Wirtschaftlichkeit

- "Ein Drittel der Kundschaft kauft bei uns, weil wir biologisch produzieren, einem weiteren Drittel ist das egal - und die restlichen kommen trotzdem." (Zitat eines Bio-Zierpflanzen-Pioniers aus der Schweiz)
(c) Vinken
Insgesamt gut 200 Gärtnereien und Baumschulen kultivieren in Deutschland auf etwa 430 Hektar Fläche kontrolliert biologische Bäume, Sträucher, Topfpflanzen, Schnittblumen und Stauden. Gemessen an der Gesamtproduktion entspricht dies einem sehr kleinen Anteil des Marktes.
Vor gut 25 Jahren galten ähnliche Größenverhältnisse allerdings auch für Ökolandwirtschaft und Biogemüsebau. Heute ist der Bio-Agrarsektor eine akzeptierte Alternative und deckt immerhin rund fünf Prozent der bundesweiten Nachfrage ab - und dies quer durch viele Konsumentenschichten.
Angebot ...
Ökozierpflanzenbetriebe und Baumschulen sind bisher rar gesät. Zu wenige, um lohnend zu sein für die etablierten Verteilstrukturen und zudem über die ganze Republik verstreut. Deshalb findet man Bio-Pflanzen so gut wie nicht im Blumenladen oder Gartencenter.
Viele Vermarkter sind sich einig, dass die Bioqualität "nur" ein Kaufargument unter mehreren ist - gesunder Wuchs und gute Durchwurzelung sind ebenso wichtig wie ein interessantes, kenntnisreich präsentiertes Sortiment.
Das bislang größte Angebot gibt es beim Biogärtner "ab Hof", auf Wochen- und Raritätenmärkten. Gerade kleinere Mischbetriebe suchen und finden ihre Kundschaft mit saisonal wechselnden Angeboten im Direktabsatz, u.a. auch per Abo-Kiste und Postversand. Hier werden die höchsten Preise erlöst, hier sind aber auch die Kosten für Marketing, Warenpräsentation und Fachberatung sehr hoch.
...und Nachfrage
Eine Befragung von über 500 Kunden auf Hamburger Ökowochenmärkten hat ermittelt, dass fast alle die Idee befürworten, Bioblumen verstärkt anzubieten. Über 80 Prozent würden diese auch tatsächlich kaufen, in erster Linie wegen der "Freiheit von Giften". Der Aufpreis für die Ökoproduktion durfte für wiederum 90 Prozent der Interessenten bis zu 15 Prozent betragen und immer noch knapp die Hälfte der Blumenfreunde wäre bereit gewesen, einen bis zu 30 Prozent höheren Preis zu akzeptieren.
Das Kunden-Potenzial wird auf derzeit bis zu zwei Prozent geschätzt. Allein rund zwei Millionen Bundesbürger werden von Studien als überzeugte Ökokunden eingestuft. Befragungen haben ergeben, dass unter ihnen nicht wenige lieber gar keine Blumen kaufen als "gespritzte". Hier wartet also ein beachtliches Marktpotential. Von den 104 Euro, die die Bundesbürger pro Kopf jährlich für Blumen und Zierpflanzen ausgeben, ist bei entsprechender Aufklärung der Kundschaft sicherlich auch etwas für Bioblumen übrig.
Kosten ...
Aussagekräftige Kalkulationen einzelner Kulturgruppen liegen im Bioanbau derzeit kaum vor. Die Preisfindung geschieht eher "aus dem Bauch" heraus und orientiert sich an einem spartenübegreifend zu niedrigen Niveau. Kleinere Sätze, weniger Mechanisierung und mehr Handarbeit zum Beispiel beim Jäten oder Transportieren führen zu höheren Stückkosten. Auch wenn viele Betriebe schlichter ausgestattet sind und so vergleichsweise niedrige Investitionskosten haben, schlagen die Löhne stark zu Buche.
Der notwendige Öko-Aufschlag wird am Markt allenfalls im Direktverkauf realisiert. Die meisten Bio-Pflanzen werden derzeit zu konventionellen Konditionen verkauft, nicht selten ohne jegliche Bio-Auslobung. Lohn und Gewinn-Situation der Betriebe und ihrer Mitarbeiter sind entsprechend unbefriedigend. Es stimmt somit, dass "eine gewisse Portion Idealismus" - zumindest in den Anfangsjahren - zum Grundkapital des Betriebes gehören muss.
... und Nutzen
Für die Aussicht, langfristig den Bestand des Betriebes bei verhältnismäßig geringem Investitionsdruck zu sichern, könnte es sich lohnen, finanzielle Einbußen hinzunehmen - als persönliche Investition in die eigene Zukunft und die eines Teams oder einer Familie.
Aber auch unabhängig von der Möglichkeit der Erschließung eines neuen Marktes hat eine Umstellung auf biologische Anbaumethoden positive Konsequenzen: So berichtet ein seit Jahren biologisch produzierender Gärtner von den Erleichterung, die er und seine Frau empfanden, als sie bei der Umstelllung ihren Vorrat an Pflanzenschutzmitteln verschenkt haben. Ein anderes Gärtnerehepaar ist froh, seine Kinder wieder jederzeit unbedenklich in den Gewächshäusern spielen lassen zu dürfen. Und wieder ein Anderer erzählt von einem Rückgang der Asthmabeschwerden seines beim Betrieb lebenden Vaters seit der Umstellung auf den biologischen Anbau.
Aus der Forschung - für die Praxis
Expertenworkshop ökologischer Zierpflanzenbau
Der ökologische Zierpflanzenbau führt ein Nischendasein; sowohl in grundlegenden Produktionstechniken als auch in der Vermarktung bestehen noch Defizite. Zwei Expertenworkshops sollten zur Entwicklung und Förderung des ökologischen Zierpflanzenbaus beitragen.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 05.12.2011
