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Kompost und Düngung

 
Kompostmieten
Neben Bodenbearbeitung und Begrünungspflege kommt dem Dünge- und Kompostmanagement eine wichtige Rolle in der Qualitäts- und Ertragssicherung im ökologischen Weinbau zu.
(c) Eco-Consult, Foto:Hoffmann

Düngemittel

Aufgrund der Spezialisierung der Betriebe ist es notwendig, organische Düngemittel von außen in den Betriebskreislauf einzuführen. Allein durch die Gründüngung und das Begrünungsmanagement ist eine ausreichende Nährstoffversorgung der Rebe nicht immer gewährleistet. Der Einsatz betriebsfremder Düngemittel ist auf ein Äquivalent von 1,4 Dungeinheiten/ ha und Jahr oder 110 kg Stickstoff begrenzt.

Wichtige Düngemittel sind die Wirtschaftdünger, wobei in erster Linie Pferdemist aus Reitställen sowie getrockneter Hühnermist aus extensiver Bodenhaltung für den Weinbau in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht. In der Mehrzahl der Betriebe wird der Pferdemist als "tierische" Komponente in der eigenen Kompostbereitung eingesetzt.

Für die Herstellung von Kompost können verschiedenste organischen Abfälle verwendet werden. Die Zusammensetzung der Ausgangsmaterialien und die Aufbereitung bestimmen die Qualität des späteren Produkts. Generell kann man unterscheiden zwischen betriebseigenem und zugekauftem (Siedlungs-) Kompost. Bei den betriebseigenen Komposten handelt es sich zum einen um Wirtschaftsdünger in Form von Stallmistkomposten, zum anderen um Erdkomposte und kompostierte Ernterückstände. Als wichtigster Ernterückstand und Bestandteil eines Kompostes ist der Trester zu nennen. Er fällt bei einem Ertragsniveau von 10 t/ ha in Mengen von bis zu 2,5 t an. Hinzu kommen noch aus der Weinbereitung die Kellereiabfälle wie Hefe-Kieselgurtrub mit etwa 100 kg/ ha.

Die Ernterückstände werden über eine Flächenkompostierung oder eine Haufenkompostierung aufbereitet. Bei der Flächenkompostierung wird der Trester in einem leichten Schleier im und nach dem Herbst in den Weinberg ausgebracht. Durch den hohen Anteil an vergärbarem Zucker erfolgt eine rasche Umsetzung. Beim Haufenkompost wird zusätzlich Stroh und Gesteinsmehl eingearbeitet und die anfallende Hefe in gepresster oder flüssiger (pumpfähiger) Form auf den Kompost ausgebracht. Nach einer Rottezeit von drei bis sechs Monaten entsteht dadurch ein reifer Kompost mit hohem Anteil an Dauerhumus.

Der hohe Anteil an Stickstoff in den Kellereiabfällen macht diese zu einem guten Dünger. Sie sollten deshalb von jedem Betrieb aufbereitet und eingesetzt werden. Neben den betriebseigenen Komposten kommt dem Einsatz von biogenen Abfallstoffen (Sekundärrohstoffen) im ökologischen Weinbau eine wichtige Rolle zu.

Für den Einsatz im ökologischen Weinbau kommen ausschließlich qualitätsgesicherte Komposte in Frage, die den hohen Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau entsprechen. Ebenso sind die gesetzlichen Grundlagen der Düngeverordnung beim Ausbringen von Grünschnitt- oder Hausmüllkomposten zu beachten. Bei einer praxisgerechten Ausbringung von 40 t/ ha im dreijährigen Turnus ist mit einer Stickstofffracht von durchschnittlich 50 kg N/ Jahr zu rechnen. Bei reinen Grünschnittkomposten ist sogar mit einer Stickstofffestlegung im ersten Jahr zu rechnen, was eine zusätzliche Düngung über organische Handelsdünger notwendig macht.

Nährstoffverfügbarkeit der Wirtschaftsdünger

Aus der Umrechnung der prozentualen Anteile an Nährstoffen in kg pro 10 t ergeben sich die in der nachfolgenden Tabelle dargestellten Werte. Dabei werden unterschiedliche Umsatzraten zugrunde gelegt. Man geht davon aus, dass der Pflanze im Ausbringungsjahr durch den mikrobiellen Umbau ca. 40 Prozent der Nährstoffe aus den Wirtschaftsdüngern zur Verfügung stehen. Bei Hühnermist wird eine höhere Verfügbarkeit angenommen, weswegen dieser auch in geringerer Menge ausgebracht wird.

Nährstoffgehalte in Wirtschaftsdüngern (praxisübliche Düngemengen) in kg

 

Menge

TS (%)

N

P2O5

K2O

Ca O

MgO

Rindermist

10 t

25

30

14

75

60

20

Pferdemist

10 t

25

32

15

60

30

18

Schafsmist

10 t

25

53

14

80

35

20

Hühnermist

1 t

80

60

39

33

30

8

Bio-Kompost

40 t

50

160

160

320

 

240

Nährstoffgehalte in Ernterückständen (praxisübliche Düngemengen) in kg

 

Menge

N

P2O5

K2O

Ca O

Trester

5 t

22

18

67

37

Kieselgur

1 t

27

8,6

9,3

2,9

Hefe

100 kg

2,5

0,8

0,4

0,5

Strohabdeckung und Rindenmulch

Mit Stroh und Rindenmulch stehen dem Weinbau gute Humuslieferanten zur Verfügung. Stroh lässt sich leicht transportieren und kann im Direktzug unter geringem Arbeitsaufwand ausgebracht werden. Für den Steilhang stehen spezielle Fördergebläse zum Ausbringen von Rundballen zur Verfügung. Stroh enthält sehr viel Kohlenstoff, aber nur wenig Stickstoff. Das C:N-Verhältnis liegt bei 90:10. Die Nährstoffgehalte variieren zwischen den einzelnen Stroharten, beim Kalium sogar recht stark.

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Aufschluss über die Gehalte an N, P2O5, K2O, MgO, CaO und organischer Substanz in den verschiedenen Stroharten. Es zeigt sich eine deutliche Rangordnung. Die Gehalte an Nährstoffen steigen von Weizen zum Hafer an (Weizen < Roggen < Gerste < Hafer).

Gehalte (kg) an Pflanzennährstoffen in 5 t Stroh

Strohart

N

P2O5

K2O

MgO

Ca O

Weizen

18

8

59

5

13

Roggen

18

10

60

10

15

Gerste

20

10

90

8

20

Hafer

20

18

125

12

22

Für die Düngungsbilanzierung sind die Kaliumgehalte des Strohs mit einzubeziehen. Sie sind voll pflanzenverfügbar. Die restlichen Nährstoffe unterliegen dem mikrobiellen Umbau.

Strohabdeckung und Rindenmulch führen neben der Zufuhr organischer Masse noch zu einem Erosionsschutz im Weinberg und bieten sich gerade in Hang- und Steillagen als Mulchdecke an. Bei gleichzeitiger Einsaat von Gründüngung oder Begrünung wird die Mulchdecke durchwachsen. Der Abbau der Cellulose und Hemicellulose verläuft allmählich. Durch das günstige Milieu unter der Abdeckung wird der Boden verstärkt von Regenwürmern besiedelt. Bodenatmung und Wasserdurchlässigkeit werden dadurch erhöht. Auf trockenen Standorten kann durch eine Stroh- oder Mulchabdeckung der Boden vor zu starkem Austrocknen geschützt werden. Bei alternierender Kombination mit einer Begrünungseinsaat kann somit der Bodenwasserhaushalt erheblich geschont werden.

Organische Handelsdünger

Neben den Humuslieferanten (Mist, Kompost, Strohmulch) gibt es eine große Palette an stickstoffhaltigen organischen Düngern, die für den Spezial- und Sonderkulturbetrieb auch wirtschaftlich von Bedeutung sind. Bei der Anwendung sollte stets der hohe Anteil an leichtverwertbarem Stickstoff beachtet werden. Nach dem Düngemittelgesetz werden die organischen Handelsdünger in drei Kategorien eingeteilt:

  • organische N-Dünger
  • organische NP-Dünger
  • organische NPK-Dünger

Diese Dünger weisen Mindestgehalte an den in der nachfolgenden Tabelle genannten Nährstoffen auf.

Gebräuchliche organische Handelsdünger im ökologischen Weinbau

 

Nährstoff-Menge

Zeitpunkt der Ausbringung

Wirkung

 

N

P2O5

K2O

t/ ha

 

 

N-Dünger

 

 

 

 

 

 

Rizinusschrot

40 - 60

15 - 20

10 - 15

1,0 - 1,5

Frühjahr

schnell

MaltaFlor

50

30

50

1,0

Frühjahr

schnell

Hornmehl- Späne

55

25

 

0,5

Frühjahr

schnell

NP-Dünger

 

 

 

 

 

 

Knochenmehl

15

60

 

0,5

Herbst

mittel

Horn-Knochenmehl

25

50

5

0,5

Herbst

mittel

NPK-Dünger

 

 

 

 

 

 

Guano

60

100

20

1,0

Frühjahr

schnell

pelletierter Geflügeldung

30

40

30

0,8 _ 1,0

Frühjahr

schnell

Beim Einsatz organischer Handelsdünger wie auch der mineralischen Dünger ist der Bedarf über eine Bodenanalyse nachzuweisen und eine vorherige Genehmigung durch die zuständige Kontrollstelle einzuholen.

Mineralische Ausgleichsdüngung und Bodenstabilisierung

Reichen die aus der organischen Düngung zugeführten Nährstoffe (insbesondere die Spurenelemente) nicht aus, um eine harmonische Ernährung der Pflanze sicherzustellen, so kann dieser Mangel mit schwerlöslichen Mineralstoffen ausgeglichen werden. Die natürlichen Mineralstoffe enthalten die Nährelemente in meist sehr geringer Konzentration und in wasserunlöslicher Form. Erst der mikrobielle Aufschluss macht die darin enthaltenen Nährstoffe pflanzenverfügbar. In der folgenden Tabelle sind die gebräuchlichen Mineraldünger für den ökologischen Weinbau mit ihren Gehalten an den wertbestimmenden Mineralstoffen aufgeführt.

Gebräuchliche Mineraldünger im ökologischen Weinbau

 

Gehalte in Prozent

Anmerkungen

Kalk

 

 

 

Kalkstein

50 CaO

15 - 40 MgCO3

sek. Ca-Mineral

Kreide/ Gips

50 - 55 CaO

7 - 9 P2O5 Spurenelemente

P angereichert, saure Böden mit Mg-Mangel

Dolomit

30 CaO

16 - 20 MgO

Mg-Mangel

Algenkalk

40 - 50 CaO

2,5 MgO

Spurenelement-Versorgung

Hüttenkalk

47 CaO

10 MgO
33 SiO2
3 Mn

Kieselkalk

Phosphor

 

 

 

Hyperphos

23 P2O5

33 CaO

saure bis schwach saure Böden

Thomasphosphat

15 P2O5

45 CaO
2 MgO

Schlacke mit Silikat-Anteil

Kalium

 

 

 

Kaliumsulfat

50 K2O

 

K-Mangel

Patentkali

28 K2O

5 MgO

K-Mg-Mangel

Kalimagnesia

30 K2O

10 MgO

K-Mg-Mangel

Magnesium

 

 

 

Kieserit, Bittersalz

27 MgO

 

Mg-Mangel, Stiellähme

Magnesit, Dolomit

15 - 20 MgO

 

Mg-Mangel

Spurennährstoffe

Bor (Borax, Folicin)

11 - 21 B

 

B-Mangel

Eisen (Fe-Sulfat, Sequestren)

6 - 20 Fe

 

Fe-Mangel, Chlorose

Mangan (Folicin, Mn-Sulfat)

60 - 30 Mn

 

Mn-Mangel

Je feiner die Naturprodukte vermahlen sind, desto größer ist die Oberfläche für die biologisch-chemisch- physikalische Verwitterung. Die allmähliche Freisetzung der Nährstoffe entspricht damit den Anforderungen an einen kontinuierlichen Nährstoffeintrag.

Grundsätzlich ist bei der Düngebemessung die ausgebrachte Nährstoffmenge in kg/ ha und Jahr zu kalkulieren. Nach den Richtlinien zum ökologischen Weinbau soll die ausgebrachte Stickstoffmenge 150 kg N/ ha im dreijährigen Turnus nicht überschreiten, wobei im Jahr der Düngung maximal 70 kg/ ha pflanzenverfügbarer Stickstoff als Berechnungsgrundlage anzusetzen sind.

Letzte Aktualisierung: 05.12.2011

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