Stallklimaregulierung

- Das Stallklima spielt für die Gesundheit der Tiere eine wichtige Rolle: Die Zuluft in den Stall wird hier automatisch über eine Klappe geregelt. Die Form der Klappe garantiert eine optimale Lufteinströmung.
(c) F. Deerberg
Klimaansprüche
Das Klima wirkt sich auf das Wohlbefinden und Verhalten der Tiere aus. Die optimale Temperatur zum Eierlegen liegt zwischen 15 und 20 Grad, bei gesunden Tieren sind zehn bis zwölf Grad ausreichend. Hühner vertragen Minustemperaturen gut, allerdings können bei Temperaturen unter Null Grad Kamm und Kehllappen abfrieren. Bei Temperaturen über 25 Grad wiederum nimmt die Eigröße ab. Temperaturen über 30 Grad führen zu Stressreaktionen. Küken und Jungtiere hingegen sind sehr wärmebedürftig und benötigen je nach Alter Umgebungstemperaturen zwischen 18 und 32 Grad.
Bei nasser und kalter Witterung verlassen die Hühner den Stall später, bleiben kürzere Zeit draußen und halten sich bevorzugt an geschützten Plätzen (unter Bäumen, Vordach etc.) auf. Hitze verringert die Aktivität der Hühner, sie suchen den Schatten auf, benetzen Kamm und Kehllappen. Eine erhöhte Blutzirkulation sorgt für die Wärmeableitung (Leghorn mit den großen Kämmen sind hitzetoleranter). Bei leichtem Regen nutzen Hühner vermehrt den Auslauf, während bei starkem Regen die Auslaufnutzung deutlich sinkt.
Durch Isolation, Heizung und Belüftung der Stallgebäude soll ein Stallklima geschaffen werden, welches den Bedürfnissen der Tiere gerecht wird. Ein gutes Stallklima kann auch zur Krankheitsvorsorge beitragen.
Legehennenställe
Die Regulierung der Stallinnentemperatur, relativen Luftfeuchte sowie Schadgaskonzentration ist durch entsprechenden Luftaustausch (zum Beispiel über Schwerkraftentlüftungs- bzw. Zwangsbelüftungssysteme) zu gewährleisten. Bei den üblichen Stallraumhöhen von etwa 2,7 bis 3,0 Metern kann die Schwerkraftentlüftung bis zu einer Besatzstärke von vier Hennen pro Quadratmeter Stallgrundfläche noch eingesetzt werden. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass dieses Lüftungssystem bei austauscharmer Wetterlage (Inversionslage) seine Funktionsfähigkeit zumindest zeitweilig verliert. Bei Inversionswetterlage ist die Temperaturdifferenz zwischen Stallluft und Außenluft nicht ausreichend, und gleichzeitig ist die Geschwindigkeit der Außenluft zu gering. In Gebieten, in denen es bekanntermaßen wiederkehrend zu derartigen Wetterlagen kommen kann, ist eine Zwangsbelüftung vorzusehen.
Für geplante Besatzstärken von mehr als vier Hennen pro Quadratmeter ist eine Zwangsbelüftung des Stallraumes erforderlich. Das häufigste Verfahren ist die Unterdruckentlüftung. Es ist zu beachten, dass in Abhängigkeit von der Zulufttemperatur die maximale Luftgeschwindigkeit im Tierbereich etwa 0,10 Meter pro Sekunde beträgt und länger andauernd 0,20 Meter pro Sekunde nicht überschreitet. Die Zuführung der Frischluft erfolgt über Öffnungen im Stalldeckenbereich oder in den Außenwänden, die als freie Öffnungen (zum, Beispiel Fenster, Schlitze) oder geschützte Öffnungen (zum Beispiel Windschutznetze, luftdurchlässige Platten) ausgeführt werden.
Die relative Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 60 und 80 Prozent liegen. Durch Regel- und Steuerungseinrichtungen kann erreicht werden, dass die Ammoniakkonzentration 10 ppm nicht übersteigt. Die minimalste Variante der Regeltechnik besteht aus einem Drehzahlregler für den Ventilator. Dabei müssen die Drehzahl und die Lufteintrittsfläche entsprechend den klimatischen Gegebenheiten manuell aufeinander abgestimmt werden; unter Umständen auch mehrmals pro Tag.
Eine konstantere Luftqualität im Stallinneren lässt sich jedoch durch Sensoren erreichen. So können über Temperatur-, Luftfeuchtigkeits- und Schadgassensoren sowohl Lüfter als auch Lufteintrittsöffnungen gesteuert werden. Neben einer kontinuierlichen Luftaustauschrate und einer entsprechenden Luftführung, die den Kot trocknen lässt, ist eine regelmäßige Entfernung des Kotes (ein- bis zweimal pro Woche) eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung des Schadgasgehaltes in der Stallluft.
Geflügelmastställe
In Aufzuchtsställen ist zunächst der erhöhte Wärmebedarf der Küken zu berücksichtigen. Die Luftfeuchtigkeit soll 60 bis 70 Prozent betragen und der Ammoniakgehalt im Durchschnitt der Mastperiode 10 ppm nicht übersteigen. Dazu ist eine Luftrate von etwa sechs bis sieben Kubikmeter je Stunde und Kilogramm Lebendgewicht vorzusehen.
In der Geflügelmast sind Ställe ohne Zwangsentlüftung (zum Beispiel Louisiana-Ställe) häufig vorzufinden. Die Stallklimaregulierung dieses Stalltyps beruht auf einer ausreichenden Luftaustauschrate durch die Besatzstärke und einer Ausrichtung quer zur Hauptwindrichtung. Für eine ausreichende Luftumwälzung im Sommerhalbjahr sind zusätzliche Möglichkeiten einer Luftumsetzung vorzusehen. Auch bei mobilen Ställen ist eine gute Stallklimaregulierung zu gewährleisten, da die Tiere auch während der nächtlichen Ruhephase eine gute Luftqualität benötigen.
Letzte Aktualisierung: 03.01.2012
