Kompost und Düngung

- Neben Bodenbearbeitung und Begrünungspflege kommt dem Dünge- und Kompostmanagement eine wichtige Rolle in der Qualitäts- und Ertragssicherung im ökologischen Weinbau zu.
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Düngemittel
Aufgrund der Spezialisierung der Betriebe ist es notwendig, organische Düngemittel von außen in den Betriebskreislauf einzuführen. Allein durch die Gründüngung und das Begrünungsmanagement ist eine ausreichende Nährstoffversorgung der Rebe nicht immer gewährleistet. Der Einsatz betriebsfremder Düngemittel ist auf ein Äquivalent von 1,4 Dungeinheiten/ ha und Jahr oder 110 kg Stickstoff begrenzt.
Wichtige Düngemittel sind die Wirtschaftdünger, wobei in erster Linie Pferdemist aus Reitställen sowie getrockneter Hühnermist aus extensiver Bodenhaltung für den Weinbau in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht. In der Mehrzahl der Betriebe wird der Pferdemist als "tierische" Komponente in der eigenen Kompostbereitung eingesetzt.
Für die Herstellung von Kompost können verschiedenste organischen Abfälle verwendet werden. Die Zusammensetzung der Ausgangsmaterialien und die Aufbereitung bestimmen die Qualität des späteren Produkts. Generell kann man unterscheiden zwischen betriebseigenem und zugekauftem (Siedlungs-) Kompost. Bei den betriebseigenen Komposten handelt es sich zum einen um Wirtschaftsdünger in Form von Stallmistkomposten, zum anderen um Erdkomposte und kompostierte Ernterückstände. Als wichtigster Ernterückstand und Bestandteil eines Kompostes ist der Trester zu nennen. Er fällt bei einem Ertragsniveau von 10 t/ ha in Mengen von bis zu 2,5 t an. Hinzu kommen noch aus der Weinbereitung die Kellereiabfälle wie Hefe-Kieselgurtrub mit etwa 100 kg/ ha.
Die Ernterückstände werden über eine Flächenkompostierung oder eine Haufenkompostierung aufbereitet. Bei der Flächenkompostierung wird der Trester in einem leichten Schleier im und nach dem Herbst in den Weinberg ausgebracht. Durch den hohen Anteil an vergärbarem Zucker erfolgt eine rasche Umsetzung. Beim Haufenkompost wird zusätzlich Stroh und Gesteinsmehl eingearbeitet und die anfallende Hefe in gepresster oder flüssiger (pumpfähiger) Form auf den Kompost ausgebracht. Nach einer Rottezeit von drei bis sechs Monaten entsteht dadurch ein reifer Kompost mit hohem Anteil an Dauerhumus.
Der hohe Anteil an Stickstoff in den Kellereiabfällen macht diese zu einem guten Dünger. Sie sollten deshalb von jedem Betrieb aufbereitet und eingesetzt werden. Neben den betriebseigenen Komposten kommt dem Einsatz von biogenen Abfallstoffen (Sekundärrohstoffen) im ökologischen Weinbau eine wichtige Rolle zu.
Für den Einsatz im ökologischen Weinbau kommen ausschließlich qualitätsgesicherte Komposte in Frage, die den hohen Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau entsprechen. Ebenso sind die gesetzlichen Grundlagen der Düngeverordnung beim Ausbringen von Grünschnitt- oder Hausmüllkomposten zu beachten. Bei einer praxisgerechten Ausbringung von 40 t/ ha im dreijährigen Turnus ist mit einer Stickstofffracht von durchschnittlich 50 kg N/ Jahr zu rechnen. Bei reinen Grünschnittkomposten ist sogar mit einer Stickstofffestlegung im ersten Jahr zu rechnen, was eine zusätzliche Düngung über organische Handelsdünger notwendig macht.
Nährstoffverfügbarkeit der Wirtschaftsdünger
Aus der Umrechnung der prozentualen Anteile an Nährstoffen in kg pro 10 t ergeben sich die in der nachfolgenden Tabelle dargestellten Werte. Dabei werden unterschiedliche Umsatzraten zugrunde gelegt. Man geht davon aus, dass der Pflanze im Ausbringungsjahr durch den mikrobiellen Umbau ca. 40 Prozent der Nährstoffe aus den Wirtschaftsdüngern zur Verfügung stehen. Bei Hühnermist wird eine höhere Verfügbarkeit angenommen, weswegen dieser auch in geringerer Menge ausgebracht wird.
| Menge | TS (%) | N | P2O5 | K2O | Ca O | MgO |
Rindermist | 10 t | 25 | 30 | 14 | 75 | 60 | 20 |
Pferdemist | 10 t | 25 | 32 | 15 | 60 | 30 | 18 |
Schafsmist | 10 t | 25 | 53 | 14 | 80 | 35 | 20 |
Hühnermist | 1 t | 80 | 60 | 39 | 33 | 30 | 8 |
Bio-Kompost | 40 t | 50 | 160 | 160 | 320 |
| 240 |
| Menge | N | P2O5 | K2O | Ca O |
Trester | 5 t | 22 | 18 | 67 | 37 |
Kieselgur | 1 t | 27 | 8,6 | 9,3 | 2,9 |
Hefe | 100 kg | 2,5 | 0,8 | 0,4 | 0,5 |
Strohabdeckung und Rindenmulch
Mit Stroh und Rindenmulch stehen dem Weinbau gute Humuslieferanten zur Verfügung. Stroh lässt sich leicht transportieren und kann im Direktzug unter geringem Arbeitsaufwand ausgebracht werden. Für den Steilhang stehen spezielle Fördergebläse zum Ausbringen von Rundballen zur Verfügung. Stroh enthält sehr viel Kohlenstoff, aber nur wenig Stickstoff. Das C:N-Verhältnis liegt bei 90:10. Die Nährstoffgehalte variieren zwischen den einzelnen Stroharten, beim Kalium sogar recht stark.
Die nachfolgende Tabelle gibt einen Aufschluss über die Gehalte an N, P2O5, K2O, MgO, CaO und organischer Substanz in den verschiedenen Stroharten. Es zeigt sich eine deutliche Rangordnung. Die Gehalte an Nährstoffen steigen von Weizen zum Hafer an (Weizen < Roggen < Gerste < Hafer).
Strohart | N | P2O5 | K2O | MgO | Ca O |
Weizen | 18 | 8 | 59 | 5 | 13 |
Roggen | 18 | 10 | 60 | 10 | 15 |
Gerste | 20 | 10 | 90 | 8 | 20 |
Hafer | 20 | 18 | 125 | 12 | 22 |
Für die Düngungsbilanzierung sind die Kaliumgehalte des Strohs mit einzubeziehen. Sie sind voll pflanzenverfügbar. Die restlichen Nährstoffe unterliegen dem mikrobiellen Umbau.
Strohabdeckung und Rindenmulch führen neben der Zufuhr organischer Masse noch zu einem Erosionsschutz im Weinberg und bieten sich gerade in Hang- und Steillagen als Mulchdecke an. Bei gleichzeitiger Einsaat von Gründüngung oder Begrünung wird die Mulchdecke durchwachsen. Der Abbau der Cellulose und Hemicellulose verläuft allmählich. Durch das günstige Milieu unter der Abdeckung wird der Boden verstärkt von Regenwürmern besiedelt. Bodenatmung und Wasserdurchlässigkeit werden dadurch erhöht. Auf trockenen Standorten kann durch eine Stroh- oder Mulchabdeckung der Boden vor zu starkem Austrocknen geschützt werden. Bei alternierender Kombination mit einer Begrünungseinsaat kann somit der Bodenwasserhaushalt erheblich geschont werden.
Organische Handelsdünger
Neben den Humuslieferanten (Mist, Kompost, Strohmulch) gibt es eine große Palette an stickstoffhaltigen organischen Düngern, die für den Spezial- und Sonderkulturbetrieb auch wirtschaftlich von Bedeutung sind. Bei der Anwendung sollte stets der hohe Anteil an leichtverwertbarem Stickstoff beachtet werden. Nach dem Düngemittelgesetz werden die organischen Handelsdünger in drei Kategorien eingeteilt:
- organische N-Dünger
- organische NP-Dünger
- organische NPK-Dünger
Diese Dünger weisen Mindestgehalte an den in der nachfolgenden Tabelle genannten Nährstoffen auf.
| Nährstoff-Menge | Zeitpunkt der Ausbringung | Wirkung | |||
| N | P2O5 | K2O | t/ ha |
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N-Dünger |
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Rizinusschrot | 40 - 60 | 15 - 20 | 10 - 15 | 1,0 - 1,5 | Frühjahr | schnell |
MaltaFlor | 50 | 30 | 50 | 1,0 | Frühjahr | schnell |
Hornmehl- Späne | 55 | 25 |
| 0,5 | Frühjahr | schnell |
NP-Dünger |
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Knochenmehl | 15 | 60 |
| 0,5 | Herbst | mittel |
Horn-Knochenmehl | 25 | 50 | 5 | 0,5 | Herbst | mittel |
NPK-Dünger |
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Guano | 60 | 100 | 20 | 1,0 | Frühjahr | schnell |
pelletierter Geflügeldung | 30 | 40 | 30 | 0,8 _ 1,0 | Frühjahr | schnell |
Beim Einsatz organischer Handelsdünger wie auch der mineralischen Dünger ist der Bedarf über eine Bodenanalyse nachzuweisen und eine vorherige Genehmigung durch die zuständige Kontrollstelle einzuholen.
Mineralische Ausgleichsdüngung und Bodenstabilisierung
Reichen die aus der organischen Düngung zugeführten Nährstoffe (insbesondere die Spurenelemente) nicht aus, um eine harmonische Ernährung der Pflanze sicherzustellen, so kann dieser Mangel mit schwerlöslichen Mineralstoffen ausgeglichen werden. Die natürlichen Mineralstoffe enthalten die Nährelemente in meist sehr geringer Konzentration und in wasserunlöslicher Form. Erst der mikrobielle Aufschluss macht die darin enthaltenen Nährstoffe pflanzenverfügbar. In der folgenden Tabelle sind die gebräuchlichen Mineraldünger für den ökologischen Weinbau mit ihren Gehalten an den wertbestimmenden Mineralstoffen aufgeführt.
| Gehalte in Prozent | Anmerkungen | |
Kalk |
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Kalkstein | 50 CaO | 15 - 40 MgCO3 | sek. Ca-Mineral |
Kreide/ Gips | 50 - 55 CaO | 7 - 9 P2O5 Spurenelemente | P angereichert, saure Böden mit Mg-Mangel |
Dolomit | 30 CaO | 16 - 20 MgO | Mg-Mangel |
Algenkalk | 40 - 50 CaO | 2,5 MgO | Spurenelement-Versorgung |
Hüttenkalk | 47 CaO | 10 MgO | Kieselkalk |
Phosphor |
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Hyperphos | 23 P2O5 | 33 CaO | saure bis schwach saure Böden |
Thomasphosphat | 15 P2O5 | 45 CaO | Schlacke mit Silikat-Anteil |
Kalium |
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Kaliumsulfat | 50 K2O |
| K-Mangel |
Patentkali | 28 K2O | 5 MgO | K-Mg-Mangel |
Kalimagnesia | 30 K2O | 10 MgO | K-Mg-Mangel |
Magnesium |
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Kieserit, Bittersalz | 27 MgO |
| Mg-Mangel, Stiellähme |
Magnesit, Dolomit | 15 - 20 MgO |
| Mg-Mangel |
Spurennährstoffe | |||
Bor (Borax, Folicin) | 11 - 21 B |
| B-Mangel |
Eisen (Fe-Sulfat, Sequestren) | 6 - 20 Fe |
| Fe-Mangel, Chlorose |
Mangan (Folicin, Mn-Sulfat) | 60 - 30 Mn |
| Mn-Mangel |
Je feiner die Naturprodukte vermahlen sind, desto größer ist die Oberfläche für die biologisch-chemisch- physikalische Verwitterung. Die allmähliche Freisetzung der Nährstoffe entspricht damit den Anforderungen an einen kontinuierlichen Nährstoffeintrag.
Grundsätzlich ist bei der Düngebemessung die ausgebrachte Nährstoffmenge in kg/ ha und Jahr zu kalkulieren. Nach den Richtlinien zum ökologischen Weinbau soll die ausgebrachte Stickstoffmenge 150 kg N/ ha im dreijährigen Turnus nicht überschreiten, wobei im Jahr der Düngung maximal 70 kg/ ha pflanzenverfügbarer Stickstoff als Berechnungsgrundlage anzusetzen sind.
Letzte Aktualisierung: 05.12.2011
