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Kosten der ökologischen Junghennenaufzucht

 

Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbaugehen von dem Grundsatz aus, dass alle Tiere auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben von ihrer Geburt an in diesem Bewirtschaftungssystem aufwachsen. Nur wenn ökologisch aufgezogene Junghennen nachweislich nicht verfügbar sind, greifen die Ausnahmeregelungen der EU-Rechtsvorschriften für denökologischen Landbau. Im Folgenden werden die Kosten ökologischer und konventioneller Junghennenaufzucht im Vergleich dargestellt. 

Beispielrechnung

Doch wie sieht die Kostenrechnung für eine Biojunghenne im Detail aus? Da ist zunächst das Eintagsküken, das zurzeit noch aus einem konventionellen Brutei schlüpft. Je nach abgenommener Anzahl von Eintagsküken liegt der Zukaufspreis in einem Bereich von 0,65 Euro bis 0,75 Euro pro Küken. Hier ist der Preisunterschied zwischen einer konventionellen und einer ökologischen Aufzucht noch nicht so gravierend und wird im Durchschnitt etwa fünf bis sieben Eurocent pro Küken betragen.

Beim Kostenfaktor Futter hingegen ist die Preisdifferenz zwischen konventionell und "Vollbio" derzeit am größten. Dies liegt im wesentlichen in den enormen Unterschieden bei den Futterpreisen. Ist ein konventioneller Starter für 20 bis 23 Euro je Doppelzentner zu beziehen, so liegen die Preise für einen Ökokükenstarter zurzeit bei etwa 60 bis 63 Euro je Doppelzentner. Bei den darauffolgenden Aufzuchtsfuttertypen sind die Relationen gleich. Werden für die vergleichbare konventionelle Aufzucht (keine Käfigaufzucht) Futterkosten von 1,25 bis 1,40 Euro pro Junghenne berechnet, so liegen die Futterkosten für eine Junghenne, die vom ersten Lebenstag ein hochwertiges Ökofutter erhält, bei den momentanen Marktpreisen in einem Schwankungsbereich von 3,5 bis vier Euro je Tier. Ab 2006 müssen jedoch auch konventionelle Aufzüchter, die Junghennen für Biobetriebe anbieten, Fütterung, Krankheitsvorsorge und -behandlung gemäß EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau durchführen (Änderungsverordnung (EG) Nr. 2254/2004) 

Bei den Stallplatzkosten sind zwei sehr entscheidende Unterschiede zu berücksichtigen. Zunächst ist die Bauhülle für eine artgerechte Junghennenaufzucht weitaus kostspieliger, da in den Außenwänden Fenster bzw. Lichtbänder und Auslauföffnungen einzubauen sind und ein überdachter Schlechtwetterauslauf vorhanden sein muss. Hinzu kommt, dass die Belegdichte in diesen Ställen etwa 33 bis 60 Prozent (je nach Haltungssystem) der herkömmlichen Aufzucht beträgt. Die Kosten für die Stalleinrichtung sind, bedingt durch die Vorgaben der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau, ebenfalls um etwa ein Drittel erhöht. Werden bei einer konventionellen Neueinrichtung für eine 18 Wochen alte Junghenne Stallplatzkosten von etwa 0,60 Euro angesetzt, so sind dies bei einem Ökoaufzuchtbetrieb Kosten von 1,4 bis 1,60 Euro pro Junghenne. Sind geeignete Altgebäude vorhanden, kann durch deren Umbau und Nutzung eine Verringerung der Stallplatzkosten von 0,25 bis 0,40 Euro je Tier erreicht werden. 

Die Kosten für die Arbeitserledigung liegen mit 1,10 bis 1,25 Euro pro Tier ebenfalls höher, da die maximalen Stallkapazitäten vorgegeben und die Routinearbeiten umfangreicher sind. Für eine konventionelle Junghenne müssen bei 12,50 Euro pro Stunde etwa 0,80 bis 0,90 Euro je Tier aufgewendet werden, während die ökologische Aufzucht zwischen 1,10 und 1,25 Euro je Tier erreicht.

Für die tierärztliche Betreuung, das umfangreiche Impfprogramm sowie Hygienemaßnahmen entstehen weitere Kosten in Höhe von etwa 0,80 Euro pro Junghenne. 

Ferner sind neben Energie- und Wasserkosten auch erhebliche Kosten für eine einwandfreie Einstreu (ggf. nebst Vorratslagerung) sowie Sand und Kies oder ähnliches für den überdachten Auslauf, ebenso für die Transportlogistik und Versicherungen, den kalkulatorischen Zinsansatz und Risikorücklagen mit in die Kalkulation einzubeziehen. 

Die rechnerischen Ansätze für den kalkulatorischen Zinsansatz des eingesetzten Umlaufkapitals und die Risikorücklage sind betriebsindividuelle Sicherheiten, die jedoch nicht zu unterschätzen sind.

Der Gesamtpreis einer konsequent vom ersten Tag an ökologisch aufgezogenen Junghenne wird sich also in der Größenordnung um 8,5 bis neun Euro pro Tier einpendeln, wenn wirklich alle Kosten berücksichtigt werden. Damit ist die Junghenne zurzeit etwa doppelt so teuer wie eine vergleichbare konventionelle Junghenne.

Letzte Aktualisierung: 03.01.2012

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