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Grün- und Minimalauslauf

 
Hühner im Auslauf mit hohen Bäumen
Bäume dienen als natürliche Strukturierungs- und Schutzmöglichkeiten im Auslauf.
(c) BAT e.V.

Ein wesentliches Element der Freilandhaltung ist das natürliche Licht. Es hat auf die Hühner vielfältige Wirkungen: Als Zeitgeber beeinflusst es den jahreszeitlichen Rhythmus (Brut, Mauser) sowie den Tagesrhythmus. Es hat positiven Einfluss auf die Physiologie und Gesundheit (Bildung von roten und weißen Blutkörperchen, Vitamin D sowie Hormonen des Wachstums und der Fortpflanzung). Natürliches Licht löst auch einzelne Verhaltensweisen direkt aus, zum Beispiel Ruhen, Sand- und Sonnenbaden, Putzen, Eiablage. Außerdem führt es zur stärkeren Durchblutung unbefiederter Körperteile (roter Kamm, rote Kehllappen).

Infrarotes Licht führt zu einer oberflächlichen Übererwärmung, die zur vermehrten Durchblutung der Haut und Muskulatur beiträgt. Ultraviolettes Licht (UV) hemmt als indirekte Wirkung das Bakterienwachstum und wirkt damit gegen verschiedene Entwicklungsstadien von Parasiten, vermindert also die Infektionsgefahr für die Hühner.

Ein Auslauf entspricht den natürlichen Bedürfnissen von Hühnern und der weitaus größte Teil ihres Verhaltensrepertoires kann dort ausgelebt werden.

Vorteile der Auslaufhaltung:

  • Sonnenlicht und Klimareize fördern die Konstitution
  • Raumübergreifende Verhaltensweisen sind möglich (Rennen, Fliegen etc.)
  • Umweltvariation: stärkere Ablenkung bei Futtersuche, Körperpflege und Komfortverhalten
  • Das Ausmaß von Federpicken und Kannibalismus kann verringert werden
  • Geringere Schreckhaftigkeit bzw. Angstreaktionen nach Transport
  • Gutes Image bei den Verbrauchern

Risiken der Auslaufhaltung:

  • Überbeanspruchung und Überdüngung stallnaher Flächen bei stationären Stallgebäuden
  • erhöhte Verluste durch Raubtiere bei großen Auslaufdistanzen
  • Anreicherung von Parasiten und erhöhte Gefahr der Reinfektion mit Endo- und Ektoparasiten bei stationären Ställen
  • Erschwerte Klimatisierung des Stalles
Hühner-Unterstand auf Weide
Ein Unterstand bietet den Hühnern Schutz
© O. Volling

Auslaufformen können in den Minimal- (Kaltscharrraum, Wintergarten) und in den Grünauslauf unterschieden werden. Im Grünauslauf können die Hühner uneingeschränkt ihre arteigene Verhaltensweisen ausleben. Wichtig für die Nutzung des Auslaufes und Schutz vor Feinden und Witterung ist eine gute Strukturierung. Hierzu zählen die natürlichen (zum Beispiel Bäume, Sträucher und Hecken) und die künstlichen Schutzmöglichkeiten (zum Beispiel tunnel-, spitz- oder pultdachförmige Unterstände).

Vorteile von Bäumen und Sträuchern:

  • Schutzmöglichkeit für die Tiere (Greifvögel, Sonne, Wind)
  • Dienen der Integration der Hühneranlage in die Landschaft
  • Gehölze nehmen Nährstoffe auch aus tieferen Zonen auf (geringere Nährstoffauswaschung bzw. -anreicherung)

Nachteile von Bäumen und Sträuchern: 

  • Relativ große Flächen werden dauerhaft beschattet. Dies führt zu geringerer Qualität des darunter liegenden Bewuchses und verminderter Desinfektion der Flächen (ultraviolette Strahlung)
  • Maschinelle Bearbeitung ist erschwert
  • Hohe Bäume werden von Greifvögeln als Ausgangsort für die Jagd genutzt

Zusätzliche Möglichkeiten, um Verluste durch Raubtiere zu verringern sind beispielweise Vogelscheuchen, Hähne oder Pfaue in der Herde sowie sonstige Elemente (Bänder, Spiegel, Radios, verspiegelte Glaskugeln, gespannte Schnüre, Aluminiumstreifen etc.). Damit sich die Raubvögel nicht an die Objekte gewöhnen, ist Abwechslung wichtig.

Gesetzliche Bestimmungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zum Auslauf: 

  • Vorgeschrieben sind vier Quadratmeter Auslauffläche je Henne bei ausreichend Tränken und Futtertrögen sowie maximal 230 Legehennen pro Hektar. Der jährliche Stickstoffeintrag in den Boden darf durchschnittlich 170 Kilogramm pro Hektar nicht überschreiten.
  • Die Auslauföffnungen müssen eine kombinierte Länge von mindestens vier Metern je 100 Quadratmeter des den Tieren zur Verfügung stehenden Stallgebäudes (Nettostallgrundfläche) haben.
  • Sofern die Witterungsbedingungen es ermöglichen, ist den Tieren freier Zugang zur Auslauffläche zu gewähren
  • Im Auslauf befindliches Futter- und Wasserangebot ist so einzurichten, dass Wildvögel keinen ungehinderten Zugang zu diesen Einrichtungen erhalten können (Geflügelpestschutz-Verordnung)

Aus der Forschung - für die Praxis:

Fütterung und Legeleistung bei Grünauslauf

Welchen Einfluss hat der Grünauslauf auf Fütterung und Leistung? Erste Ergebnisse eines Forschungsprojektes im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtFütterungsstrategien für Legehennen in Haltungssystemen mit Grünbewuchs im Auslauf (BÖL-Projekt 02OE505)

Aus der Forschung - für die Praxis

Thermische Verfahren zur Bodendesinfektion

Bei der Freilandhaltung kann es zu einer Anreicherung von Krankheitserregern und Fäkalkeimen in den oberen Bodenschichten kommen, die unter Umständen Desinfektionsmaßnahmen erforderlich macht. Mit dem Ziel, umweltfreundliche und praktikable Verfahren der Bodendesinfektion zu entwickeln, wurde an der Universität Hohenheim die Wirksamkeit verschiedener thermischer Verfahren getestet. Dabei wurden unterschiedliche Standorte, Bodenarten und Witterungsbedingungen berücksichtigt.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtUntersuchungen praxisrelevanter thermischer Verfahren zur Bodendesinfektion am Beispiel ausgewählter Mikroorganismen (FKZ 02OE150)

Aus der Forschung - für die Praxis:

Belastungsresistente Pflanzen für den Geflügelauslauf

In der Freilandhaltung von Geflügel wird die Auslauffläche sehr stark belastet; dies hat häufig eine Verkahlung des Bodens zur Folge. Es sind daher in Ergänzung zu den üblichen Maßnahmen der Auslaufpflege auch pflanzenbauliche Strategien nötig, um eine intakte Vegetationsdecke zu erhalten. Wissenschaftler der Uni Göttingen haben in einem Forschungsprojekt vierzehn Grünlandgräser und -kräuter für die Etablierung von belastbaren Grasnarben im Geflügelauslauf untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Kräuter generell weniger zur Bepflanzung von Auslaufflächen für Legehennen geeignet sind als die Grasarten. Insgesamt die höchste Leistungsfähigkeit unter den untersuchten Arten zeigten Poa supina (Lägerrispe) und Festuca arundinacea (Rohrschwingel).

Näheres zum Projekt:

Opens external link in current windowEignung belastungsfester Pflanzenarten für die Etablierung von Grasnarben für die Geflügel-Außenhaltung

Literatur

  • Deerberg, F. (2006): Auslaufmanagement in alternativen Legehennenhaltungen in: Knieriem, Schrader, Steiger, (Hrsg.): Alternative Legehennenhaltung in der Praxis: ERfahrungen, Probleme, Lösungsansätze; Sonderheft 302, Landbauforschung Völkenrode (2006), ISBN 0376-0723
  • Deerberg, Joost-Meyer zu Bakum, Staack (Hrsg.): "Artgerechte Geflügelerzeugung - Fütterung und Management" Stiftung Ökologie und Landbau und bioland Verlags GmbH, 2004, 176 Seiten
  • Hartmann, I. (2002): Zeitgemäße Legehennenhaltung. Land & Forst, Schriftenreihe: Tierhaltung, DLG-Verlag, Hannover.
  • Hirt, Helen, Veronika Maurer, Esther Zeltner, Beat Bapst und Siegfried Hartnagel (2001): Legehennenauslauf tiergerecht und nachhaltig. FiBL, Merkblatt, 12 Seiten,
  • Hörning, B., G. Trei, M. Hofner, D.W. Fölsch (2002): Auslaufhaltung von Legehennen. KTBL-Arbeitspapier Nr. 279, Darmstadt.

Letzte Aktualisierung: 02.01.2012

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