Mai 2011: Mehr Widerstand im Weinberg: Robuste Rebsorten
Robuste, pilzwiderstandsfähige Rebsorten (kurz: Piwi) stellen im ökologischen Weinbau eine interessante Alternative dar. "Pilzwiderstandsfähig" bedeutet eine unterschiedlich stark ausgeprägte Resistenz gegen den Falschen und den Echten Mehltau, die die größten Risiken für den Bio-Winzer darstellen; in der Praxis bedeutet das eine deutliche Reduzierung der Pflanzenschutzmaßnahmen. Der Anbau von Piwi-Sorten ist deshalb für den Ökolandbau, aber auch für den konventionellen Anbau interessant. Denn eine geringere Anzahl an Pflanzenschutzmaßnahmen hat neben positiven ökologischen Effekten auch ökonomisch Vorteile: Aus ökologischer Sicht trägt der Piwi-Anbau zur Ressourcenschonung bei, und zwar sowohl durch eine reduzierte Kupferanwendung als auch durch eine verringerte Anzahl von Überfahrten, wodurch Bodenbelastungen vermieden, die Nützlingsentwicklung und das Begrünungsmanagement verbessert werden und nicht zuletzt Treibstoff eingespart wird. Ökonomisch gesehen bringt der Piwi-Anbau durch die reduzierten Überfahrten geringere Kosten- und Arbeitszeiten sowie insbesondere in Hanglagen eine enorme Arbeitserleichterung.
Die Piwi- Reben sind aus Kreuzungen zwischen Europäerreben und pilzresistenten amerikanischen Arten hervorgegangen; in neueren Züchtungen können auch asiatische Arten beteiligt sein. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Piwi-Züchtung in Europa, da zu dieser Zeit Falscher und Echter Mehltau aus Nordamerika eingeschleppt wurden, die die traditionellen, nicht widerstandsfähigen Sorten stark in Mitleidenschaft zogen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verloren die Piwi-Sorten durch die Verwendung amerikanischer Unterlagen sowie neuer Fungizide an Bedeutung. Ihr Potential für einen umweltschonenden Anbau wurde erst im Laufe der Achtzigerjahre erkannt. Inzwischen bauen immer mehr (Bio-)Winzer neben den traditionellen Rebsorten auch die eine oder andere Piwi-Sorte an.
Einige Piwi-Sorten haben bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Zu den bekannteren zählen im Weißweinbereich unter anderem Johanniter, Merzling und Solaris sowie im Rotweinbereich Regent, Leon Millot und Marechal Foch. Das derzeitige Angebot an Piwi-Sorten ist aber noch deutlich größer; einen guten Überblick bietet die Aufstellung von
Piwi-International.
Im Anbau ersparen die Piwi-Sorten dem Winzer Arbeit, dafür sind im Ausbau und in der Vermarktung Kreativität gefragt. Je nach Piwi-Sorte gibt es im Ausbau nur wenige Erfahrungswerte, so dass hier oft eigene Ideen und Ausprobieren gefordert sind. Auch in der Vermarktung ist Ideenreichtum erforderlich, denn Weine mit unbekannter Rebsortenbezeichnung sind - egal wie sie schmecken - schwieriger zu verkaufen und deshalb sehr "beratungsintensiv". Manche Winzer behelfen sich bei neuen Rebsorten damit, Cuvées mit bekannten Rebsorten und vertrautem Geschmack zu schaffen.
Pilzwiderstandsfähige Sorten ("Piwis")
Zum Rebsortiment der Ökowinzer gehören in erster Linie die traditionellen Rebsorten, wobei in verstärktem Maß auf den richtigen Standort für die jeweilige Sorte geachtet werden muss. Die Sortenwahl hat entscheidenden Einfluss auf später notwendige Pflanzenschutzmaßnahmen und damit auf arbeits- und betriebswirtschaftliche Ergebnisse.
Pilzwiderstandsfähige Sorten ("Piwis")
Weiße pilzwiderstandsfähige Sorten
Im Weißweinbereich gibt es einige Piwi-Sorten, die bereits klassifiziert sind, wie zum Beispiel Johanniter und Merzling. Eine weitere vielversprechende Züchtung vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg mit guten Anbaueigenschaften und interessantem Weintyp ist Helios.
Weiße pilzwiderstandsfähige Sorten
Pilzwiderstandsfähige rote Rebsorten
Gerade im Rotweinbereich ist ein internationaler Weinstil gefragt, um im Wettbewerb mithalten zu können. Der Weincharakter entscheidet letztendlich über die Marktakzeptanz. Deshalb unterscheiden das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg und der private Züchter Valentin Blattner aus der Schweiz ihre neueren Piwi-Züchtungen aufgrund ihrer Weintypen
Rote pilzwiderstandsfähige Rebsorten
"Piwis": Ansprechpartner, Rebschulen, Züchter
Letzte Aktualisierung: 04.05.2011

