tritt in einigen deutschen Weinbaugebieten flächendeckend auf und kann gravierende Ertragsausfälle verursachen. Um die Produktionssicherheit im ökologischen Weinbau zu gewährleisten, wurden in einem Forschungsvorhaben Strategien zur Regulierung des Schadpilzes unter den spezifischen Bedingungen des ökologischen Anbaus entwickelt.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtStrategien zur Regulation der Schwarzfäule (Guignardia bidwellii) im ökologischen Weinbau

Letzte Aktualisierung: 26.07.2010

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