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Wein aus ökologischem Anbau

Intensive Arbeit verspricht höchsten Genuss

Betriebsleiterpaar vor Weinreben. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Petra und Gerhard Schwarztrauber
Foto: B. Rüttger

Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau legen fest, wie Bioweintrauben erzeugt werden müssen. Gemäß diesen Vorgaben ist - ebenso wie im Acker- und Gemüseanbau - zum Beispiel die Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel und leicht löslicher mineralischer Düngemittel verboten. Doch der Verzicht auf Chemie allein macht noch keine Biotraube aus.

Wie setzen Ökowinzer diese Vorgaben im Anbau von Weintrauben um? Was tun Ökowinzer für ihre Trauben, um daraus hochwertige Weine zu erzeugen? Diesen Fragen ist Oekolandbau.de nachgegangen und hat sich bei Petra und Gerhard Schwarztrauber auf ihrem Bioland-Weingut in Mußbach bei Neustadt an der Weinstraße im Weinanbaugebiet Pfalz umgeschaut. Dieses Interview wurde im September 2010 geführt.

Oekolandbau.de: Wie war das Traubenjahr 2010?

Petra und Gerhard Schwarztrauber: Dieses Jahr hat uns Winzer stark gefordert. Das Wetter hat einige Kapriolen geschlagen: Es war im Frühjahr noch lange kalt, fast übergangslos folgte eine äußerst heiße Trockenperiode, und bis Ende August waren die Trauben häufigen und starken Niederschlägen ausgesetzt.

Hier kommt uns zugute, dass wir schon seit 1986 Erfahrung im Bioweinbau haben. Wir beobachten unsere Reben sehr genau und können schnell reagieren. Zum Beispiel, indem wir den Boden jeder zweiten Rebgasse lockern, um Wasser zu sparen oder nach dem Motto "lass wachsen" alle Kräuter und Gräser sprießen lassen, um möglichst viel Wasser aus dem Boden zu ziehen.

Kurz vor der Lese sind wir natürlich oft im Wingert, um die Reife und die Qualität der Trauben zu beurteilen. Für die Weinlese 2010 sind die Aussichten insbesondere für die spät reifenden Sorten wie Spätburgunder und Weißburgunder sehr vielversprechend.

Widersacher im Weinberg - wie halten Ökowinzer sie im Zaum?

Petra und Gerhard Schwarztrauber: Der Traubenwickler, ein Schmetterlingsfalter, verursacht Fraßschäden an den jungen Beeren. Mit einer flächendeckenden Verbreitung von Pheromonfallen bekommen wir diesen Schädling gut in den Griff. Die Pheromone, die Duftstoffe weiblicher Tiere, verwirren die Männchen, so dass sie die Weibchen nicht finden und eine Fortpflanzung verhindert wird. Diese Maßnahme der Schädlingsabwehr ist sowohl bei Ökowinzern als auch bei konventionell arbeitenden Kollegen üblich.

Bei dem Echten und dem Falschen Rebenmehltau handelt es sich um Pilzkrankheiten, die aus Amerika eingeschleppt wurden. Dagegen haben die deutschen Reben keinen Schutzmechanismus. Bei einer Hochdruck-Wetterlage mit kühlen Nächten und heißen Tagen können sich die Pilze gut verbreiten. Befallene Früchte werden zunächst schimmelig, dann trocknen sie aus und werden ungenießbar. Für uns Winzer bedeutet jeder befallene Rebstock einen wirtschaftlichen Verlust.

Erntehelfer schneiden Trauben per Hand. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bei der Weinlese per Hand kommen nur "die guten ins Töpfchen".
Foto: B. Rüttger

Damit es gar nicht erst zum Befall kommt, stärken wir die Reben prophylaktisch. Von Mitte Mai bis Anfang August spritzen wir im Abstand von etwa zehn Tagen Extrakte auf natürlicher Basis, zum Beispiel ein Fenchelextrakt aus gemahlenen Fenchelschalen und ein Algenextrakt. Bewährt hat sich auch Backpulver, welches wir in Wasser aufgelöst ausbringen. So verschieben wir den pH-Wert, damit sich der Mehltau nicht ansiedeln kann.

Als Akutmittel gegen den Falschen Mehltau dürfen im ökologischen Weinanbau Kupferpräparate in niedriger Dosierung angewendet werden. Durch Kenntnis der Biologie des Pilzes und durch Alternativpräparate gelingt es, den Einsatz immer weiter zu reduzieren. Die eleganteste Methode ist die Pflanzung von robusten Sorten wie Cabernet blanc oder Regent. Hier ist die Forschung gefragt, uns noch mehr Sorten an die Hand zu geben, die robust sind und trotzdem geschmacklich begeistern.

Übrigens: Rosen werden oft an den Anfang der Rebzeilen gepflanzt, denn sie sind ein guter Indikator für den Befall mit Mehltau. Sind sie davon betroffen, ist das für uns Winzer ein Signal, dass wir die Rebstöcke mit unseren prophylaktischen Maßnahmen noch intensiver schützen sollten.

Handarbeit - wozu lohnt der Mehraufwand?

Petra und Gerhard Schwarztrauber: Da wir im Einklang mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie, spricht für uns Ökowinzer natürlich viel für Handarbeit im Weinberg. Während des Traubenwachstums ist die Laubarbeit sehr wichtig. Wir entfernen dann gezielt Blätter. Damit erreichen wir eine gute Durchlüftung der Rebzeilen und können die Trauben gesund erhalten. Außerdem bekommen die Trauben durch diese Maßnahme automatisch auch mehr Licht und Sonne ab.

Die Ernte der Trauben für hochwertige Weine erfolgt von Hand. Nur so kann man den Zustand der Beeren beurteilen und sehr schön selektieren. Nur reife und unversehrte Trauben werden geschnitten, unreife Trauben bleiben noch hängen, bis sie ihre Reife erreicht haben.

Mineraldünger sind tabu - Wie halten Ökowinzer die Böden fruchtbar?

Petra und Gerhard Schwarztrauber: Durch die Begrünung zwischen den Rebzeilen mit unterschiedlichen Kulturen schaffen wir einen gesunden und stabilen Boden. Wir säen Roggen zur Bodenlockerung sowie Leguminosen (Hülsenfrüchte) und Phacelia (Bienenweide) als Gründüngung. Zu den Leguminosen zählen beispielsweise Klee und Wicken. Sie können Stickstoff aus der Luft binden und stellen ihn den Pflanzen für ihr Wachstum zur Verfügung.

Rebgasse mit blühender Phacelia. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Wenn die Phacelia blüht - sie heißt im Volksmund Bienenfreund - liegt ein herrliches Summen in der Luft.
Foto: B. Rüttger

Wir bepflanzen im Sommer nur jede zweite Rebgasse, damit den Reben nicht zu viel Wasser entzogen wird. Alle ein bis zwei Jahre wechseln wir die Zeile, um alle Rebgassen mit Nährstoffen zu versorgen.

Zusätzlich düngen wir bei Bedarf alle vier Jahre mit Kompost aus Grünhäcksel, zum Beispiel aus Parkanlagen. An die Qualität des Komposts stellt unser Anbauverband Bioland hohe Anforderungen, was die Schadstofffreiheit betrifft. Denn schließlich ist es ein Anliegen des ökologischen Landbaus, die Böden und das Grundwasser zu schonen und für nachfolgende Generationen gesund zu erhalten. Es wäre also kontraproduktiv, wenn Ökowinzer handelsüblichen Biokompost ausbringen würden.

Es blüht, krabbelt und flattert im Ökoweinberg - was bringt's den Biotrauben?

Die blühenden Kulturen der Gründüngung locken zahlreiche Insekten an, da ihre  Pollen ihnen als Nahrung dienen. Wir Winzer brauchen die Bienen zwar nicht zur Bestäubung unserer Traubenblüten, doch erfreuen wir uns an der Artenvielfalt, die sich in unserem Umfeld ansiedelt. Raubmilben und Raubwanzen erweisen uns als Nützlinge gute Dienste, denn sie vertilgen Schädlinge, zum Beispiel die Obstbaumspinnmilbe. 

Stichwort Klimawandel - welche Auswirkungen bekommen die Winzer schon jetzt zu spüren?

Die Weinrebe stammt aus südlichen Gefilden. Sie bevorzugt Wärme und mildes Klima und verfügt über eine gute Anpassungsfähigkeit. Trotzdem stellt uns der Klimawandel vor neue Herausforderungen. Er hat uns unter anderem neue Schädlinge beschert, gegen die wir in unseren Breiten noch keine langfristig wirksamen Gegenmittel haben. Zikaden und Ohrenschlüpfer (Ohrenkneifer) sind zwei solcher Einwanderer: Zikaden können Viren auf die Trauben übertragen, Ohrenschlüpfer richten Fraßschäden an.

Auch mit der Auswahl der Rebsorten müssen wir uns in Zukunft umorientieren. Traditionelle Rebsorten bei uns in der Pfalz sind zum Beispiel Riesling, Silvaner, Spätburgunder und Portugieser. Für den Riesling wird es aufgrund des Klimawandels zunehmend schwieriger. Der "Cool Climate"-Rebsorte, die für ein gesundes Wachstum und gute Erträge ein ausgeglichenes Klima und ausreichend Feuchtigkeit benötigt, wird es hier schlichtweg zu heiß. Sorten, deren Anbau bisher auf den mediterranen Raum beschränkt war, fassen immer mehr auch auf deutschem Boden Fuß. Und so bauen bereits einige Winzer in der Pfalz wärmeliebende Sorten wie Sauvignon blanc, Merlot und Cabernet Sauvignon in guten Qualitäten an.

Ökoweinbau zieht Kreise

Blick über Weinreben. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
In Rheinland-Pfalz werden fünf Prozent der Rebfläche ökologisch bewirtschaftet.
Foto: B. Rüttger

Als Gerhard Schwarztrauber im Jahr 1986 den elterlichen Betrieb auf Weinbau nach Bioland-Richtlinien umstellte, war er in Neustadt an der Weinstraße das erste Bioland-Weingut. Mittlerweile wirtschaften allein im Weinanbaugebiet Pfalz rund 50 Weingüter nach ökologischen Richtlinien. Diese Zahl umfasst Betriebe, die entweder allein nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau arbeiten oder Mitglied in einem der Ökoanbauverbände (zum Beispiel Bioland, Demeter, Gäa, Naturland) sind und deren zusätzliche Vorgaben berücksichtigen.

Weltweit beträgt der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Rebfläche an der gesamten Rebfläche nur zwei Prozent. Innerhalb von zehn Jahren hat sie sich allerdings etwa verdreifacht. In Deutschland wurden im Jahr 2008 gut vier Prozent der gesamten Rebfläche ökologisch bewirtschaftet, das entspricht 4.400 Hektar. Im Vergleich: Italien hat weltweit die größte Biorebfläche mit circa 40.500 Hektar im Jahr 2008, gefolgt von Spanien mit rund 31.000 Hektar und Frankreich etwa 28.200 Hektar.

Immer mehr Spitzenwinzer entscheiden sich für den Bioanbau, um die Qualität ihrer Weine weiter zu steigern und ihren Wein zu einem einzigartigen Produkt zu machen. Die Lage, in der der Wein gewachsen ist und die Verhältnisse, die die Natur vorgibt (zum Beispiel Bodenart, Klima, Anbauform) möchten sie damit geschmacklich noch deutlicher zum Ausdruck bringen. "Weg vom Mainstream, hin zum Individuellen", ist die Motivation, die sie antreibt.

Dass ihre Bemühungen in der Fachwelt und bei Weinkennern ankommen, zeigen zahlreiche Auszeichnungen. Aus internationalen und nationalen Verkostungen gehen immer mehr prämierte Weine aus ökologisch angebauten Trauben hervor. Auch Petra und Gerhard Schwarztrauber freuen sich über die Anerkennung ihrer Arbeit. Beim Wettbewerb Mundus Vini BioFach erhielten die von ihnen eingereichten Weine eine Gold- und eine Silbermedaille; beim Internationalen Wettbewerb Best of Riesling wurde dem 2009er Riesling Mußbacher Eselshaut Kabinett eine Silbermedaille verliehen. Ihre Weine werden unter anderem in den aktuellen Weinführern "Weingourmet" und "Eichelmann" empfohlen.

Letzte Aktualisierung: 15.09.2010

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