Fütterungsstrategien für Legehennen
Sind kombinierte Fütterungsstrategien eine Alternative zum Alleinfutter? Welchen Einfluss hat der Grünauslauf auf Fütterung und Leistung? Bei Versuchen in einem mobilen Stallsystem erzielten Forscher der Technischen Universität München eine höhere Legeleistung bei kombinierter Fütterung.
Der Einsatz mobiler Stallsysteme in der ökologischen Legehennenhaltung hat viele Vorteile: Er gewährleistet einen begrünten Auslauf, ermöglicht eine vorbeugende Weidehygiene durch regelmäßigen Standortwechsel und reduziert die Nährstoffbelastung des Bodens.
Die erfolgreiche Nutzung von Mobilställen setzt unter anderem eine bedarfsgerechte Fütterung der Legehennen voraus. Bisher gibt es diesbezüglich nur wenige Erkenntnisse. Unklar ist beispielsweise, welche Auswirkungen die erhöhten Temperaturschwankungen bzw. der Zugang zu Grünauslauf auf den Nährstoffbedarf und die Legeleistung haben.
Zu der Fragestellung, welche Fütterungsstrategie für Legehennen in Mobilställen besonders geeignet ist, wurde im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau ein Fütterungsversuch durchgeführt. Untersucht wurde, wie sich Alleinfütterung und kombinierte Fütterung (mit und ohne Grünauslauf) auf den Futterverzehr und die Legeleistung der Tiere auswirken.
Versuchsdurchführung
Zwei Gruppen von je 450 Legehennen wurden in mobilen Stalleinheiten gehalten. Zu Versuchsbeginn im Dezember 2002 waren die Tiere 40 Wochen alt. Im ersten Versuchsabschnitt (Dezember 2002 bis April 2003) wurde untersucht, welche Auswirkungen die Fütterung mit einem Alleinfutter im Vergleich zur kombinierten Fütterung von Ergänzungsfutter und Weizen hat. Im zweiten Versuchsabschnitt (April 2003 bis August 2003) wurde der Einfluss des Grünauslaufs analysiert. Dabei wurden beide Tiergruppen mit kombinierter Fütterung versorgt; eine der Versuchsgruppen erhielt Zugang zum Grünauslauf. Als Parameter wurden unter anderem der Futterverzehr, die Legeleistung sowie die Handelklassen erhoben. Einen Überblick über die Versuchsanordnung gibt die folgende Tabelle:
Versuchsabschnitt | Gruppe I | Gruppe II |
|---|---|---|
1.Versuchsabschnitt (Dez. 2002 bis | Alleinfütterung (Alleinfutter für | Kombinierte Fütterung |
2.Versuchsabschnitt (April 2003 bis | Kombinierte Fütterung (siehe oben) | Kombinierte Fütterung (siehe oben) |
Kombinierte Fütterung oder Alleinfütterung?
Die Legeleistung der Gruppe mit kombinierter Fütterung war bei etwas höherem Futterverzehr deutlich höher als die Legeleistung der Gruppe, die Alleinfutter erhielt. Außerdem war der Anteil an Eiern der Gewichtsklasse M bei der kombiniert gefütterten Gruppe größer. Nachteilig war ein größerer Anteil von Schmutz- und Bodeneiern bei dieser Gruppe.
Kriterium | Gruppe 1: | Gruppe 2: |
|---|---|---|
Tierverluste [%] | 5,2 | 8,6 |
Legeleistung / DH [%] | 78,7 | 84,3 |
Brucheier [%] | 1,48 | 1,06 |
Knickeier [%] | 1,99 | 2,10 |
Schmutzeier [%] | 4,63 | 7,46 |
Bodeneier [%] | 1,21 | 4,55 |
Eigewichtsklasse S [%] | 0,37 | 0,58 |
Eigewichtsklasse M [%] | 29,3 | 36,1 |
Eigewichtsklasse L [%] | 60,9 | 56,5 |
Eigewichtsklasse XL [%] | 9,40 | 6,80 |
Eigewicht [g] | 66,50 | 65,70 |
Futterverbrauch [g/Tag] | 129,80 | 133,70 |
Was bewirkt der Grünauslauf?
Die Gruppe mit Grünauslauf zeigte bei geringerem Futterverzehr eine höhere Legeleistung als die Vergleichsgruppe. Hier könnte die Nährstoffversorgung der Tiere durch die Aufnahme von Grünfutter eine Rolle spielen.
Der zweite Versuchsabschnitt wurde von sehr hohen Verlustraten während der extrem heißen Sommermonate des Jahres 2003 überschattet: Bei der Gruppe mit Grünauslauf lagen die Tierverluste bei 20 Prozent, bei der Gruppe ohne Grünauslauf waren es 15 Prozent. Die Legeleistungen sanken ebenso wie die Tiergewichte gegenüber der ersten Versuchperiode deutlich ab; der Anteil der Knick- und Brucheier stieg an.
Als Verlustursachen kommen bakterielle Infektionen, eine verstärkte Verfettung von Leber und Herz sowie die Schwächung der Tiere aufgrund des Hitzestresses in Frage. Ob ein Zusammenhang zwischen der verwendeten kombinierten Fütterung und den erhöhten Verlustraten besteht, ließ sich im Rahmen des Versuchs nicht klären.
Kriterium | Gruppe 1: | Gruppe 2: |
|---|---|---|
Tierverluste [%] | 15,1 | 20,0 |
Legeleistung / DH [%] | 67,9 | 71,4 |
Brucheier [%] | 3,34 | 4,26 |
Knickeier [%] | 3,81 | 5,29 |
Schmutzeier [%] | 6,28 | 7,01 |
Bodeneier [%] | 2,16 | 3,64 |
Eigewichtsklasse S [%] | 0,89 | 0,89 |
Eigewichtsklasse M [%] | 37,6 | 37,6 |
Eigewichtsklasse L [%] | 52,1 | 54,2 |
Eigewichtsklasse XL [%] | 9,4 | 7,3 |
Eigewicht [g] | 64,5 | 63,8 |
Futterverbrauch [g/Tag] | 117,1 | 113,8 |
Wie hat sich der Mobilstall im Versuch bewährt?
Insgesamt konnten im Mobilstall gute Leistungen erzielt werden. Die Bedingungen im verwendeten Mobilstall unterscheiden sich von üblichen stationären Stallsystemen unter anderem durch größere Klimaschwankungen. Niedrige Stalltemperaturen im Winter mit Tiefsttemperaturen bis unter dem Gefrierpunkt wurden von den Tieren durch erhöhten Futterverzehr kompensiert, ohne dass Einbußen an Körpergewicht oder Legeleistung auf-traten. Deutliche Schwierigkeiten bereiteten den Hühnern jedoch die Höchsttemperaturen im Stall von etwa 30 Grad während des außergewöhnlich heißen Sommers. Die Tiere fraßen deutlich weniger, legten weniger Eier und verloren an Körpergewicht. Als nachteilig erwies sich ein erhöhter Anfall von Schmutz- und Bodeneiern im Vergleich zu herkömmlichen Haltungssystemen.
Fazit:
- Gegenüber der Alleinfütterung führte die kombinierte Fütterung zu einer deutlich verbesserten Legeleistung bei leicht erhöhtem Futterverzehr.
- Tiefe Stalltemperaturen waren ohne Einfluss auf die Legeleistung, bewirkten aber einen erhöhten Futterverzehr.
- Der Grünauslauf führte zu verbesserter Legeleistung bei leicht niedrigerem Futter-verzehr.
- Hohe Stalltemperaturen wirkten sich ungünstig auf Legeleistung, Futterverzehr und Körpergewicht der Hennen aus.
Weitere Informationen:
Letzte Aktualisierung: 03.01.2012

