Traubenwickler, einbindiger (Eupoecilia ambiguella) und bekreuzter (Lobesia botrana)
Schadbildbeschreibung
Erste Generation (Heuwurm): im Juni treten Fraßstellen und zarte Gespinstfäden an den Gescheinen auf. Oft sind mehrere Blütenansätze oder Beeren miteinander versponnen.
Zweite Generation (Sauerwurm): ab Juli sind Bohrlöcher und ausgefressene Beeren zu finden, oft sind ganze Beerengruppen zerstört. Nachfolgend werden die Trauben oft vom Botrytis-Pilz befallen. Dies ist der eigentliche Hauptschaden.
Biologie in Kürze
Die Traubenwickler überwintern als Puppen unter der Rinde. Sobald die Gescheine der Rebe voll entwickelt sind, fliegen die Falter der ersten Generation und legen die Eier hauptsächlich auf die Gescheine ab. In der Vorblütezeit schlüpfen dann die Larven, die einzelne Blütenknospen zusammenspinnen und anfressen.
Ab Anfang Juli tritt die zweite Generation des Traubenwicklers auf, der die Eier auf die Beeren ablegt. Die Larven schlüpfen nach vier bis acht Tagen und bohren sich in die Beeren ein. Kurz vor der Ernte verpuppen sich die Larven.
Regulierungsstrategien
Vorbeugende Maßnahmen
Man sollte Nützlinge, wie Florfliegen, Spinnen, Ohrwürmer und Schlupfwespen, durch ein gezieltes Begrünungsmanagement fördern, da sie wichtige Gegenspieler darstellen.
Einsatz der Verwirrungstechnik
Die Pheromonampullen müssen vor Beginn des Falterfluges ausgebracht werden. Sie wirken über die gesamte Vegetationsperiode hinweg. Die aus den Ampullen verströmte Pheromonwolke verhindert, dass sich Männchen und Weibchen finden. Damit kommt es nicht zur Begattung und zur Entwicklung der Heu- und Sauerwürmer. So einfach und plausibel die Wirkung auch klingt, das Verfahren setzt einige sehr wesentliche Bedingungen voraus, die im Einzelfall mit der Fachberatung abzuklären sind.
- Ausreichend große Verwirrungsfläche (mindestens fünf Hektar)
- Geringer Ausgangsbefall
- Anbauzonen mit geringer thermischer Bewegung
Sind diese Voraussetzungen nicht alle gegeben, bedarf es einer sorgfältigen Beobachtung der Befallsentwicklung (Heuwurmbefall), um gegebenenfalls rechtzeitig mit Pflanzenschutzmitteln (Bacillus thuringiensis-Präparaten) regulierend eingreifen zu können.
Der Schaden, den die erste Generation des Traubenwicklers (Heuwurm) verursacht, ist meist gering. Man sollte die erste Generation genau kontrollieren und nur bei sehr starkem Befall regulieren. Wegen der Förderung der Essigfäule und der Botrytis-Infektion, besonders bei kompakten Traubensorten, ist die zweite Generation (Sauerwurm) schädlicher.
Pheromonfallen
Der Zweck der Pheromonfallen besteht darin, dass sie die Aktivitäten in einer Traubenwicklerpopulation darstellen. Die Pheromonfallen müssen den Beginn, die Höhepunkte und das Ende der Flugaktivität verlässlich registrieren. Die absoluten Höhen der Fangzahlen sind zwar keine Abbildung der tatsächlichen Falterdichte und des zu erwartenden Raupenbesatzes, sie geben jedoch wichtige Hinweise auf das mögliche Gefährdungspotenzial. Letztendlich sind die Bonituren der Gescheine und der Trauben auf die Eiablage und das Schwarzkopfstadium für den Einsatz von Bacillus thuringiensis-Präparaten und gegebenenfalls auch anderer Präparate wichtig.
Direkte Maßnahmen/ Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Schadensschwelle: Heuwurm: mehr als 30 Prozent befallene Gescheine kurz vor der Blüte
Pheromonampullen
500 Ampullen pro Hektar werden kurz vor Beginn des Fluges der Falter der ersten Generation an Drähte oder Rebteile angehangen.
Bacillus thurinigiensis-Präparate müssen vor dem Schlupf der Larven ausgebracht werden, daher ist die Angabe einer Schadensschwelle nicht möglich. Beim Einsatz von Bacillus thuringiensis-Präparaten sind einige Punkte genau zu beachten:
- Die besten Regulierungserfolge werden bei der Ausbringung zum Schwarzkopfstadium, also vor dem Hauptschlupf der Larven erreicht. Die Wirkungsdauer beträgt, je nach Witterung, maximal acht Tage daher ist eine zweite Behandlung bei stärkerem Falterflug und in gefährdeten Lagen empfehlenswert.
- Bacillus thuringiensis-Präparate sind "Fraßgifte", deshalb muss optimal appliziert und jede Gasse befahren werden. Es empfiehlt sich die Mittel gezielt in die Traubenzone zu applizieren. Zur Wirkungsverbesserung kann 1 Prozent Zucker der Spritzbrühe zugesetzt werden. Eine Kombination mit Schwefel, Fenchelöl, Tonerdepräparate sowie geringe Kupfermengen ist möglich.
Darüber hinaus sind in Deutschland Pflanzenschutzmittel auf der Basis von
Spinosad zugelassen.
Letzte Aktualisierung: 27.09.2010

