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Im Porträt: Legehennenbetrieb Eckhardt Eisenach

Auch das Huhn ist, was es frisst

Eckhardt Eisenach mit einem Huhn auf dem Arm
Eckhardt Eisenach füttert seine Legehennen bereits seit Jahren mit 100 Prozent Biofutter
©BLE, Bildautor: U. Zöllner

Eckhardt Eisenach legt sehr viel Wert auf das Gesundheitsmanagement seiner Legehennen.

Im Biobetrieb soll das Futter ökologisch erzeugt sein und möglichst vom eigenen Hof stammen.

Eckhardt Eisenach aus Baunatal-Guntershausen bei Kassel hat die Fütterung seiner 6.000 Hennen schon längst auf 100 Prozent Bio umgestellt: "Nach dem Nitrofen-Skandal sah sich das in der Nähe liegende Kraftfutterwerk wegen des hohen Kontrollaufwandes nicht mehr in der Lage, Biofutter zu liefern. Auf der Suche nach einem neuen Lieferanten haben wir den Tierheilpraktiker Hubert Cremer aus Kleve am Niederrhein kennengelernt und sind mit seiner Unterstützung auf 100 Prozent Biofütterung umgestiegen", erläutert er die Entwicklung. Der Weg dahin war allerdings langwierig und durch viele Experimente gekennzeichnet.

Die aktuelle Futtermischung enthält Körnermais, Weizen, Gerste, geschälte Ackerbohnen, Kalk sowie zwei Prozent Mineralfutter. Als Eiweißkomponenten kommen Sojabohnen, die mittlerweile eine regelmäßige Grundlage von 20 Prozent bilden, sowie Ölpresskuchen, vor allem Sonnenblumen-, Distel- und Leinkuchen hinzu. Von einem Biofuttermittelhersteller bezieht Eisenach einen "Booster" (siehe Kasten), der unter anderem eine Kräutermischung enthält. Diese Mischung bewirkt eine bessere Ausnutzung der Eiweißkomponenten. "Um bei 100 Prozent Biofütterung alle erforderlichen Aminosäuren zu erfüttern, muss verhältnismäßig mehr Eiweiß vorgehalten werden. Die Kräuter wirken regulierend", erklärt dazu Cremer und fügt hinzu: "Damit bringen wir lediglich die Vielfalt, die ursprünglich auf dem Speiseplan der Hennen stand, zurück in den Stall."

Die Einzelkomponenten mischt Eckhard Eisenach selbst: "Gesundes Futter ist die Basis für Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere, deshalb will ich über jede Zutat Bescheid wissen." Mängel in der Fütterung haben auch Einfluss auf Fehlverhalten wie Federpicken oder Kannibalismus, davon ist er überzeugt. In seinen Ställen gibt es keine Probleme damit. Daneben sei es freilich wichtig, die Haltungsbedingungen so zu gestalten, dass artgerechtes Verhalten möglich ist. Dazu zählen erhöhte Sitzstangen als Rückzugs- und Schlafplatz, ausreichend Einstreu sowie Möglichkeiten zum Sandbad. 

Zusammensetzung des „Boosters“

  • Biodistelkuchen
  • Bioschwarzkümmelkuchen
  • Bierhefe (konventionell)
  • Bioöl (Gemisch aus Sonnenblumen- und Sesamöl)
  • Biogewürze
  • Mineralien (Natrium und Magnesium)
  • 20 verschiedene Biokräuter zur Aktivierung des Stoffwechsels

Verabreichte Menge: 0,5 Gramm pro Tier und Tag

Gut strukturierter Auslauf

Die Hühner werden in Volieren gehalten und jeder Herde steht ein Schlechtwetterauslauf zur Verfügung. Am Standort Guntershausen laufen drei Gruppen mit jeweils 1.200 Hennen frei auf den Wiesen rund um den Hof herum. Entsprechend viele Gedanken hat sich der 45-Jährige über die Ausgestaltung des Grünauslaufs gemacht: „Der Auslauf muss gut strukturiert und von Anfang an durchdacht sein, nur dann wird er von den Hennen angenommen.“ Zwar sei jeder Baum oder Strauch ein Hindernis bei der Pflege, werde aber als Deckung benötigt. Eisenachs betriebsspezifische Lösung sieht so aus: Sträucher sind am Rand gepflanzt und Wellblechunterstände oder teilweise Anhänger über die restliche Fläche verteilt.

Legehennen im Grünauslauf mit Wellblechunterständen
Büsche am Rand und Unterstellmöglichkeiten strukturieren den Grünauslauf.
©BLE, Bildautor: U. Zöllner

Auch das Alter der Tiere spielt eine Rolle, wenn es um die Akzeptanz der Stall- und Auslaufeinrichtungen geht: „Von der 20. Lebenswoche an lernen die Hennen eine Menge und prägen ihre Gewohnheiten. Danach wird es schwierig mit der Umgewöhnung.“ Deshalb stallt Eisenach bevorzugt Hennen in der 18. Lebenswoche auf. Gute Erfahrungen hat er mit braunen Tetra- oder neuerdings auch ISA-Hybriden gemacht.

Die Hennen verbleiben ein bis eineinhalb Jahre im Betrieb, bei längerer Haltungsdauer mit Legepause. Durch das Rein-Raus-Verfahren können die Ställe im Ganzen gereinigt und desinfiziert werden. Vor der Neu-Aufstallung besteht dann die Möglichkeit, Schadnager effektiver mit Fallen und Ködern zu bekämpfen.

Ganzheitliches Gesundheitsmanagement

Außer mit der Fütterung beschäftigt sich Eckardt Eisenach auch intensiv mit der Gesundheit seiner Tiere. Die Junghennen erhält er von einem Aufzuchtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück. Dort werden sie nach Bioland-Richtlinien aufgezogen und erhalten die vorgeschriebenen Impfungen gegen die atypische Geflügelpest und Salmonellose. Mit dem Bestandstierarzt des Aufzuchtbetriebes werden je nach Bedarf weitere Impfungen abgesprochen.

Zusätzliche Maßnahmen gegen Salmonellen sind (noch) freiwillig. Auf dem Betrieb werden alle drei Monate Untersuchungen auf Salmonellen, Würmer und Kokzidiosen durchgeführt. Im Rahmen eines Projektes der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Universität Gießen ist Eisenachs Hof als Testbetrieb beteiligt.

Zur Eindämmung von Würmern und Milben schwört der Betriebsleiter auf die von Hubert Cremer entwickelten Kräutermischungen. Die im Booster enthaltenen Kräuter reichen aus, um geringen Befall zu regulieren. Gegen hochgradigen Wurmbefall setzt er eine Mischung aus einer Vielzahl von Kräutern („Wurmkräuter“) mit ein Kilogramm pro Tonne Futter ein. Gegen Milben hat sich außerdem das Zerstäuben von Silikatstaub bewährt.

Darüber hinaus nimmt Eisenach als Testbetrieb an einem Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau teil. Ziel ist es, Mindeststandards für die Tiergesundheit festzulegen und betriebsindividuelle Tiergesundheitspläne zu entwickeln. In Anlehnung an das HACCP-Konzept werden am Institut für ökologischen Landbau des Bundesforschungsinstituts für Landwirtschaft (vorher Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft) in Trenthorst Risikobereiche in der Haltung bestimmt sowie Lenkungs- und Korrekturmaßnahmen entwickelt. Dazu werden unter anderem das Auftreten von Schadnagern, Milben und weiteren Parasiten sowie das Erscheinungsbild der Hennen erhoben. All diese Mühen machen sich durch gesunde Hennen und verminderte Verluste bezahlt.

Gesicherte Vermarktung

Einsteigern in die Biolegehennenhaltung empfiehlt Eisenach, sich schon im Vorfeld um die Vermarktung zu kümmern. Am besten sei es, sich einen starken Handelspartner zu suchen, denn: „Was nutzen mir hochwertige Eier, wenn ich sie nicht verkaufen kann?“ Die ausschließliche Ernährung mit Biofutter ist teuer und muss bezahlt werden. Er selbst sortiert, verpackt und vermarktet die Eier von seinem Hof und einem weiteren Betrieb in der Nähe mit noch einmal 9.000 Hennen. Beliefert werden der eigene Hofladen, weitere Hofläden in der Region, der Lebensmitteleinzelhandel sowie ein Naturkostgroßhändler in Göttingen.

Neulinge sollten sich zudem nicht zu viel auf einmal vornehmen: „Nach und nach zu wachsen ist besser als sich gleich am Anfang zu übernehmen. Parallel kann sich dann auch die Vermarktung entwickeln.“ Ausgesprochen wichtig sei auch die eigene Weiterbildung durch Mitarbeit in Arbeitskreisen, Inanspruchnahme von Beratung durch die Bioland-Landesverbände oder Teilnahme an Tagungen wie der Internationalen Bioland-Geflügeltagung. Und schließlich müsse man sich immer wieder Zeit nehmen, um die Tiere zu beobachten: „Es ist wichtig zu merken, wann sich was im Stall verändert.“

Letzte Aktualisierung: 03.01.2012

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