Bekämpfung von Echtem Mehltau (Oidium)
Die Pilzkrankheit Echter Mehltau (Oidium) stellt weltweit die wirtschaftlich bedeutendste Rebkrankheit dar. Der Ascomycet befällt alle Europäer-Reben, wobei Sorten wie Chardonnay, Kerner, Scheurebe, Müller-Thurgau, Chenin blanc, Cabernet Franc, St. Laurent, Trollinger und Portugieser besonders anfällig sind. Weniger anfällig sind die Burgundersorten sowie Cabernet Sauvignon, Syrah oder Tempranillo.
Biologie und Krankheitsbild
Der Pilz überwintert als Mycel zwischen den Knospenschuppen oder als sexuelle Fruchtform Kleistothecium (Dauerspore). Nach dem Austrieb wächst er auf die grünen Rebteile und bildet Konidien, die zu ständigen Neuinfektionen führen können. Der gesamte Vegetationskörper (Mycel und Konidienträger) befindet sich auf der Oberfläche der befallenen Organe, der Pilz lebt ektoparasitisch und heftet sich mittels Appressorien am Wirtsgewebe fest. Zur Nahrungsaufnahme penetriert der Pilz mit einer Saughyphe das Wirtsgewebe, wobei er direkt durch die Kutikula in die Reborgane eindringt.
Die Infektion und die Konidienbildung können sowohl auf der Blattober- wie auch auf der Blattunterseite erfolgen. Neben dem Befall der Blätter und dem damit verbundenen Assimilationsverlust ist der Pilz als Verursacher des Samenbruchs sehr gefürchtet. Er befällt Gescheine und Trauben. Die Gescheine fallen ab, frühzeitig infizierte Beeren trocknen ein, etwa erbsengroße Beeren platzen auf und die Beerenhaut verhärtet sich, während das Fruchtfleisch noch weiter wächst.
Die Krankheit nimmt ihren Anfang mit der Infektion der sich entfaltenden Blätter und Triebe im Frühjahr. Zwei Wege der Erstinfektion können dabei auftreten: Zum einen können die im vorangegangenen Sommer gebildeten und am Holz sowie am Boden überwinternden Dauersporen (Kleistothezien) auskeimen und durch Bildung eines Pilzgeflechts eine Neuinfektion setzen. Zum anderen kann die Infektion von Konidien ausgehen, die von sogenannten Zeigertrieben (flag shoots, drapeaux, siehe Bild) gebildet werden.
Die Zeigertriebe bilden sich aus den infizierten Winterknospen des Vorjahres. Die Bildung von Zeigertrieben ist stark sortenabhängig. Anfällige Sorten sind Kerner, Müller-Thurgau, Chardonnay sowie Carignan, während die Sorte Merlot nie Zeigertriebe ausbildet. Die kritische Zeit für die Knospeninfektion und damit für die Ausbildung der Zeigertriebe im Folgejahr ist das Drei- bis Sechsblatt-Stadium.
Vorbeugende Maßnahmen
Die Bekämpfungsmaßnahmen beginnen schon mit dem Anbau widerstandsfähiger Rebsorten sowie der Auswahl standortgerechter Veredelungskombinationen von Edelreis und Unterlage. Sehr anfällige Sorten sind für den biologischen Anbau weniger geeignet als die resistenteren Sorten. Allerdings lässt sich die Sortenzusammensetzung eines Betriebes nicht umgehend ändern, auch wenn Umveredlungen heute ohne größere Ertragseinbußen möglich sind. Langfristig werden "interspezifische" tolerante oder resistente Sorten an Bedeutung gewinnen.
Auch die Lage und die Erziehungsart beeinflussen Anfälligkeit und Widerstandskraft. So sind Standorte mit hohem Infektionsdruck weniger geeignet - ebenso Erziehungsarten mit dichter, geschlossener Laubwand. Durch termingerechte Laubarbeit wird das Infektionspotential wesentlich reduziert. So sind Kümmertriebe oder Doppeltriebe konsequent auszubrechen und Zeigertriebe frühzeitig zu entfernen.
Schon beim Rebschnitt ist darauf zu achten, dass nur gesundes ausgereiftes Holz bzw. Zapfen angeschnitten werden. Mit Oidiumifiguren bzw. Kleistothezien behaftetes Holz ist aus der Anlage zu entfernen oder zu kompostieren. Dies geschieht durch frühes Häckseln des Rebholzes kombiniert mit Kompostausbringung oder der Bodenbehandlung mit Kompostextrakten, Molke- und Milchsäurepräparaten sowie den biologisch-dynamischen Fladen- und Hornmistpräparaten. Die Ausbringung der Präparate erhöht die mikrobiologische Aktivität sowie die Antagonistentätigkeit am Boden.
Direkte Bekämpfung
Trotz der vorbeugenden Kulturmaßnahmen muss die Rebe auch im ökologischen Weinbau durch direkte abhärtende sowie schützende Maßnahmen vor dem Befall durch Oidium geschützt werden. Neben Schwefel können alle Pflanzenstärkungsmittel eingesetzt werden, die zur Abhärtung des Blattgewebes beitragen sowie die natürliche Widerstandskraft der Rebe aktivieren (induzierte Resistenz). Aus langjährigen Versuchen haben sich folgende Stärkungsmittel als geeignet erwiesen:
- Mittel auf der Basis von Kieselsäure - Natrium- sowie Kalium-Wasserglas, Kiesel flüssig, Schachtelhalmextrakt
- Pflanzenextrakte auf der Basis von Reynoutria sacchalinensis, Staudenknöterich, Milsana
- Pflanzenextrakte auf der Basis von Fenchel, Anis - HF Pilzvorbeuge
- Kombinationspräparate von Wasserglas und HF Pilzvorbeuge - OIKOMB
- Mittel auf der Basis von Natriumhydrogencarbonat
- Mittel auf der Basis von Molke, Frischmilch, Milchsäurebakterien
Neben den Stärkungsmitteln gewinnen die mikrobiologischen Antagonisten in der Bekämpfung des Echten Mehltaus eine immer größere Bedeutung: insbesondere in Südeuropa sowie der Neuen Weinwelt. Als wirkungsvolle Mittel auf der Basis von Mikroorganismen / Antagonisten haben sich die Präparate AQ 10 (Ampelomyces quisqualis) sowie Serenade (Bacillus subtilis) erwiesen.
Weitere Informationen:
Aus der Forschung - für die Praxis:
Strategien zur Mehltauregulierung
Auf ökologisch wirtschaftenden Weinbaubetrieben wurde unter der Leitung von Eco Consult im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau die Wirksamkeit derzeit verfügbarer Pflanzenschutz- und Stärkungsmittel zur Bekämpfung des Echten und des Falschen Mehltaus untersucht.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 05.12.2011


