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Grünauslauf für Junghennen

 
Hennen im Außenscharraum. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Außenscharrraum mit viel Tageslicht, durchgängigen Öffnungen zum Freiland und Sandbad (Betrieb in der Schweiz),
Foto: Willi Baumann

Derzeit werden Ökojunghennen in Deutschland üblicherweise nur mit einem Außenscharrraum und ohne "Freigelände" gehalten. Als Hauptargumente gegen das Freigelände führen die Geflügelhalter vor allem das hohe Risiko für Infektionskrankheiten und Endoparasitenbefall an; zudem können Beutegreifer die Junghennen gefährden. In einem durch das "Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft" (BÖLN) geförderten Forschungsvorhaben wurde der Einfluss eines Grünauslaufs auf den Gesundheitszustand von ökologisch aufgezogenen Junghennen untersucht und Empfehlungen zur Haltung ökologischer Junghennen mit (Grün-)Auslauf nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökolgischen Landbau erarbeitet.

Da in Deutschland nur sehr wenige Erfahrungen in der Haltung ökologischer Junghennen mit Grünauslauf vorliegen, griffen die Wissenschaftler der Universität Kassel für ihr Forschungsvorhaben "Grünauslauf für ökologisch aufgezogene Junghennen" größtenteils auf Daten und Erfahrungen aus der Schweiz, Österreich und Dänemark zurück. Anhand ihrer Erhebungen konnten sie keine Anhaltspunkte für ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Junghennen durch das Anbieten eines Freiauslaufs bzw. Grünauslaufs feststellen. "Es wurde allerdings deutlich, dass zusätzliche Herausforderungen hinsichtlich einer angemessenen Ernährung der Junghennen und der Abwehr von Verlusten durch Beutegreifer entstehen können. Folglich ist eine Optimierung des Managements abgestimmt auf den Zugang zum Freiland nötig, und in gewissem Umfang wird durchaus mit variableren Ergebnissen zu rechnen sein", sagt Projektleiterin Prof. Dr. Ute Knierim. Auswirkungen auf die Gesundheit der mit Freiauslauf aufgezogenen Legehennen konnten im Rahmen dieses Projektes allerdings nicht untersucht werden. Basierend auf den Erkenntnissen des Projektes haben die Wissenschaftler Empfehlungen zum Management und zur Ausgestaltung des Freigeländes für Junghennen entwickelt.

Empfehlungen zum Management und zur Ausgestaltung des Freigeländes für Ökojunghennen

Hennen im Grünauslauf. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Junghennen dieses Schweizer Betriebs nutzen die Bäume im Grünauslauf als Schutz vor der Sonne und vor Greifvögeln.
Foto: Willi Baumann

Junghennen soll laut EG-Öko-Durchführungsbestimmungen (EG-Verordnung Nr. 889/2008) zur Stärkung ihrer natürlichen Immunabwehr, zur Ausübung arteigener Verhaltensweisen und zur Gewöhnung an die Bedingungen in der Legeperiode ein "Freigelände" angeboten werden. Das Freigelände muss zu mindestens 50 Prozent bewachsen und kann auch teilweise überdacht sein (ein Teil des Freigeländes kann also ein Außenscharrraum sein). Die Tierschutz- Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutzVO) schreibt für alle Legehennen-Freilandhaltungen einen Kaltscharraum vor. Da Junghennen unter solchen Bedingungen aufgezogen werden sollen, wie sie später im Legehennenstall gehalten werden, sollte ihnen ebenfalls ein Kaltscharrraum bzw. Außenscharrraum zur Verfügung stehen. Dies ist, obwohl nach EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau nicht vorgeschrieben, bereits gängige Praxis.

Der Außenscharrraum sollte den Tieren so früh wie möglich zur Verfügung stehen. Da die Tiere während der Aufzuchtperiode wachsen, steigt die Besatzdichte im Stall (gemessen in kg) stetig an. Daher sorgt die zusätzliche Fläche im Außenscharrraum für mehr Bewegungsraum zur Ausübung arteigener Verhaltensweisen. Auch die Konfrontation mit Außenklimabedingungen und dem natürlichen Tageslicht sind in Bezug auf die Nutzung des Freiauslaufs von Legehennen von Bedeutung. Spätestens ab der sechsten Lebenswoche verfügen die Tiere über ein vollständiges Gefieder. Ab diesem Zeitpunkt ist es daher möglich, die Tiere in den Außenscharrraum zu lassen. Ein früher Zugang zum Außenscharrraum lässt den Tieren ausreichend Zeit, sich vor Zugang zum Freiauslauf zu akklimatisieren.

Die Größe des Außenscharrraums sollte es allen Tieren ermöglichen, ihn gleichzeitig zu nutzen; daraus ergibt sich eine Mindestfläche von 400 cm² je Junghenne. Diese Größe ist auch unter dem Aspekt wichtig, dass der Außenscharrraum eine zentrale Aufgabe im Hygienemanagement spielt. In Zeiten, in denen der Grünauslauf infolge schlechter Witterung, durchnässten Bodens, Schnees, eines Infektionsgeschehens oder aufgrund einer amtlichen Anordnung geschlossen bleiben muss, sollte der Außenscharrraum den Tieren immer zur Verfügung stehen. Er erfüllt in diesen Bedarfsfällen ersatzweise die Funktionen eines Freiauslaufs. Grundsätzlich kann er nur dann zum Freigelände gerechnet werden, wenn er tatsächlich über Außenklimabedingungen einschließlich direkten Tageslichts verfügt. Wird der Außenscharrraum zum Freigelände gerechnet, kann er allerdings nicht gleichzeitig als Stallfläche angerechnet werden.

Hennen unter Bäumen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Dieser Auslauf eines dänischen Betriebs ist dem natürlichen Lebensraum der Vorfahren unserer Hühner sehr ähnlich und die Junghennen nutzen ihn durch die starke Beschattung sehr gut.
Foto: Niels Finn Johansen

Wird ein Zugang zum Freiauslauf spätestens ab der 12. Lebenswoche gewährt, würde dies einem Drittel des Lebens als Junghenne bei Umstallung mit der 18. Woche entsprechen. Der Freiauslauf sollte sich an den Außenscharrraum anschließen und nach Möglichkeit zunächst ein befestigter, mit Sand, Rindenmulch oder ähnlichem eingestreuter Bereich sein, auf den der Grünauslauf folgt (Geflügellaufhof). Die Einstreu im befestigten Bereich kann wesentlich trockener gehalten werden und bei Bedarf ausgetauscht werden. Im Idealfall kann dieser Bereich auch teilweise überdacht und könnte mit Drahtgeflecht überdeckt sein, um Greifvögel und Krähen fernzuhalten. Im Falle eines Auslaufverbotes bestünde die Möglichkeit, ihn zusätzlich mit einer Folie zu überdachen.

Den Tieren sollte eine Freiauslauffläche von einer Größe geboten werden, die sicherstellt, dass bei Nutzung des Auslaufs während der Vegetationsperiode bis zu sechs Wochen über 50 Prozent der Fläche begrünt bleiben. In den untersuchten Betrieben wurden im Mittel mindestens 0,5 m² Fläche/Junghenne geboten. Dies stellt möglicherweise den unteren Grenzwert dar, mit der diese Bedingung erfüllt werden kann. Diese Fläche sollte möglichst über die gesamte Stalllänge und nicht weiter als 100 Meter vom Stall ausgesehen reichen, um den Tieren die Möglichkeit eines schnellen Rückzugs in den Außenscharrraum zu bieten. Praxiserfahrungen in den untersuchten Ländern zeigen zudem, dass die Junghennen den Auslauf in der Regel nicht sehr weit nutzen.

Der Freiauslauf sollte über möglichst viele Schutzeinrichtungen verfügen, da Junghennen ängstlicher als Legehennen sind und ein stärkeres Schutzbedürfnis haben. Schutzeinrichtungen können Büsche oder künstliche Strukturen sein. Auch Bäume sind möglich, können sich jedoch in Regionen mit vielen Greifvögeln auch negativ auswirken, da diese dort ansitzen können.

Pflegemaßnahmen, wie Mulchen, Mähen oder bedarfsweise Kalken sollten in der Vegetationsperiode regelmäßig durchgeführt werden, um der Anreicherung von Keimen vorzubeugen. Zwei Wechselweiden sind in diesem Zusammenhang für das Hygienemanagement optimal, da längere Ruhezeiten eingehalten werden können.

Aus der Forschung - für die Praxis:

Belastungsresistente Pflanzen für den Geflügelauslauf

In der Freilandhaltung von Geflügel wird die Auslauffläche sehr stark belastet; dies hat häufig eine Verkahlung des Bodens zur Folge. Es sind daher in Ergänzung zu den üblichen Maßnahmen der Auslaufpflege auch pflanzenbauliche Strategien nötig, um eine intakte Vegetationsdecke zu erhalten. Wissenschaftler der Uni Göttingen haben in einem Forschungsprojekt vierzehn Grünlandgräser und -kräuter für die Etablierung von belastbaren Grasnarben im Geflügelauslauf untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Kräuter generell weniger zur Bepflanzung von Auslaufflächen für Legehennen geeignet sind als die Grasarten. Insgesamt die höchste Leistungsfähigkeit unter den untersuchten Arten zeigten Poa supina (Lägerrispe) und Festuca arundinacea (Rohrschwingel).

Näheres zum Projekt:

Opens external link in current windowEignung belastungsfester Pflanzenarten für die Etablierung von Grasnarben für die Geflügel-Außenhaltung

Letzte Aktualisierung: 26.09.2011

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