Biofisch aus Aquakultur
Der Markt für ökologische Aquakulturerzeugnisse ist im Vergleich zu dem für Produkte aus konventioneller Aquakultur oder Wildfang noch sehr klein (siehe
Marktanalyse für ökologische Aquakulturerzeugnisse ). Mittelfristig wird den ökologischen Aquakulturerzeugnissen aber ein starkes Wachstumspotenzial zugeschrieben. Experten nehmen an, dass dabei die Nachfrage schneller wachsen wird als das Angebot. Ein besonders großes Ungleichgewicht besteht schon jetzt zwischen der inländischen Nachfrage nach ökologisch erzeugten Aquakulturerzeugnissen (10.000 Tonnen pro Jahr) und der heimischen Produktion (200 Tonnen pro Jahr). Hierzulande erzeugt werden vor allem Karpfen und Forelle. Laut Marktanalyse besteht seitens Zwischen- und Großhändlern nur bei der Forelle eine relevante Nachfrage, während Karpfen vor allem direkt vermarktet werden.
Forelle oder Karpfen?
Während auf den ersten Blick aus ökonomischer Sicht die Forelle lohnenswerter erscheint, ist der Karpfen aufgrund der besonders naturnahen Erzeugung prädestiniert für die Bioerzeugung. Die Grundprinzipien der ökologischen Aquakultur sind:
- Umstellung des Gesamtbetriebs auf ökologische Produktionsweise,
- Schutz der umliegenden Ökosysteme,
- tiergerechte Besatzdichten,
- vorbeugender Schutz der Tiergesundheit, Einsatz natürlicher Heilmittel und Behandlungsmethoden,
- pflanzliche Futtermittel aus der Ökolandwirtschaft, bei Karnivoren höchsten 60 Prozent,
- nichtpflanzliche Rationsanteile vorzugsweise aus ökologischer Aquakulturproduktion,
- kein Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen, weder beim Futter noch beim Besatz.
Der Karpfen als Allesfresser mit geringen Ansprüchen an Futter und Umwelt ist für die ökologische Haltung besonders geeignet. Die Hauptunterschiede zur konventionellen Haltung stellen hier die ggf. notwendige Zufütterung von ökologisch zertifiziertem Getreide anstatt konventionellem sowie eine verringerte Besatzdichte dar. Die ökologische Haltung von Karpfen ist also relativ einfach umzusetzen. Beachten sollte man allerdings, dass die Nachfrage nach Karpfen vor allem saisonal hoch ist und dass Karpfen in der Regel direkt abgesetzt werden müssen.
Forellen hingegen werden hauptsächlich über den Handel vermarktet. Die karnivoren Tiere dürfen mit maximal 60 Prozent pflanzlichen Ökoerzeugnissen gefüttert werden, die nichtpflanzlichen Rationsanteile müssen vorzugsweise aus ökologischer Aquakulturproduktion stammen. Sollte dies nicht verfügbar sein, dürfen auch nichtpflanzliche Futtermittel aus anderen Herkünften verwendet werden (weitere Informationen dazu unter Fütterung von ökologischen Aquakulturtieren). Im Übergangszeitraum bis zum 31. Dezember 2014 dürfen sogar auch Fischmehl und Fischöl aus Überresten der Verarbeitung von Fischen aus nicht-ökologischer Aquakulturproduktion und für den menschlichen Verzehr gefangenen Wildfischen verfüttert werden. Insgesamt macht der Aspekt der Fütterung von Forellen mit mindestens 40 Prozent nichtpflanzlichem Futter deren Haltung zu einem deutlich intensiveren Produktionssystem als die Karpfenteichwirtschaft. Aufgrund der höheren Nachfrage des Handels und somit des geringeren Engagements für die Vermarktung ist die Forelle dennoch eine interessante Option.
Mehr Informationen
Haltung von Tieren in ökologischer Aquakultur
Tiere in ökologischer Aquakultur müssen artgerecht gehalten werden. Das bedeutet, dass ausreichend Bewegungsraum vorhanden und die Wasserqualität hoch sein muss, daneben müssen Wassertemperaturen und Lichtverhältnisse nach den Bedürfnissen der Tiere gestaltet werden.
Umgang mit ökologisch gehaltenen Aquakulturtieren
Für den Umgang mit ökologisch gehaltenen Aquakulturtieren müssen verschiedene Aspekte beachtet werden. Insbesondere bei Eingriffen (z.B. Impfen), beim Umgang mit Elterntieren, der Verwendung von künstlichem Licht, der Belüftung und dem Schlachten ist ein sorgfältiger Umgang notwendig.
Fütterung von ökologischen Aquakulturtieren
Wie bei anderen Tierarten gilt auch für das Fütterungsregime von Aquakulturtieren der Anspruch, dass Tiergesundheit und hohe Produktqualität, und dadurch eine hohe Qualität des verzehrbaren Endproduktes gewährleistet werden müssen. Daneben soll die Fütterung eine geringe Umweltbelastung zur Folge haben.
Krankheitsvorsorge und tierärztliche Behandlung in der Ökoaquakultur
Auch in der Aquakultur steht der vorbeugende Schutz der Tiergesundheit im Vordergrund. Treten trotz Krankheitsvorsorge gesundheitliche Probleme auf, können tierärztliche Behandlungen gemäß einer festgelegten Rangfolge durchgeführt werden:
Krankheitsvorsorge und -behandlung
Nachgehakt: Ökofischexperte Andreas Stamer zu den EU-Rechtsvorschriften zur Ökoaquakultur
Andreas Stamer, Senior Scientist für den Bereich Aquakultur in der Fachgruppe Tiergesundheit am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz, kritisiert die Durchführungsbestimmungen zur Ökoaquakultur in den EG-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau und unterbreitet Verbesserungsvorschläge.
Letzte Aktualisierung: 01.08.2011

