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Bekämpfung von Milben

 
Typhlodromus pyri, der wichtigste Gegenspieler der Schadmilben
Typhlodromus pyri, der wichtigste Gegenspieler der Schadmilben
(c) Eco-Consult

Milben zählen zu den wichtigsten Schädlingen im Weinbau. Von Bedeutung  sind vor allem die Obstbaumspinnmilbe, die Kräuselmilbe und die Blattgallmilbe.

Biologie und Schadbilder von Milben

Obstbaumspinnmilbe

Die Obstbaumspinnmilbe (Panonychus ulmi, auch Rote Spinnmilbe oder Rote Spinne) überwintert als Winterei an Unebenheiten der Triebe, vor allem um die Knoten des einjährigen Holzes herum. Mit dem Austrieb schlüpfen die hellroten zunächst sechsbeinigen Larven und besiedeln die Blattunterseite. Innerhalb von sechs bis 14 Tagen hat sich die Larve zum achtbeinigen adulten Tier entwickelt. Die Obstbaumspinnmilbe ist getrennt geschlechtlich. Drei bis vier Wochen nach dem Schlüpfen legen die Weibchen bis zu 80 hellrote runde Sommereier auf der Blattunterseite ab. Nach 15 Tagen schlüpft die nächste Generation. Bei günstigen Witterungsverhältnissen, mäßig warm und feucht entwickeln sich sechs bis acht Generationen. Die Wintereiablage beginnt Ende August.

Bei einem Spinnmilbenbefall verfärben sich die befallenen Blätter hellgrün mit Blattrandnekrosen und kräuseln sich. Durch das Austreiben der Beiaugen kommt es zu besenartigen Verzweigungen bei starkem Kümmerwuchs. Ein Blattbefall im Sommer führt zu einer Bronzierung der Blätter. Durch die verminderte Assimilationsfläche kommt es zu Ertrags- und Qualitätseinbußen und zu einer reduzierten Holzreife und Winterfestigkeit.

Kräuselmilbe

Kräuselmilben (Calepitrimerus vitis) sind 0,15 mm groß und elfenbeinweiß mit einem spindelförmigen, geringelten Körper und zwei Beinpaaren am Brustteil. Sie überwintern als ausgewachsene Milben in größeren Gesellschaften unter den äußeren Knospenschuppen oder in Rissen der Rinde. Beim Austrieb wandern sie auf die Triebe und die Blätter über. Diese werden angestochen und ausgesaugt, wobei sich die Einstichstellen verfärben. Die Vermehrung der Milben erfolgt im Mai/ Juni und im Juli durch Ablage rundlich weißer Eier. Die Larven schlüpfen nach acht bis zehn Tagen und entwickeln sich innerhalb von 14 Tagen über Nymphenstadien zu geschlechtsreifen Tieren. Ende August wandern die Milben in die Winterverstecke ab, wo sie selbst strenge Fröste überleben.

Bei Befall durch die Kräuselmilbe kommt es im Frühjahr zu Kümmerwuchs und Verzweigungen. Vielfach vertrocknen die Triebe und fallen ab. Weiterwachsende Triebe werden buschig, kurzknotig und gescheinslos. Die Blätter krümmen sich nach innen und kräuseln sich. Die Blattadern laufen sternförmig auf die Einstichstellen zu. Befallene Gescheine bleiben klein oder vertrocknen. Durch die Schädigung kommt es zu einer schlechten Holzreife mit einer erhöhten Frostanfälligkeit.

Blattgallmilben

Die Blattgallmilben (Colomerus vitis, auch Pockenmilbe) sind 0,15 mm große weißliche Tiere von walzenförmiger Gestalt. Sie besitzen zwei Beinpaare am Brustteil und unterscheiden sich von den Kräuselmilben durch ihre Körperborsten. Sie überwintern als Adulte unter den äußeren Knospenschuppen. Schon im Wollstadium dringen die Milben in die Knospen ein und beginnen mit ihrer Saugtätigkeit: Folge ist ein verkümmerter und verzögerter Austrieb.

Bei Befall durch die Blattgallmilbe reagiert das Blatt auf den Speichel mit der Bildung eines starken Haarfilzes in der Umgebung der Einstichstelle. Die oberseitigen Pocken verfärben sich gelbbraun bis rötlich. Der weiße, später braune Filz auf der Blattunterseite dient der feuchtigkeitsliebenden Milbe als Schutz vor Austrocknung und natürlichen Feinden. Befallene Gescheine überziehen sich mit einem weißen Filz und sterben ab.

Bekämpfung von Milben durch Nützlinge

Die wichtigste Bekämpfungsmaßnahme im ökologischen Weinbau stellt die Förderung und Schonung der natürlichen Gegenspieler der Schadmilben dar. Die natürlichen Feinde der Schadmilben zählen ausnahmslos zu den Räubern.

Raubmilben

Die wichtigsten in weinbaulichen Kulturen auftretenden natürlichen Feinde der Spinnmilben gehören zur Familie der Phytoseiidae, Raubmilben. Dabei ist Typhlodromus pyri die mit Abstand größte Bedeutung beizumessen.

T. pyri ist etwa gleich groß wie die Spinnmilben, von diesen aber durch ihre birnenförmige Gestalt, die lang ausgezogenen Beine und die milchigweiße bis gelbliche Körperfärbung zu unterscheiden. Bei den blinden Raubmilben dient das erste Beinpaar dem Tasten und Auffinden der Beutetiere.

Die Typhlodromiden überwintern als befruchtete Weibchen am zweijährigen Holz oder in der Borke des alten Holzes. An besonders warmen Wintertagen (ab 10 Grad Celsius) unterbrechen die Raubmilben ihre Winterruhe und gehen auf Nahrungssuche. T. pyri ernährt sich mit Ausnahme der Wintereier der Roten Spinne von allen Stadien der Spinnmilben, saugt aber auch andere Schadmilben wie Blattgall-, Staub- oder Kräuselmilben aus. Nach einem längeren Reifungsfraß beginnt Mitte Mai die Eiablage. Die Blattunterseite wird zum Hauptaufenthaltsort der Raubmilben. Dort bewegen sie sich entlang der Blattadern oder halten sich im schützenden Filz der Blattachseln auf.

Für die Fortpflanzung benötigen die Raubmilben neben tierischer Nahrung auch Pollen. Bei deren Mangel kann es zu einem Fortpflanzungsstopp kommen. Die maximale tägliche Fraßmenge von T. pyri liegt bei etwa 14 Spinnmilben, dazu kommt noch eine beträchtliche Zahl ausgesaugter Eier. Tritt nach der Dezimierung einer Spinnmilbenpopulation Nahrungsmangel auf, so kann sich T. pyri kurzfristig mit pflanzlicher Nahrung zufrieden geben. Es kommt zwar dann allenfalls zur vereinzelten Eiablage, der Bestand bleibt aber erhalten. Dass Raubmilben nicht sofort abwandern und den Standort wechselt, macht sie zu einem zuverlässigen Spinnmilbenräuber. Ende September/ Anfang Oktober beginnen die Weibchen mit dem Aufsuchen der Winterverstecke und sichern so die Möglichkeit eines neuen Populationsaufbaus im folgenden Jahr.

Mittels der Fingernagelprobe lassen sich die Raubmilben aus ihrem Versteck locken: Mit dem Daumennagel wird von der Blattoberseite aus Druck auf die Blattachseln ausgeübt und dabei das Blatt, zur Sonne gewendet, leicht über die Fingerkuppe hinweggezogen. Die sich rasch bewegenden Raubmilben sind dann mit bloßem Auge oder einer Lupe erkennbar.

Raubwanzen

Raubwanzen gelten neben den Raubmilben als bedeutende Säuberungsräuber, die besonders bei einem stärkeren Befall durch Spinnmilben zu beobachten sind. Schon im Winter gehen die räuberischen Wanzen bei wärmeren Tagen auf Nahrungssuche, wobei sie die Eier der Obstbaumspinnmilbe anstechen und aussaugen.

Sowohl die aggressiven Larven wie auch die adulten Tiere ernähren sich von allen Stadien der Spinnmilben und verzehren bis zu 50 Spinnmilben/ Tag. Im Verlauf einer stärkeren Spinnmilbenvermehrung (mehr als zehn Individuen/ Blatt ab Mitte Juli) treten diese Nützlinge als Säuberungsräuber auf und können eine Massenvermehrung in kurzer Zeit eindämmen.

Florfliegen

Während die geflügelten Imagines von Chrysoperla carnea sich von Nektar, Honigtau oder Blütenpollen ernähren, verzehrt die Larve vornehmlich Blatt-, Blut- und Schildläuse. An Reben sind Florfliegenlarven als Vertilger von Springwurmeiern, Heu - und Sauerwürmern beobachtet worden. Bei stärkerem Spinnmilbenbefall machen sich die Larven der Florfliege auch als Spinnmilbenräuber nützlich. Die Fraßaktivität einer Florfliegenlarve ist sehr hoch und kann je nach Entwicklungsstadium bis zu 1.100 Eiern oder 300 bewegliche Stadien der Spinnmilben betragen. Florfliegenlarven tragen im Wesentlichen aber zur Reduzierung der Wintereier der Obstbaumspinnmilbe bei.

Marienkäfer

Die Mehrzahl der Marienkäferarten lebt räuberisch, wobei sich sowohl die Larven wie auch die Imagines von kleineren Arthropoden ernähren. Die Hauptnahrung der größeren Marienkäfer sind Blatt- und Schildläuse, während die kleineren Arten vorwiegend von Spinnmilben leben. Bei Nahrungsmangel können die Marienkäfer auch Honigtau und Pollen verzehren.

Neben den beschriebenen Nützlingen kann auch eine Winter- bzw. Austriebsbehandlung mit im ökologischen Weinbau zulässigen Präparaten erfolgen. Dazu zählen insektizidfreie Paraffinöle und Pflanzenöle sowie die verschiedenen Schwefelpräparate.

Maßnahmen zur Eindämmung von Milben

  • Ansiedlung und Förderung von Nützlingen
  • Blühende vielartige Begrünung als Pollenangebot für Raubmilben und Florfliegen (Adulte) und Nahrungsangebot für Blattlausfeinde wie Raubwanzen oder Florfliegen (Larven)
  • Bei einem Besatz von mehr als 100 Wintereiern der Roten Spinne/ Auge und nicht vorhandenen Raubmilben:Winterspritzung mit insektizidfreien Paraffin- oder Pflanzenölen
  • Ab Knospenaufbruch bei starkem Wintereibesatz und schlechten Austriebsbedingungen im Frühjahr sowie Kräuselmilbenbefall im Vorjahr: 5 kg Schwefel und 3 kg Wasserglas, 5 kg Pflanzenpflegeseife kombiniert mit 4 l Spiritus auf 400 l Wasser; Behandlungen im Abstand von acht bis zehn Tagen wiederholen
  • Weitere Behandlungen während der Vegetation mit Wasserglas und Schwefel

Weitere Informationen:

Letzte Aktualisierung: 05.12.2011

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