Biologie des Huhns
Abstammung
Die Hausform des Huhnes (Gallus gallus domesticus) stammt vom Bankivahuhn (Rotes Dschungelhuhn) ab und lässt sich folgendermaßen in die Systematik der Tierarten einordnen:
- Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
- Familie: Fasanenartige (Phasianidae)
- Unterfamilie: Fasane (Phasianinae)
- Gattung: Kammhühner (Gallus)
Das Bankivahuhn ähnelt im Körperbau den deutschen Zwerghühnern bzw. den rebhuhnartigen Italienern. Das Lebendgewicht der Hennen liegt bei 700 Gramm und das der Hähne bei 1000 Gramm. Es ist in Südostasien weit verbreitet und lebt dort an trockenen Berghängen mit ausreichend Trinkwasserangebot und an den Rändern der Bambuswälder.
Sinnesleistungen
Die Sinnesleistungen einer Tierart haben sich entsprechend ihres jeweiligen Lebensraumes und ihrer Lebensweise entwickelt. Dieser Anpassungsprozess sichert den Erhalt der Art und steht in engem Zusammenhang mit seinem Verhalten.
Sehsinn
Vögel gelten als Augentiere und der Sehsinn als ihr Leitsinn. Die Augen sind vornehmlich für den Nahbereich geeignet. Stillstehende Objekte ab 50 Meter Entfernung werden nicht mehr gesehen. Das Bewegungssehen ist besser ausgeprägt. Räumliches Sehen ist im 30 Grad Bereich über dem Schnabel möglich und wird ansonsten durch abwechselndes Fixieren mit dem linken oder dem rechten Auge unter Kopfwenden oder durch Annäherung im Zickzackgang ersetzt.
Das Hühnerauge nimmt eine höhere Frequenz an Lichtblitzen (über 100/ sec.) als das menschliche Auge wahr. Bei Kunstlicht mit Fluoreszenzlampen (viele kleine Lichtimpulse) wird das Licht nicht als kontinuierlich empfunden und führt deshalb zu Unruhe in der Herde. Der UV-Bereich wird wahrgenommen.
Gehörsinn
Die Lautwahrnehmung ist für das ursprünglich in Wäldern und Buschlandschaften lebende Huhn von überlebenswichtiger Bedeutung. Aber auch als sozial lebendes Tier ist der Gehörsinn für die innerartliche Kommunikation wesentlich. Hühner vermögen mehr verschiedenartige Laute hervorzubringen als alle anderen Nutz-Geflügelarten (etwa 30 verschiedene Lautäußerungen), was ein sehr differenziertes Gehör voraussetzt.
Tastsinn
Als Tastorgan ist bei Hühnern der Schnabel von Bedeutung. Er ist von zahlreichen, dichten Nervenbündeln durchzogen, die sich zu den Schnabelrändern und zur Schnabelspitze hin fein verästeln und in den Tastkörperchen enden. Werden die Schnäbel kupiert, so werden auch die in der Schnabelspitze vorhandenen Tastkörperchen entfernt. Dies führt zu einer Veränderung des Fressverhaltens. Die Bildung von Nervenfasergeschwülsten (Neuromen) ist möglich. Letztendlich ist das Schnabelkupieren die Verstümmelung eines hochsensiblen Organs.
Der Schnabel reagiert auf Temperaturen, mechanische Reize und sehr wahrscheinlich auf Schmerz. Über den Aufschlag mit dem Schnabel bekommt das Huhn Informationen über Größe, Form, Oberflächenbeschaffenheit, Härte und Höhe von Futterstoffen. Mit Hilfe des Schnabels wird das Gefieder geordnet, gereinigt und gefettet.
Temperatursinn
Die Sinneszellen zur Temperaturwahrnehmung liegen unter der Haut und in der Schleimhaut der Schnabel- und Rachenhöhle. Hühner reagieren auf Kälte weniger empfindlich als auf Hitze. Die normale Körpertemperatur beträgt 40 bis 41 Grad.
Geschmackssinn
Der Geschmackssinn dient der Kontrolle von aufgenommenem Futter und Wasser. Hühner haben relativ wenige Geschmacksknospen (25; im Vergleich dazu: Ente 200, Schwein 15.000 und Mensch 10.000). Allerdings sind bei trockenen Futtermitteln (Körnern) auch weniger Geschmacksknospen notwendig. Hühner können zwischen süß, sauer und salzig unterscheiden. Gegenüber Bitterstoffen sind Hühner relativ unempfindlich, wenn daraus keine physiologischen Rückkopplungen resultieren.
Literatur
- Appleby, M.C., Hughes, B.O. and Elson, H.A. (1992): Poultry Production Systems: Behaviour, Management and Welfare. CAB International, Wallingford.
- Bogner, H. und A. Grauvogl (1984): Verhalten landwirtschaftlicher Nutztiere. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart.
- Engelmann, C. (1984): Leben und Verhalten unseres Hausgeflügels. Neumann-Neudamm Verlag, München.
Letzte Aktualisierung: 02.01.2012


