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Ausblick

 
Ananas-Salbei
Kräuterstauden und Obstgehölze sind derzeit die Topseller im jungen Segment "Ökologische Gartenpflanzen"
(c) Vinken

Die intensive Flächennutzung des Zierpflanzenbaus erfordert großes fachliches Können. Je höher die Spezialisierung auf wenige Kulturen, desto ausgereifter die Technik, die eine innovative Industrie der Branche weltweit zur Anwendung bereitstellt. Ohne technikfeindlich zu sein, setzen Öko-Gärtner dem Ziel der maximalen  Steuerbarkeit einer Kultur die größtmöglichen Natürlichkeit einer Kulturpflanze entgegen.

Im Maß der Steuerbarkeit einer Kultur liegt für viele Umstellungs-Interessenten die Schwierigkeit. Einerseits haben Generationen von Gärtnern drauf hin gearbeitet, Natur steuerbar zu machen und ehedem unwägbare Risiken kalkulierbar. Das (Gewächshaus-)Klima kann heute vollständig geregelt werden, die Nährstoffaufnahme und somit das Wuchsverhalten der Pflanzen sind kontrollierbar, ebenso unter Rückgriff auf chemische Pflanzenschutzmittel das Krankheitsrisiko und der Schädlingsbefall. Letztendlich ist sogar der Markt in gewissen Grenzen beeinflussbar.

Andererseits kostet heute die Einrichtung eines hochtechnisierten Arbeitsplatzes in einer Zierpflanzengärtnerei zwischen 150.000 und 200.000 Euro. Entsteht angesichts derart hoher Investitionen am Ende für den Betrieb tatsächlich mehr Sicherheit?

Auch im Öko-Landbau wird täglich im Sinne einer "guten ökologischen Praxis" hinzugelernt. Es gibt kein fertiges System. Die Mitglieder der Anbauverbände tragen ihre Erfahrungen zusammen, kritisieren einander und entwickeln alternative Methoden, die Energie sparen, Nützlinge ansiedeln, den Boden beleben oder seine Struktur schonen sollen.

Nicht die Tatsache ihres wirtschaftlichen Erfolges macht eine Methode für den Bio-Anbau suspekt. Es ist vielmehr die Betrachtung der "Nebenwirkungen", die über ihre Eignung für den ökologischen Gartenbau entscheidet. Zwei Beispiele sollen dies abschließend verdeutlichen.

Meristemvermehrung

Meristemvermehrte Pflanzen können z.B. nur mit hohem Energieaufwand und unter Laborbedingungen produziert werden. Und es erfordert massiven Einsatz von Pflanzen"schutz"mitteln, den ohnehin kleinen Anteil überlebensfähiger Klone vor den Infektionsgefahren einer Blumenerde oder eines lebendigen Gartenbodens zu bewahren.

Auf den Weg gebracht zur Wiedererlangung bzw. Erhaltung virusfreien Vermehrungsmaterials aus wenigen, meristematischem Gewebepartien, wird das Know how mittlerweile eingesetzt, um auch an sich gesunde Pflanzenbestände in kürzester Zeit millionenfach zu kopieren und somit einen massiven Marktvorteil zu erlangen.

Meristemvermehrung kann in Ausnahmefällen helfen, erkrankte Sorten gesunden zu lassen. Die Erfahrung mit häufig nachgefragten Dahliensorten (z.B. "Bishop of Llandalf") zeigt jedoch, dass Virosen nach wenigen Jahren wieder auftreten und erneut Wuchsdepressionen verursachen. 

Aus ökologischer Sicht ist hier die traditionelle Pflanzen-Züchtung gefragt, nach neuen Sorten Ausschau zu halten. Die Methoden werden von vielen Biogärtnern dort akzeptiert, wo sie dem Erhalt wichtiger Sorten dienen. Wo verläuft zukünftig die Grenze, wenn die noch wesentlich eingreifenderen Methoden der Gentechnik erbveränderte Klone hervorbringen werden? Im Bio-Landbau gilt ein striktes Gentechnik-Verbot.

Betriebskreislauf

Bis vor kurzem hat sich die britische "Soil Association", ein renomierter englischer Anbauverband, dagegen ausgesprochen, eine im Topf gewachsene Pflanze als Bio-Ware anzuerkennen. Erst massive Proteste aus den eigenen Reihen und die stark steigende Nachfrage nach Kräuterstauden bewegte die Verbandsleitung zum Einlenken. Ausschließlich in Containern produzierende Betriebe werden z. Zt von den Bio-Verbänden zugelassen. Die Diskussion über ein zukünftiges Verhältnis von Container- zu Bodenfläche ist aber noch nicht abgeschlossen. Auch hier handelt es sich um eine Frage des Selbstverständnisses und der Glaubwürdigkeit der konsequent biologischen Kultur.

Letzte Aktualisierung: 25.11.2009

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