Allgemeine Hygienemaßnahmen
Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen sind probate Mittel zur Krankheitsvorbeugung. Von der EU-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau werden sie mindestens zwischen zwei Durchgängen (also vor einer Stallneubelegung) vorgeschrieben.
Eine besonders gründliche Reinigung des Stallinnenraumes und des überdachten Auslaufes ist nach Auftreten ansteckender Krankheiten durchzuführen. Ziel von Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen ist es, das Infektionspotenzials auf ein für die Tiere unproblematisches Niveau zu verringern. Grundlage ist die regelmäßige mechanische Reinigung des Stalles und seiner Einrichtungsgegenstände, was durchaus auch während der Stallbelegung erforderlich sein kann.
Die Reinigung kann trocken und feucht erfolgen. Die Entfernung von Kotbrücken in der Einstreu kann zum Beispiel während der Belegung trocken erfolgen. Eine gründliche mechanische Nassreinigung wird mittels Hochdruckreiniger/ Dampfstrahler und Zusätzen wie organische Säuren (Essig u.ä.), Seife und Desinfektionsmittel durchgeführt. Wird sie sorgfältig gemacht, kann bereits eine Vielzahl von Krankheitserregern reduziert oder gar eliminiert werden. Hinreichende Reinheit ist erreicht, wenn alle Oberflächen durchgängig sauber sind und das abfließende Wasser frei von sichtbaren Verschmutzungen ist.
Einrichtungselemente extra reinigen
Ratsam ist ebenfalls auch der Abbau (ganz oder teilweise) von Einrichtungselementen wie Sitzstangen, Rosten, Tränken etc., die außerhalb des Stalles noch gründlicher gereinigt und der keimtötenden UV-Einstrahlung (Sonne, künstliches UV-Licht) ausgesetzt werden können.
Beim Geflügel spielt die sukzessive Anreicherung von spezifischen Krankheitserregern, die nach einer Reihe von Durchgängen erhebliche Probleme bereiten können, eine besondere Rolle. Daher sollte zwischen zwei Einstallungsphasen mit umweltschonenden Präparaten desinfiziert werden. Dabei ist unter Berücksichtigung der nach EU-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau zulässigen Mittel auf eine ausreichende Benetzung der Anlagen zu achten. Gegebenenfalls sind auch Maßnahmen gegen Endo- und Ektoparasiten zu ergreifen. Dabei ist unter Umständen ein zeitweiliger Wechsel der Desinfektionsmittel bzw. der Wirkstoffe ratsam, um das Auftreten von Resistenzen zu vermeiden. Es können aber auch Desinfektionsmaßnahmen während der Belegungsphase erforderlich werden. Eine Liste zulässiger Desinfektionsmittel findet sich in Anhang VII der EG-Verordnung 889/2008 (Durchführungsbestimmungen).
Kalk gegen Keime
Kalkanstriche, die jährlich zu erneuern sind, haben eine gute keimhemmende Langzeitwirkung. Zur Boden- und Auslaufdesinfektion kann Branntkalk eingesetzt werden. Dieser sollte nach Einwirkung mit Wasser abgelöscht werden.
Hygienemaßnahmen betreffen auch den Tierhalter. Hat er mehrere Ställe, womöglich gar mit unterschiedlichen Geflügelarten oder unterschiedlichen Altersgruppen besetzt, sollte er für jeden Stall separate Bekleidung und separates Schuhwerk verwenden. Zu Arbeitsbeginn sollten zuerst die Jungtiere, danach die älteren Tiere versorgt werden.
Zu den allgemeinen Hygienemaßnahmen gehören auch Arbeiten, die der täglichen Bestandsführung angehören. Wichtig in diesem Zusammenhang sind die Reinigung der Tränkeanlagen, Futtertechnik, insbesondere bei Außensilos und die Reinigung der Nestanlagen. Ein weiterer häufig unterschätzter Faktor ist die Einstreuqualität. Insbesondere für die Jungtieraufzucht ist die Verwendung einer einwandfreien Einstreu unerlässlich. In diesem Fall beginnen die Hygienemaßnahmen schon bei der Bergung und Lagerung des Materials.
Aus der Forschung - für die Praxis
Thermische Verfahren zur Bodendesinfektion
Bei der Freilandhaltung kann es zu einer Anreicherung von Krankheitserregern und Fäkalkeimen in den oberen Bodenschichten kommen, die unter Umständen Desinfektionsmaßnahmen erforderlich macht. Mit dem Ziel, umweltfreundliche und praktikable Verfahren der Bodendesinfektion zu entwickeln, wurde an der Universität Hohenheim die Wirksamkeit verschiedener thermischer Verfahren getestet. Dabei wurden unterschiedliche Standorte, Bodenarten und Witterungsbedingungen berücksichtigt.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 03.01.2012

