Bekämpfung von Grauschimmel (Botrytis)
Botrytis cinerea (Grauschimmel) zählt mit einem Wirtsspektrum von etwa 80 Pflanzen zu den "Allerwelts- und Schwächeparasiten". Die Rebe hat, anders als bei den Mehltaupilzen (Oidium und Peronospora), eine hohe natürliche Widerstandskraft gegen B. cinerea. Der Pilz kann zwar eindringen, sich aber durch die Einlagerung von Suberin nicht ausbreiten. Aufgrund der Lebensweise von Botrytis verringert sich die Abwehrkraft der Rebe: durch eine übermäßige Stickstoff- und Kaliumversorgung ebenso wie durch Verletzungen der Trauben infolge von Hagel, starken Niederschlägen, Sonnenbrand oder Oidium- sowie Traubenwicklerbefall.
Krankheitsbild
Sämtliche grünen Rebteile werden von dem Pilz befallen. Er entwickelt sich bei günstigen Infektionsbedingungen das ganze Jahr über. Im Frühjahr überzieht der Pilz bei feuchtkühlem Wetter die Knospen und jungen Triebe mit einem grauen Belag. Er befällt die Gescheine, die sich braun verfärben, eintrocknen und abfallen (Verwechslung mit Peronospora möglich).
Steht dem Pilz totes Pflanzenmaterial zur Entwicklung zur Verfügung, kann er durch Bildung eines kräftigen Mycels eine weitere Infektion beginnen und die Abwehrkraft der Rebe durch Bildung von Enzymen überwinden. Liegen Wunden vor, werden diese sehr schnell von dem Pilz besiedelt.
Befällt der Pilz unreife Beeren, kommt es zur gefürchteten Sauerfäule. Beim Weichwerden der Beeren ab 25 Oechsle nimmt die pflanzeneigene Abwehrkraft ab und die Infektionsrate sprunghaft zu. Zu diesem Zeitpunkt treten zuckerhaltige Inhaltsstoffe der Beeren aus und bilden so einen Nährboden für Botrytis. Es bildet sich ein graubrauner Pilzüberzug.
Unter der Sauerfäule haben besonders weichschalige Sorten wie Müller-Thurgau und Portugieser zu leiden. Neben der Sauerfäule kann auch die Stielfäule auftreten. Dabei wird das Stielgerüst der Trauben von dem Pilz befallen, die Infektionsstellen verfärben sich grünbraun, vermorschen, die Traubenreife unterbleibt und es entstehen Bodentrauben. Als besonders anfällig für Bodentrauben gilt der Riesling.
Während der Vegetationszeit kann der Pilz saprophytisch auf dem Holz leben, das sich gelblichweiß verfärbt. Dringt das Mycel in den Holzkörper ein, kann dies zum Absterben der Ruten führen.
Bekämpfungsmaßnahmen
Da Feuchtigkeit die Ausbreitung des Pilzes fördert, helfen alle Maßnahmen, die ein rasches Abtrocknen der grünen Rebteile begünstigen.
- Verhinderung von Verdichtungen bzw. Laubglocken in der Laubwand durch gezielte Laubarbeiten.
- Zur Zeit der Blüte die Begrünung durch Walzen oder alternierenden Schnitt niedrig halten, keinen höheren Bewuchs unter den Stöcken dulden.
- Teilentblätterung (ca. zwei Blätter/ Trieb) der Traubenzone 10 bis 14 Tage nach der Blüte in Abhängigkeit von der Witterung (zur Stabilisierung und Abhärtung der Beeren).
- Harmonische Nährstoffversorgung durch Begrünungspflege, organische Düngung und Humusversorgung. Ein unzeitgemäßer Umbruch der Begrünung oder intensive Bodenbearbeitung im Sommer können zu Stickstoffschüben führen.
- Alle abhärtenden silikathaltigen Pflanzenstärkungsmittel (Wasserglas, Kiesel-Flüssig, OIKOMB) verstärken die Kutikula und verhindern ein Eindringen des Pilzes.
- Erfolgreiche Traubenwicklerbekämpfung.
- Erfolgreiche Bekämpfung von Echtem Mehltau (Oidium).
- Bei stärkeren Verletzungen durch Hagel oder Frost: Wasserglas oder Kiesel-Flüssig 3 kg/ha kombiniert mit zwei Prozent Schachtelhalm-Extrakt.
- Abschlussspritzung mit Kupfer 500 - 800 g/ ha und OIKOMB, Wasserglas
- Nach der Ernte von Beeren- oder Trockenbeerenauslesen sowie Eisweinen: Austriebsbehandlung mit Wasserglas 5 kg/ ha, zwei Prozent Schachtelhalm und Algenextrakt.
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Letzte Aktualisierung: 05.12.2011

