oekolandbau.de - Das Informationsportal



Mai 2010: Milchviehfütterung - hohe Leistung aus dem Grundfutter

 
Behornte Milchkühe beim Fressen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Kann bei der Milchviehfütterung auf Kraftfutter ganz oder teilweise verzichtet werden?
Foto: K.-P. Wilbois

Ein Ziel in der modernen Milchviehhaltung ist es, eine möglichst hohe Milchleistung aus dem Grundfutter zu erzeugen. Grundfutter ist wiederkäuergerecht und produziert das Rohprotein am billigsten. Biolandwirte sind zumeist sehr erfolgreich dabei, eine hohe Milchleistung bei Kühen aus dem Grundfutter zu erzielen. Aber auch Biomilchkühe erhalten in der Regel Kraftfutter, um ihre Milchleistungsfähigkeit möglichst weitgehend auszuschöpfen.

Ein Nachteil des Kraftfutters: Es besteht aus energiereichen Pflanzen wie Getreide und Körnerleguminosen, die in der Regel auch der menschlichen Ernährung dienen. Mehr als ein Drittel der weltweiten Getreideproduktion wird heute zur Tierernährung eingesetzt. Damit gerät die Kuh zumindest bei Teilen ihres Futters in Nahrungskonkurrenz zum Menschen - eine Tatsache, die angesichts rund einer Milliarde hungernder Menschen weltweit ethische Fragen aufwirft.

Projekt 'Feed no Food' untersucht nachhaltige Fütterung

Im Projekt "Feed no Food" prüfen Wissenschaftler, wie man den Wiederkäuer Kuh ausschließlich oder überwiegend mit Grundfuttermitteln versorgen kann. Es wird am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick (Schweiz) durchgeführt. Die Forscher wollen herausfinden, wie sich reduzierte Kraftfuttergaben auf die Tiergesundheit sowie die Qualität von Milch und Fleisch auswirken. Zum anderen spielt die Auswirkung auf die Umwelt und die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Auch die Frage, ob man auf Importe von Kraftfuttermitteln verzichten kann, soll beantwortet werden.

Die ersten Resultate stimmen die Wissenschaftler zuversichtlich: Die auf "Diät" gesetzten Kühe zeigen kaum Gewichtsabnahme, sondern gaben lediglich weniger Milch. Hinsichtlich der Milchqualität zeigte die Grundfutterfütterung sogar deutlich positive Wirkung. Der Veterinärmediziner Christophe Notz vom FiBL erläuterte: "Je mehr Raufutter, also Gras und Heu, die Kühe bekommen, desto besser ist die Milch. Sie enthält mehr Vitamine und mehr Omega-3-Fettsäuren."

"Feed no Food" will Lösungsansätze für eine biologische Milch- und Fleischproduktion entwickeln, die den Bedürfnissen der Wiederkäuer gerecht wird. Sie soll faire Bedingungen für die Produzierenden in Süd und Nord fördern und das Klima schonen. Das Projekt ist auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt und wird vom Coop Fonds für Nachhaltigkeit unterstützt. Eingebunden sind 80 Praxisbetriebe in der Schweiz.

Weitere Informationen zur Milchviehfütterung

Grundlagen Fütterung

Die Versorgung mit art- und bedarfsgerechtem Futter ist entscheidend für die Gesundheit und damit die dauerhafte Leistungsfähigkeit landwirtschaftlicher Nutztiere. So soll die Fütterung im Ökolandbau dem ernährungsphysiologischen Bedarf der Tiere in ihrem jeweiligen Entwicklungsstadium entsprechen. Sie ist eher auf die Erzeugung hoher Qualitäten als auf eine Leistungsmaximierung ausgerichtet.

Grundlagen Fütterung

Moderne Milchviehfütterung

Der Wiederkäuer ist dank seines Vormagensystems in der Lage, aus für den Menschen nicht nutzbarem Raufutter die hochwertigen Lebensmittel Milch und Fleisch zu erzeugen.

Moderne Milchviehfütterung

'Vollgas' oder 'Voll-Gras'

Die Frage nach der richtigen Strategie für die ökologische Milchviehhaltung beschäftigt die Betriebsleiter zunehmend. Geht es nur mit hohen Milchleistungen ("Vollgas") oder lässt sich auch mit geringeren Leistungen, hauptsächlich aus dem Grundfutter erzeugt ("Voll-Gras"), ein angemessener Betriebsgewinn erzielen?

Strategien für die Milchviehfütterung

Praktikerbericht: 7.500 kg Milch aus dem Grundfutter

Martin Send und seine Frau bewirtschaften einen Bioland-Hof im Allgäu mit 25 Braunviehkühen plus Nachzucht. Die Milch wird an eine Emmentalerkäserei geliefert. Bei der Zucht strebt Send gesunde langlebige Kühe mit einer durchschnittlichen Jahresleistung von 7.000 bis 7.500 Kilogramm Milch an.

Praktikerbericht

Letzte Aktualisierung: 28.04.2010

Seitenende