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Ökolegehennenhaltung: Die bessere Alternative

 

Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren die Problematik mutmaßlich höherer Keimbelastungen und entsprechend höherer gesundheitlicher Risiken in und an Produkten aus ökologischen Hennenhaltungssystemen diskutiert. Nicht nur grundsätzliche Kritiker der Ökohaltung, auch viele Experten und Wissenschaftler machten sich diese die Verbraucher verunsichernden Aussagen zu eigen.

Gesundheitliche Vorteile bei Eiern aus Ökohennenhaltung

Kleine Hühnerherde auf einer Wiese. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Krankheitsvorsorge beruht in der ökologischen Tierhaltung vor allem auf vorbeugenden Maßnahmen; dazu gehören auch tiergerechte Haltungssysteme.
Foto: T. Stephan

Damit bewegten sie sich allerdings auf wissenschaftlich unsicherem Grund, wie die Untersuchungen von Tierhygienikern um Professor Johann Bauer von der Technischen Universität München (TUM) zeigen: Die Wissenschaftler konnten beweisen, dass der Vorwurf höherer Keimbelastungen im ökologischen System eindeutig falsch ist - es gibt nämlich keinen Unterschied. Zudem wiesen sie nach, dass die den Hennen und Eiern anhaftenden Keime in der Ökohaltung viel seltener resistent gegen Antibiotika und damit unproblematischer sind als solche, die in konventioneller Haltung auftreten. Diesen Umstand werten die Forscher als klaren Gesundheitsvorteil für die Verbraucher, die Eier aus ökologischen Haltungssystemen bevorzugen. Denn: Bakterien können vom Tier auf den Menschen (und natürlich auch umgekehrt) übergehen. Je weniger Antibiotikaresistenzen diese Bakterien aufweisen, umso besser können sie im Krankheitsfall therapiert werden.

Vorteile für den Tierschutz

Großer Hühnerstall mit angrenzendem Auslauf. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die prophylaktische Verwendung von Antibiotika ist in der Ökotierhaltung verboten. Auslauf und Weidegang fördern die Immunabwehr.
Foto: T. Stephan

Die Frage nach dem besseren Legehennen-Haltungskonzept sorgte jahrelang für höchst kontroverse Diskussionen: Befürworter ökologischer Haltungssysteme verwiesen auf den Tierschutz, etwa die im Gegensatz zur Legebatterie tiergerechte Haltung mit Scharrmöglichkeit und genügend Auslauf. Zudem sollten die starken Beschränkungen der Ökohaltung beim Arzneimitteleinsatz im Vergleich zu konventionellen Systemen auch die Ausbildung von Antibiotikaresistenzen reduzieren. Die Gegner alternativer Haltungssysteme wendeten ein, dass Ökoeier und -hühnerbestände haltungsspezifisch vermehrt mit Krankheitserregern belastet seien.

Hier wollte Professor Johann Bauer vom Lehrstuhl für Tierhygiene der TUM für wissenschaftlich fundierte Daten und entsprechende Klarheit sorgen. Deshalb untersuchte er mit seinem Team im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Eier und Legehennen aus konventioneller sowie aus ökologischer Haltung, um einen möglichen Einfluss der Haltungsform auf Tiergesundheit und Produktqualität zu erfassen. Dafür fuhren seine Mitarbeiter quer durch Bayern: Sie besuchten je zehn verschiedene Biobetriebe und zehn konventionelle Legehennenhaltungen - und das jeweils viermal, im Abstand von vier Monaten. Bei jedem Besuch nahmen sie per Wattestäbchen je einen Kloakenabstrich von zehn Legehennen und sammelten zusätzlich zehn Eier nach dem Zufallsprinzip ein.

Dabei entdeckte das Team zum Beispiel auf drei Prozent der Kloakentupfer Salmonellen und auf zwei Prozent Listerien. Allerdings fand das Forscherteam diese Verhältnisse bei ökologisch wirtschaftenden und konventionellen Betrieben gleichermaßen vor. Und kein einziges Ei war im Inneren mit Salmonellen verseucht.

Die Wissenschaftler gingen dann noch einen Schritt weiter: Sie untersuchten, wie resistent die isolierten Bakterienstämme gegen Antibiotika waren; solche, die in der Hühnerzucht häufig verwendet werden, aber auch reine Human-Medikamente. Der Vergleich der Resistenzsituation zeigte deutlich: In Ökobetrieben lag der Anteil antibiotikaresistenter Bakterien signifikant niedriger als in konventionellen Betrieben.

Professor Bauer fasste zusammen: "Somit leistet die ökologische Tierhaltung nicht nur einen Beitrag zum Tierschutz, sondern trägt darüber hinaus auch wesentlich zur Sicherung der weiteren Wirksamkeit von Antibiotika bei Mensch und Tier bei."

Kontakt

Technische Universität München
Wissenschaftszentrum Weihenstephan
Lehrstuhl für Tierhygiene
Prof. Dr. med. vet. Johann Bauer
Telefon: 08 161/ 71-33 12
Fax: 08 161/ 71-45 16
E-Mail: Johann.Bauer@wzw.tum.de

Letzte Aktualisierung: 03.01.2012

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