Grundlegendes

- Kleinstrukturierten Betrieben mit starkem Direktabsatz wird eine Umstellung am leichtesten fallen.
(c) Vinken
Blumen gelten seit jeher als Symbole für Schönheit und Reinheit. An letzterer wird seit einigen Jahren in den Medien allerdings häufiger gezweifelt. Berichte über menschenunwürdige Produktionsmethoden in den so genannten Entwicklungsländern, Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln in der hiesigen Blumenproduktion und Allergien bei Floristinnen mehren sich.
Hier liegt eine große Gefahr für den Blumenfachhandel, denn ein Abwandern der Kundschaft, die die farbenfrohen Schönheiten eben deshalb regelmäßig kauft, weil sie Zeichen für Natürlichkeit und Lebensfreude sind, könnte die Folge dieser Verunsicherung sein.
Aber hier liegt auch die Chance für eine Biogärtnerei. Die Kundschaft erwartet zu Recht ein "gutes Produkt für gutes Geld" - ein Produkt, das weder Boden, Wasser und Luft schadet noch denen, die damit arbeiten. Die aus dem Lebensmittelhandel bekannten Warenzeichen der Anbauverbände wie z.B. Bioland, Demeter oder Naturland genießen hohes Vertrauen beim Kunden. Ein Einkauf beim Bio-Gärtner ist für viele eine bewusste Entscheidung und zugleich eine Meinungsäußerung, die "Abstimmung mit dem Portemonnaie".
Auch für den Gärtner bringt der Bioanbau Positives
Überzeugend berichtet ein Gärtnermeister von der großen Erleichterung, die das endgültige Ausräumen des "Giftschrankes" zu Beginn der Umstellung für ihn und seine Familie bedeutete. Allerdings verhehlt er auch nicht die Unruhe, die ihn anfangs angesichts "einfallender Schneckenhorden" oder massenweise auftretender Blattläuse befiel. "Inzwischen haben wir das gut im Griff," ist jedoch sein Fazit, "das waren Kinderkrankheiten!"
Biogärtner begreifen das sich langsam einstellende ökologische Gleichgewicht ihres Betriebes als ihr wichtigstes Kapital. Und sie entwickeln zunehmend einen Blick für das Ganze, das die Qualität und den Charme des Bio-Anbaus ausmacht. Auf den ersten Blick wirken Biogärtner auf manche vielleicht altmodisch. Aber ihr umfassendes Wissen schöpfen sie aus der täglichen Praxis, aus ihrer Beobachtungsgabe. So sammeln sie einen großen Schatz an Erfahrungen bei ihrer Arbeit. Sie sind angewiesen auf den Betriebsorganismus, den sie weitgehend selbst gestalten. Und dessen Grundlage der Boden und eine möglichst große Vielfalt der Kulturen ist.
Bei den rund 150 ökologischen Zierpflanzen- und Staudengärtnereien in Deutschland (Stand 2004) handelt es sich - abgesehen von wenigen größeren Betrieben - weitgehend um Familienbetriebe oder auch Gärtnereien in sozialtherapeutischen Einrichtungen mit großem Anteil an Direktabsatz. Sie ähneln in Größe, Struktur und Angebot den Landgärtnereien vergangener Tage und genießen aufgrund ihrer Nähe zur Kundschaft ein großes Vertrauen. In diesen Betrieben erforderte die Umstellung des Anbaues kaum eine Umstellung des Absatzes. Die Kundschaft honoriert hier vor allem Auswahl, Beratung und gute Qualität. Den Bioanbau würdigt sie als einen - seinen Preis werten - Zusatznutzen.
Aus der Forschung - für die Praxis:
Ökologischer Zierpflanzenbau unter der Lupe
Das Projekt des Bundesprogramms Ökologischer Landbau "Ökologischer Anbau von Zierpflanzen und Baumschulerzeugnissen: Struktur, Entwicklung, Probleme, Handlungsbedarf" zeigt den derzeitigen Stand der Erzeugung und Vermarktung ökologischer Zierpflanzen, Stauden und Gehölze auf und gibt einen Überblick über bestehende Rahmenbedingungen.
Näheres zum Projekt:
Anbau von Zierpflanzen und Baumschulerzeugnissen (BÖL-Projekt Nr. 02OE307)
Aus der Forschung - für die Praxis
Expertenworkshop ökologischer Zierpflanzenbau
Der ökologische Zierpflanzenbau führt ein Nischendasein; sowohl in grundlegenden Produktionstechniken als auch in der Vermarktung bestehen noch Defizite. Zwei Expertenworkshops sollten zur Entwicklung und Förderung des ökologischen Zierpflanzenbaus beitragen.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 25.11.2009
