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Kulturtechnik

 

Sortiment

Apfelbeeren. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Apfelbeeren sind gefragte Bio-Wildobstgehölze.
(c) Vinken

Im ökologischen Zierpflanzenbau gibt es bereits ein recht breites Sortiment an gängigen Sorten.

Folgende Freiland-Schnittblumen haben sich - auch auf vergleichsweise schweren Böden - im Hinblick auf Anbau- und Marktwert bewährt: Ageratum, Amaranthus, Anethum, Atriplex, Bupleurum, Cleome, Delphinium ajacis, Godetia, Helianthus, Lavatera, Lobelia, Nigella, Rudbeckia, Trachelium, Vaccaria, Zinnia.

Folgende Beet- und Balkonpflanzen werden in Biogärtnereien bereits mit Erfolg erzeugt und vermarktet: Ageratum, Argyranthemum, Begonia semperflorens, Brachyscome, Calceolaria, Chrysanthemum multicaule, Fuchsia, Gazania, Ipomea,  Impatiens-Neu-Guinea, Lobelia, Nicotiana, Pelargonium, Petunia, Plectranthus, Salvia, Tagetes tenuifolia, Thunbergia, Verbena.

Schnittblumen aus dem gängigen Sortiment eines Blumenfachgeschäftes gibt es derzeit kaum in biologischer Qualität. Einjährige Sommerblumen sowie Dahlien werden saisonal angeboten. Mit der Eigenproduktion gängiger Topfpflanzen wie zum Beispiel Cyclamen, Topfchrysanthemen, Weihnachtssternen und Impatiens werden recht  gute Erfahrungen gemacht.

Öko-Staudengärtnereien senden umfangreiche Angebotslisten zu. Adressen sind bei den Anbauverbänden erhältlich. Eine Liste mit Adressen ökologischer Zierpflanzengärtnereien und Baumschulen in Deutschland stellt das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) zur Verfügung. Im Baumschulangebot dominieren Sortimentsbetriebe. Vorratslisten der Arbeitsgemeinschaft Ökologische Baumschulen werden halbjährlich im Internet veröffentlicht (siehe Thema "Baumschulen").

Jungpflanzen, Saatgut und Zukauf

Ökologisch produzierte Jungpflanzen sind nach Absprache unter Kollegen erhältlich. Im Staudenbereich gibt es einen spezialisierten Lieferanten. Ein größeres Maß an Arbeitsteilung gilt in Gesprächen in allen Sparten als erwünscht. Auch Saatgut in Öko-Qualität ist nur von ausgesuchten Arten und Sorten erhältlich. In der Datenbank OrganicXseeds (siehe rechte Spalte) finden Sie von Saat- und Pflanzgutanbietern in ganz Europa die aktuell verfügbaren Sorten aller Kulturen in ökologischer Qualität. Laut EU-Rechtsvorschriften für den Ökologischen Landbau muss die Nichtverfügbarkeit einer Sorte nachgewiesen sein, bevor sie konventionell zugekauft werden darf.

Für Jungpflanzen und Halbfertigware gelten Umstellungsregeln, bevor sie als Bioware vermarktet werden dürfen. Konventionelle Fertigware darf begrenzt  zugekauft werden, muss aber getrennt gelagert und zu jedem Zeitpunkt eindeutig gekennzeichnet sein.

Betriebsmittel

Auf Pflanzenschutzmittel sowie Substrate und Dünger gehen separate Kapitel genauer ein. Erdelose Kulturverfahren sowie Erddünnschicht-Verfahren sind nicht zulässig. Bei Töpfen kommen derzeit tiefgezogene Rund- und Vierkant-Container zum Einsatz, leider oft nur im Einweg. Ein Pfandsystem wäre wünschenswert. In Baumschulen und Staudenbetrieben wurden sehr positive Erfahrungen mit Cocopots gemacht. Sie verlangen allerdings "Feinjustierung" bei Bewässerung und Düngung. Auch kosten sie derzeit noch das Vielfache eines Plastiktopfes, doch gerade im Endverkauf werden sie sofort als Ökotopf identifiziert und unterstreichen die Glaubwürdigkeit des Angebotes.

Bewässerung und Düngung

Fließmattenbewässerung in einem Verkaufsquartier
Fließmattenbewässerung in einem Verkaufsquartier: Wasser gelangt an den Topfboden und wird kapillar aufgenommen. Überschüssiges Wasser wird gesammelt. Die Wurzeln strecken sich, der Wurzelhals bleibt trocken, die Verdunstung wird stark reduziert.
(c) Vinken

Auf geschlossene Systeme wird hingearbeitet. Flächenversiegelung ist nur zu Zwecken der Wasser-Rückgewinnung gestattet. Wasser- und energiesparende Fließmattenbewässerung wird in Containerquartieren von Baumschulen und Staudengärtnereien eingesetzt. Probleme mit einer Verteilung von Krankheiten per Wasser-Recycling sind bisher im Biobereich nicht dokumentiert.

Auf Anstautischen kommen Ebbeflutsysteme zum Einsatz. Die flüssige Nachdüngung mit Vinasseprodukten muss häufiger erfolgen als bei mineralischen Düngern.

Beikrautregulierung

Viele Arbeitsstunden werden mit "Zupfen" und Handhacke verbracht. Beete werden gehackt und spätestens im zweiten Jahr gemulcht. Bei der Auswahl des Mulchmaterials muss eine mögliche N-Fixierung bedacht werden.
Kurz- oder mittelfristig freie Flächen können durch Einsaat einer Gründüngung vor Samenunkräutern geschützt werden. Wurzelunkräuter müssen von kleineren Flächen von Hand ausgegraben werden. Auf Schlägen ab mehreren Ar empfiehlt sich regelmäßiges Grubbern. Wege können mittels Abflammgerät unkrautfrei gehalten werden. Allerdings muss der Einsatz früh nach der Keimung erfolgen und regelmäßig bei trockenem und windstillem Wetter wiederholt werden.

Wuchsregulatoren

Wuchs-Hemmstoffe sind verboten im ökologischen Zierpflanzenbau. Sie sind auch überflüssig, wenn Kulturen in weiterem Stand, bei reduzierten Wassergaben und mäßiger Düngung heranwachsen. Das kostet Extra-Zeit und Platz - bei geringerem Mengenertrag. Unter anderem deshalb müssen Ökopflanzen bei vergleichbarer optischer Qualität einen höheren Preis erzielen.

Energie

Für den Energieaufwand eines Biozierpflanzenbetriebes gibt es derzeit keinen festgelegten Grenzwert. Während im Biogemüsebau nur Jungpflanzen und diese bei lediglich fünf Grad überwintert werden dürfen, müssen für Zierpflanzer andere Maßstäbe gelten. Hier gilt es, sich auf Kulturen zu konzentrieren, die kälter kultiviert werden können und zugleich eine (nahezu) ganzjährige Marktbeschickung ermöglichen.

Letzte Aktualisierung: 05.12.2011

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