Kokzidiose
Kokzidien sind Endoparasiten, von denen jede Geflügelart befallen werden kann. Bei der Kokzidiose handelt es sich um eine Darmerkrankung, die mit Durchfällen, schwerer Allgemeinerkrankung und hoher Sterblichkeit verlaufen kann.
Mit dem Auftreten von Kokzidien ist in jedem Hühnerbestand zu rechnen. Ob es zu Krankheitsausbrüchen kommt, ist von der allgemeinen Konstitution und dem Alter der Hühner, der Pathogenität der jeweiligen Kokzidienart, der spezifischen Immunitätslage der Hühner gegen die jeweilige Kokzidienart, der Einstreu- und Auslaufhygiene sowie der Jahreszeit abhängig. Zu den schwersten Erkrankungen kommt es während der Sommermonate, da der Entwicklungszyklus der Kokzidien temperaturabhängig ist.
Feuchtigkeit der Einstreu fördert die Entwicklung der Kokzidien (Tränkebereich!). Auch durch optimale Haltungsbedingungen lässt sich das Auftreten einer Kokzidiose nicht sicher vermeiden. Da beim Huhn elf verschiedene Kokzidienarten vorkommen, die Immunität gegen Kokzidien jedoch artspezifisch ist, kann auch bei Tieren, die sich erfolgreich mit dem stalleigenen Kokzidienspektrum auseinandergesetzt haben, bei Einschleppung einer neuen Kokzidienart eine ernsthafte Erkrankung auftreten.
Werden Tiere eingestallt, die kokzidienfrei aufgezogen wurden, können schwere Erkrankungen auftreten, da die Tiere über keinerlei Abwehrmechanismen verfügen. Eine Konfrontation mit Kokzidien während der Aufzucht ist daher wünschenswert. Ferner gibt es genetisch bedingte, unterschiedliche Resistenzen gegen Kokzidien. Dies sollte bei der Entwicklung extensiver Lege- und Mastrassen künftig Berücksichtigung finden.
Kokzidien können jedoch weniger häufig als beim Huhn auch bei Puten auftreten. Dort rufen sie jedoch in der Regel nicht so schwere Krankheitsbilder hervor.
Behandlung
Zur Behandlung eignen sich Präparate, die die normale Darmflora unbeeinträchtigt lassen und die Bildung einer Immunität gegen Kokzidien nicht behindern. Dies trifft einzig für Toltrazuril (Baycox) zu. Der Einsatz von Sulfonamiden birgt die Gefahr der Resistenzentwicklung sowie unerwünschter Wirkungen auf die bakterielle Darmflora. Eine Alternative kann das zurzeit in der Erprobung befindliche Ropa darstellen, ein Extraktpräparat aus Wirkstoffen des Oreganum. Die ersten Resultate sprechen für eine gute Wirksamkeit gegen Kokzidien.
Vorbeugung
Zur Vorbeugung der Kokzidiose stehen seit einiger Zeit wirksame Impfstoffe zur Verfügung, z.B. Paracox (Essex). Diese haben jedoch aufgrund der relativ hohen Kosten in Verbindung mit einer Konfektionierung auf 1000 Dosen (kleinste Handelsform) in der Praxis bislang noch nicht die gewünschte Verbreitung gefunden. Eine gleichzeitige Anwendung von Impfung und Kokzidostatikum darf keinesfalls stattfinden.
Stallhygiene
Bei Auftreten einer Kokzidiose müssen der gesamte Stall und seine Einrichtungsgegenstände gründlichst gereinigt werden. Die Einstreu muss nach Behandlungsbeginn mit einem Kokzidiostatikum gewechselt werden, um eine Wiederansteckung zu verhindern. Da im ökologischen Landbau keine kokzidienwirksame Desinfektionsmittel angewendet werden dürfen (Ausnahme: behördliche Anordnung), ist besonderer Wert auf die mechanische Reinigung zu legen.
Aus der Forschung - für die Praxis
Parasitenresistenz von Legehennen
In ökologischen Haltungsverfahren für Legehennen zählen die Parasitosen zu den bedeutendsten Erkrankungen. Ein BÖL-Forschungsvorhaben an der Georg-August-Universität Göttingen hat Legehennen verschiedener Herkünfte auf genetisch bedingte Unterschiede in der Resistenz gegenüber Wurminfektionen untersucht. "Mit der Freilandhaltung von Legehennen sind altbekannte Erkrankungsprobleme wie die Parasitosen wieder aktuell geworden", sagt Projektleiter Dr. Matthias Gauly von der Georg-August Universität Göttingen. "Allerdings scheinen nicht alle Legehennen-Genotypen gleichermaßen betroffen. Einige zeigen eine genetisch bedingte Widerstandsfähigkeit, während andere besonders anfällig sind. Dies sollte unter den Bedingungen einer Feldprüfung aufgezeigt werden, damit Landwirte entsprechend ihre Wahl treffen können. Als wesentliches Ergebnis bleibt festzuhalten: Genotypen unterscheiden sich signifikant. Es gibt aber auch sehr große Unterschiede innerhalb der Genotypen, was eine züchterische Nutzung des Merkmals möglich macht. Weil es einen signifikanten Betriebseffekt gibt, der nicht aus der statistischen Analyse eliminiert werden kann, müssen Genotypen künftig gleichzeitig in einem Betrieb (Referenzherde) gehalten werden, wenn die Eigenschaften der Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten im Feld getestet werden sollen."
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 03.01.2012
