Volierenhaltung
Ein wesentliches Merkmal der Volierenhaltung ist die Nutzung der dritten Dimension. Die Tiere können flatternd und fliegend Sitzstangen und die verschiedenen Ebenen der Volierenblöcke erreichen. Die Aktivitäten der Hennen sind so auf verschiedene Zonen des Stalles aufgeteilt, das heißt Trinken, Fressen und Schlafen bzw. Ruhen erfolgen in verschiedenen Bereichen des Volierenblockes.
In der Volierenhaltung kann grundsätzlich unterschieden werden in Systeme, bei denen die Blöcke mit der ersten Ebene auf dem Stallboden stehen und solchen, die erhöht über dem Stallboden aufgebaut sind. Bei letzteren Systemen kann die gesamte Nettostallgrundfläche den Tieren als Scharraum zur Verfügung gestellt werden, was einen ungehinderten Wechsel von einer zur anderen Stallseite ermöglicht.
Ferner ist zu unterscheiden zwischen "geschlossenen Systemen", die von außen über Anflugstangen oder Anflugplattformen erreicht werden und "offenen Systemen", in denen die Tiere innerhalb des Volierenblockes zwischen den Ebenen wechseln können.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Begehbarkeit des Volierenblockes. Seit dem Jahr 2000 werden vermehrt auch Kompaktanlagen angeboten. Diese Volieren zeichnen sich dadurch aus, dass die Volierenlaufebenen und Nestanlage in einem Block sind und der Tierbetreuer in der Längsachse einen begehbaren Kontrollgang hat.
Die Anzahl der Etagen in den Volierenblöcken variiert sowohl zwischen den einzelnen Systemen als auch innerhalb des Systems. Dies ermöglicht eine Variation der Besatzdichte und der Art der räumlichen Trennung der Ruhe-, Fress- und Trinkzonen. Die Blockbreiten variieren zwischen 1,4 bis zu 2,8 Meter. Die Volierensysteme werden von den Firmen ständig weiterentwickelt, so dass immer wieder neue Varianten auf den Markt kommen. Einige übliche Systeme werden im Folgenden exemplarisch dargestellt.
Geschlossene Volierensysteme
Boleg
Ein Beispiel für geschlossene Volierenssystenme sind die drei Boleg-Varianten aus der Schweiz. Kennzeichen von Boleg 3:
- Der Volierenblock ist mittig im Stall angeordnet.
- Der Scharrraum befindet sich beidseits und unterhalb des Blockes.
- Es sind zwei entmistbare (zum Beispiel Kotband/ Schrapper) Ebenen (zum Beispiel Gitter-/ Sitzstangenebene) sowie eine obere Sitzstangenebene vorhanden.
- Die Kettenfütterung erfolgt auf zwei Etagen.

- Boleg 2 mit zwei entmistbaren Ebenen und zwei Ebenen mit erhöhten Sitzstangen
(c) Menke
Natura
Der Volierenblock Natura aus Deutschland wird in unterschiedlichen Höhen (2,6 und 2,2 Meter) angeboten. Kennzeichen von Natura (B) 2e:
- Der Volierenblock ist mittig im Stall angeordnet.
- Der Scharrraum befindet sich beidseits und unterhalb der Blockaufbauten.
- Es sind zwei übereinander angeordnete entmistbare Etagen mit Kunststoffgitterboden vorhanden.
- Zuoberst befindet sich eine Sitzstangenebene (Lattenrost).
- Kettenfütterung und Nippeltränken sind auf beiden unteren Etagen vorhanden.
Offene Volierensysteme
Oeko-Voletage
Das Volierensystem Oeko-Voletage wird in Deutschland hergestellt. Kennzeichen von Oeko-Voletage:
- Der Volierenblock ist mittig im Stall angeordnet.
- Der Scharrraum befindet sich beidseits und unterhalb des Blockes.
- Der Blockaufbau besteht aus versetzten Vier-Halbetagen mit Kotbandentmistung.
- Lattenrost-/ Sitzstangenböden bzw. Sitzstangen-/ Gitterböden dienen zum Aufbaumen.
- Die Kettenfütterung und Nippeltränken sind auf allen, bzw. zwei Etagen vorhanden.

- Offenes Volierenhaltungssystem Oeko-Voletage
(c) Menke
Harmony
Das Volierensystem Harmony ist ein System aus Dänemark. Kennzeichen von Harmony 3:
- Der Volierenblock ist mittig im Stall angeordnet.
- Der Scharrraum befindet sich beidseits des Blockes.
- Über einer Grundetage befinden sich zwei entmistbare (Kotbandentmistung) versetzte Gitter- und Sitzstangen-Fütterungsebenen.
- Zuoberst ist Sitzstangenebene angeordnet.
- Die Kettenfütterung erfolgt auf drei Etagen, die Nippeltränken sind auf einer Etage angeordnet.
Red L
Das Red L-System ist ein Volierenhaltungssystem aus den Niederlanden. Kennzeichen von Red L:
- Begehbarer Volierenblock mit einem großräumigen, begehbaren Scharrraum unterhalb des Systems.
- Über dem Scharraum ist eine erhöhte entmistbare Hauptebene angeordnet mit auf beiden Seiten jeweils sechs versetzt angeordneten, ebenfalls entmistbaren Halbebenen.
- Die Fütterung findet auf allen Ebenen statt. Die Tränken sind auf drei Ebenen angebracht.
- Die Legenester befinden sich auf und unter dem Volierensystem.
- Erfordert einen geringen Platzbedarf.
Allgemeine Empfehlungen:
- Schmalere Blöcke erleichtern die Reinigung und sind heller sowie übersichtlicher.
- Unterschiedliche Bauweisen in einem Stall (zum Beispiel Einzel- und Gruppennester) sollten vermieden werden.
- Es sollten Ebenen ohne Fütterungs- / Tränkeeinrichtungen, die als Ruhezonen dienen, angeboten werden.
- Als Ruhezonen sollten erhöhte Sitzstangen im oberen Bereich angbracht werden.
Die Vorteile von Volierenhaltungssystemen gegenüber der Bodenhaltung ergeben sich zum einen aus der Nutzung der dritten Dimension im Stall und zum anderen aus der Trennung der Funktionsbereiche:
- Aufstangen der Tiere möglich (auch als Ausweichen bei Auseinandersetzungen)
- Bessere Trennung der Funktionsbereiche (insbesondere, wenn reine Ruhebenen angeboten werden)
- Besseres Stallklima durch häufige Entmistung mittels Kotbändern
- Mehr Tiere pro Quadratmeter Stallgrundfläche verursachen geringere Gebäudekosten
- Keine Heizung notwendig aufgrund höherer Besatzdichte
Nachteile von Volierenhaltungssystemen gegenüber der Bodenhaltung:
- Erfordern mehr Stalleinrichtungselemente, sind daher teurer und bieten weniger Möglichkeiten von Eigenleistungen beim Bau
- Höherer Wartungsaufwand der Stalleinrichtungen (Reinigung, Desinfektion etc.)
- Aufwändige Stallklimaregelung (Einrichtungsgegenstände behindern den Luftaustausch).
- Weniger übersichtlich, erschweren daher die Tierkontrolle.
- Durch höhere Besatzdichte steigt Gefahr höherer Schadgaskonzentrationen
Literatur
- Hartmann, I. (2002): Zeitgemäße Legehennenhaltung. Land & Forst, Schriftenreihe: Tierhaltung, DLG-Verlag, Hannover.
- Häne, M. (1999): Legehennenhaltung in der Schweiz 1998. Schlussbericht, Bundesamt für Veterinärwesen.
Letzte Aktualisierung: 03.01.2012






