Bekämpfung von Falschem Mehltau (Peronospora)
Der Falsche Mehltau (Peronspora, Plasmopara viticola) ist im ökologischen Weinbau die am schwierigsten zu bekämpfende Pilzkrankheit. Alle Sorten der Europäer-Reben sind anfällig und besitzen keine oder nur sehr geringe Abwehrkraft gegen diesen Pilz. Amerikaner-Reben und interspezifische Kreuzungen weisen unterschiedlich starke Resistenzen oder Widerstandskraft auf.
Von dem Pilz können alle grünen Rebteile wie Blätter, Triebspitzen, Gescheine, Traubengerüst und junge Beeren befallen werden.
Krankheitsbild und Infektionsbedingungen
Der Pilz überwintert im abgefallenen Reblaub als Dauerspore. Diese Oosporen (Eisporen) keimen im Frühjahr bei ausreichender Durchnässung des Bodens und einer Tagesmindesttemperatur von 8 Grad mit einer Primärsporangie aus. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bodeninfektion ist zum einen die Keimung der Oosporen an der Bodenoberfläche, zum anderen kräftige Regenfälle (10 mm in drei Tagen) und Winde, die die Zoosporen auf die Blätter oder Gescheine verbreiten. Die Blätter müssen im Durchmesser größer als 2 cm sein (ab dem 3-Blattstadium ) und nach der Kontamination muss 10 Stunden Blattnässe herrschen.
Je stärker die Niederschläge und je weiter die Gescheine entwickelt sind, desto höher ist die Gefahr von starken Gescheins- oder Beereninfektionen mit erheblichen Ertrags- und Qualitätseinbußen. Der Befall mit Peronospora macht sich zuerst am Laub durch die Bildung der sogenannten Ölflecke bemerkbar. Nach dem Auftreten von Ölflecken entsteht bei feuchtwarmer Witterung ein weißer Pilzrasen auf der Blattunterseite. Die so gebildeten Sommersporangien werden mit dem Wind auf andere Rebteile übertragen und führen bei Vorhandensein von tropfbar flüssigem Wasser zu einer erneuten Infektion. Werden die Gescheine befallen, verfärben sich diese gelblich braun und verkümmern. Die größte Gefahr durch den Pilz besteht in dem Befall der Gescheine und der jungen Beeren sowie des Stielgerüstes.
Die klimatischen Bedingungen für die Sporulation (Ausbruch) sind:
- 4 Stunden kontinuierliche Blattbenetzung
- Relative Feuchte > 95 Prozent
- Temperatur zu Beginn der Feucht-/ Dunkelphase > 12 Grad
- Temperaturmittel in der Ausbruchsperiode (22:00 - 5:00 Uhr): > 10 Grad
- 4 Stunden Dunkelheit
- Je höher die Temperaturen und je länger die Nässeperiode, desto intensiver ist die Infektion!
Der kritischste Zeitpunkt für die Peronosporainfektion ist von Entwicklungsstadium 57 (Gescheine voll entwickelt) bis Stadium 75 (Beeren sind erbsengroß).
Aus der Forschung - für die Praxis:
Biologische Peronosporakontrolle
Wissenschaftler des Staatlichen Weinbauinstituts in Freiburg haben im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wichtige wissenschaftliche Grundlagen für die biologische Kontrolle des Falschen Mehltaus erarbeitet.
Näheres zum Projekt:
Bekämpfungsmöglichkeiten
Gegen Peronospora sind intensive vorbeugende Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig:
- Laubarbeiten, die zu einer lockeren, luftigen und schnell abtrocknenden Laubwand führen.
- Erhöhung der mikrobiologischen Aktivität am Boden durch Kompostgaben, Kompostteespritzungen, Anwendung von biologisch-dynamischen Hornmist- und Fladenpräparaten sowie Bodenbehandlung mit Kanne Ferment Getreide flüssig. Die höhere biologische Aktivität am Boden bedingt eine höhere Population an mikrobiellen Antagonisten, die die auskeimenden Oosporen abtöten können.
- Ebenso hat sich eine Bodenabdeckung mit Stroh wie auch eine vielartige Begrünung als infektionshemmend erwiesen. Die Bodenabdeckung reduziert die Spritzintensität der Regentropfen und somit das Überspringen des Schaderregers auf die Blätter oder die Gescheine.
Neben den indirekten Bekämpfungsmaßnahmen kommt dem Einsatz von Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmitteln eine große Bedeutung zu.
Als Pflanzenschutzmittel gegen Peronospora stehen dem ökologischen Weinbau nur Kupferpräparate zur Verfügung.
Die Aufwandmenge der Kupferpräparate ist stark begrenzt und erfordert ein genaues Anwendungsmanagement, um für die kritischen Befallszeiträume wie auch für die Abschlussbehandlung noch ausreichende Kupfermengen zur Verfügung zu haben. Für den ökologischen Weinbau gibt es keine Begrenzung in der Anzahl der Behandlungen, dafür aber in der auszubringen Kupfermenge pro ha und Jahr. Gleichzeitig ist bei der Applikation von Kupferpräparaten auf die Anwendungsbestimmungen hinsichtlich Verlustminderung sowie Abstandsregelungen zu achten.
Auf der Basis der Pflanzenstärkungsmittel haben sich in den letzten Jahren die schwefelsauren Tonerdepräparate als sehr brauchbar und wirkungsvoll erwiesen. Mit Myco-Sin VIN steht dem Weinbau ein brauchbares Mittel zur Verfügung, um die Kupfermenge zu reduzieren. Für das Mittel gibt es keine Anwendungsbeschränkungen. Die Aufwandmengen liegen bei 0,5 Prozent entsprechend der auszubringenden Wassermenge. Wichtig bei der Anwendung der Tonerdepräparate ist der Zeitpunkt der Applikation sowie die kontinuierliche Abdeckung des Neuzuwachses an Blättern und Beeren. So sind vorbeugende Behandlungen notwendig, damit ein ausreichender Schutz gegeben ist.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit, phosphithaltige Stärkungsmittel anzuwenden. Deren Einsatz ist sinnvoll im Zeitraum der Blüte und bei sehr kritischen Befallssituationen. Als Mittel kann Frutogard eingesetzt werden, jedoch ist die Anwendung bei Mitgliedschaft in einem Bioverband anmeldepflichtig beziehungsweise verboten.
Durch eine sinnvolle Kombination der indirekten und direkten Bekämpfungsmaßnahmen lässt sich eine Rebe gesund erhalten und ein Ertrag guter Qualität und Quantität erzielen.
Aus der Forschung - für die Praxis:
Strategien zur Mehltauregulierung
Auf ökologisch wirtschaftenden Weinbaubetrieben wurde unter der Leitung von Eco Consult im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau die Wirksamkeit derzeit verfügbarer Pflanzenschutz- und Stärkungsmittel zur Bekämpfung des Echten und des Falschen Mehltaus untersucht.
Näheres zum Projekt:
Weitere Informationen:
Letzte Aktualisierung: 05.12.2011


