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Aus der Forschung: Förderung der ökologischen Produktion von Zierpflanzenstecklingen

 
Weihnachtssterne im Anzuchthaus
Auch für Zierpflanzen wie Weihnachtssterne gilt: die Vermehrung muss nach Richtlinien des Öko-Landbaus erfolgen.
(c)BLE, Foto: T. Stephan

Der ökologische Zierpflanzenbau gewinnt zunehmend an Bedeutung. Seit Januar 2004 müssen gemäß den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau auch in diesem Produktionszweig nicht nur der Anbau der Zierpflanzen selbst, sondern ebenso die Erzeugung des Vermehrungsmaterials weitgehend nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus erfolgen. Der größte Anteil der in Deutschland kultivierten Zierpflanzenarten wird vegetativ über Stecklinge an speziell für diesen Zweck kultivierten Mutterpflanzen produziert.

Bisher ist wenig über die ökologische Produktion von Mutterpflanzen und Stecklingen bekannt. Viele offene Fragen bestehen auch in Bezug auf die Auswirkungen einer ökologischen Mutterpflanzenkultur auf die Qualität der Stecklinge sowie auf den Befall der Stecklinge mit bzw. die Widerstandfähigkeit gegen Schaderreger. Um einige der Fragen zu beantworten, führten Wissenschaftler des Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) Großbeeren / Erfurt e.V. und des Instituts für Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz der Universität Hannover im Rahmen eines BÖL-Projekts umfangreiche Versuche an Pelargonien und Weihnachtssternen durch.

Untersucht wurde vorrangig, wie sich die ökologische Kulturführung der Mutterpflanzen auf die Qualität und die Gesundheit der Stecklinge auswirkt. Dabei wurden unterschiedliche Substrate und Düngungsvarianten berücksichtigt. Weiterhin wurde ermittelt, ob sich eine Beimpfung mit Mykorrhiza-Pilzen positive auf Stecklingsertrag und -gesundheit auswirkt. Insgesamt zeigten die Versuche, dass mit Hilfe ökologisch produzierter Pelargonien- und Weihnachststern-Mutterpflanzen hohe Erträge an qualitativ hochwertigen Stecklingen erzielt werden können.

Einfluss von Substraten und Düngungsvarianten

Bei beiden Zierpflanzenarten wurde durch die Verwendung eines moderat gedüngten komposthaltigen Substrats mit einer am Nährstoffverbrauch orientierten organischen Stickstoffnachdüngung eine bessere Nährstoffversorgung erzielt als durch eine am Gesamtbedarf der Mutterpflanzen orientierte höhere Aufdüngung des Substrats ohne Nachdüngung. Dies zeigte sich beispielsweise bei der Untersuchung der Stecklingserträge und Bewurzelungserfolge. Während bei der ersten Düngungsvariante keine Unterschiede zwischen der konventionellen und der ökologischen Kultur festgestellt werden konnten, wurde bei der zweiten Düngungsvariante bei den ökologischen Kulturen ein reduziertes Wachstum verzeichnet. Eine Ursache für das geringere Wachstum wird in der schlechter zu kontrollierenden Stickstoffmineralisation gesehen, die während des Versuchverlaufs - unter den extremen Klimabedingungen des heißen Sommers 2003 - zu überdurchschnittlich hohen Nitrat- und Salzgehalten führte. Basierend auf diesen Ergebnissen empfehlen die Wissenschaftler trotz höherem Arbeits- und Kostenaufwand beim jetzigen Stand des Wissens die zuerst genannte Düngungsvariante.

Bei beiden Zierpflanzenarten und Düngungsvarianten wirkte sich die ökologische Kulturführung positiv auf die Stresstoleranz bzw. auf die Pflanzengesundheit aus. So wiesen ökologische Stecklinge einer lagerempfindlichen Weihnachtssternsorte im Vergleich zu konventionellen Stecklingen eine bessere Lagerungsfähigkeit und geringere Verluste durch den Erreger des Grauschimmels (Botrytis cinerea) auf. Ökologische Pelargonien-Mutterpflanzen zeigten im Vergleich zu den konventionell kultivierten Mutterpflanzen keine bzw. weniger lichtabhängige Blattschäden.

Auswirkungen der Beimpfung mit Mykorrhiza-Pilzen

Konventionell und ökologisch kultivierte Pelargonien-Mutterpflanzen im Vergleich;
Konventionell (links) und ökologisch (rechts) kultivierte Pelargonien-Mutterpflanzen (Erfurt, Frühjahr 2003)
(c) IGZ e.V.

In einem weiteren Versuchsabschnitt wurden Versuche mit Mykorrhiza-Pilzen durchgeführt. Mykorrhiza-Pilze bilden Symbiosen mit höheren Pflanzen. Sie besiedeln die Wurzeln der Pflanzen und unterstützen die Pflanzen bei der Wasser- und Nährstoffaufnahme. Im Gegenzug werden sie von der Pflanze mit Kohlenhydraten versorgt. Eine Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen kann für die Wirtspflanze positive Auswirkungen auf die Nährstoffversorgung, die Vitalität und Stresstoleranz sowie die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schaderregern haben.

Weihnachtsstern- und Pelargonien-Mutterpflanzen wurden in diesem Versuchsabschnitt also mit verschiedenen Mykorrhiza-Pilzkulturen beimpft. Untersucht wurde dann, unter welchen Kulturbedingungen sich die Symbiosen am besten entwickeln und ob die sich entwickelnden Symbiosen Auswirkungen auf das Wachstum der Mutterpflanze bzw. auf den Stecklingsertrag haben.

Unabhängig von der Kulturführung entwickelte sich die Symbiose zwischen Mutterpflanze und Pilz sowohl bei den Weihnachtssternen als auch bei den Pelargonien nur langsam. Ein hohes Lichtangebot wirkte sich tendenziell positiv auf die Symbioseentwicklung aus, eine hohe Phosphatdüngung hatte dagegen eher negative Auswirkungen. Teilweise wurden beachtliche positive Auswirkungen der Mykorrhizierung der Mutterpflanzen auf den Stecklingsertrag und die Stecklingsqualität beobachtet. Diese schwankten jedoch erheblich in Abhängigkeit von Pilzkultur, Standort, Pflanzenart und  -sorte sowie Entwicklungsstadium.

Aufbauend auf den vorliegenden Ergebnissen regen die Wissenschaftler an, praxistaugliche Strategien für den ökologischen Anbau von Zierpflanzen zu entwickeln und weitere Untersuchungen zu den Einflüssen der ökologischen Kulturführung und der Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen auf das Pflanzenwachstum und die Pflanzengesundheit durchzuführen.

Weitere Informationen:

Aus der Forschung: Delphinium - organisch gedüngt

Für die ökologische Produktion von Delphinium ist eine Komplettbevorratung über Horndünger und organische Mehrnährstoffdünger möglich. Mit einer pflanzenverfügbaren Stickstoff-Menge zwischen 800 und 1.000 mg N/ Pflanze können Delphinium in guter Qualität erzielt werden.

Der ganze Artikel ist abrufbar unter Opens external link in current windowDelphinium - organisch gedüngt (pdf-Datei)

Letzte Aktualisierung: 05.12.2011

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